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00:16 27.05.2016
Der Glockenturm in London (o. l. im Uhrzeigersinn) wird im nächsten Jahr eingerüstet, beim Kolosseum in Rom sind die Gerüste schon wieder ab, bei der Akropolis in Athen hören die Bauarbeiten wohl nie auf, und am Tadsch Mahal wird auch gewerkelt, selbst wenn königlicher Besuch aus England anreist. Quelle: afp/Getty/dpa
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Die Stimme Britanniens verstummt, die Niagarafälle versiegen, der Tadsch Mahal verschwindet hinter Gerüsten: Sehenswürdigkeiten halten nicht ewig, auch wenn sie für die Ewigkeit gebaut sind. Und deshalb muss immer wieder nachgebessert und aufwendig restauriert werden.

Big Ben verstummt nach 158 Jahren

Demnächst ist Big Ben am Parlamentsgebäude in London an der Reihe. Zunächst wird die Glocke von Januar 2017 an für vier Monate stillstehen, damit Uhrenmacher das vier Meter hohe Pendel und die Zeiger der vier Ziffernblätter überholen können. Die seit Jahrzehnten umfangreichsten Bauarbeiten an dem 158 Jahre alten Glocken sollen dann insgesamt drei Jahre dauern – in dieser Zeit verschwindet Big Ben hinter einem Gerüst.

Damit die Touristen trotzdem auf ihre Kosten kommen, sollen die Arbeiten von oben nach unten stattfinden, sodass der Turm nach und nach wieder sichtbar wird.

Marode Brücken an den Niagarafällen

Nichts mehr zu sehen gibt es an den Niagarafällen. Der US-Bundesstaat New York plant, die berühmtesten Wasserfälle trockenzulegen – zumindest den amerikanischen Teil. Das soll geschehen, um die Reparatur zweier historischer Brücken zu ermöglichen. Die Bauwerke sind mehr als 100 Jahre alt und zunehmend verfallen. Seit 2004 können Besucher das Wasser nur noch über unschöne Hilfskonstruktionen passieren.

Geht es nach der Behörde, soll der Plan in den nächsten zwei bis drei Jahren umgesetzt werden. Dabei gibt es zwei Varianten: Bei der einen würde der Flussarm fünf Monate, bei der anderen neun Monate trockengelegt. Angst, dass deswegen Touristen ausbleiben, gibt es keine – im Gegenteil. Als bereits vor 47 Jahren den Fällen schon einmal das Wasser abgedreht wurde, damit Ingenieure die Auswirkungen der Erosion untersuchen konnten, kamen Menschen von überall her, um sich den ungewöhnlichen Anblick zu gönnen.

Trevi-Brunnen: Modezar sponsert Restaurierung

Aus der Not eine Tugend machen – das haben auch die Römer kapiert. Als vor zwei Jahren der Trevi-Brunnen restauriert werden musste, wurde die Baustelle nicht verhüllt, sondern für Besucher zugänglich gemacht. Tausende Menschen passierten täglich die provisorischen Treppen und kamen – so versprachen es pfiffige Tourismusexperten – ungewöhnlich nahe an die Skulpturen heran.

Am Kolosseum – ebenfalls in Rom – sind die Baugerüste nach fast dreijähriger Restaurierung verschwunden. Seit ein paar Wochen erstrahlt das antike Gebäude wieder in Weiß – so wie es früher einmal ausgesehen hat, als vor 2000 Jahren noch Gladiatoren in der imposanten Arena um ihr Leben kämpften. Die Fassade, vom Smog der Großstadt geschwärzt, ist nun fertig.

Doch was ist schon fertig? Jetzt beginnt in der nächsten Bauphase die Erneuerung der Untergrundpassagen und Wandelgänge im 
Inneren des Amphitheaters. Insgesamt wird das Facelifting für die antike Stätte 25 Millionen Euro kosten. Das Geld kommt vom Schuhunternehmer Diego Della Valle, Inhaber des Luxuskonzerns Tod’s. Das Engagement des "Schuhkönigs" passt nicht jedem Römer, wollte der Mäzen anfangs doch sein Firmenlogo an das alte Gemäuer hängen.

Schaden an der Akropolis seit 1687 nicht behoben

An einigen Sehenswürdigkeiten wird nonstop nachgebessert. Zweieinhalbtausend Jahre ist die Akropolis alt, doch im Jahre 1687 richteten Kanonenkugeln einen Schaden an, der bis heute nicht behoben wurde.

Seit Jahrzehnten wird also nun gewerkelt – griechischer Geldmangel und bauliche Komplikationen ziehen das Ganze zusätzlich in die Länge. So warnten Experten schon vor Jahren vor einem möglichen Zusammenbruch des Parthenon-Tempels. Bis mindestens 2020 soll weiter restauriert werden – mittlerweile gehören Baukräne und -gerüste schon zum Bild der Akropolis dazu.

Eine Million Touristen besuchen BER

Anders als beim indischen Tadsch Mahal. Drei der vier Türme, die zum Mausoleum gehören, sind eingerüstet. Als das britischen Prinzenpaar Kate und William das gigantische Marmormonument in Agra kürzlich besuchte, störten die Bauarbeiten das sonst so perfekte Foto der beiden. Und jetzt kommt auch noch das große Krabbeln: Der für seinen blendend weißen Marmor bekannter Tadsch Mahal ist seit mehreren Wochen mit grünen Flecken übersät. Indiens bekanntestes Monument leidet unter Insektenbefall.

Über solche winzigen Probleme wäre man beim Hauptstadtflughafen erleichtert. Die Dauerbaustelle in Berlin haben sich bislang über eine Millionen Touristen angesehen.

Von Heike Manssen/RND

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