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"Viel sauberer als früher"

Bundesamt zu Nord- und Ostsee: "Viel sauberer als früher"

Wie steht es um Nord- und Ostsee? Mitarbeiter des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie gehen dieser Frage praktisch rund um die Uhr nach. Ihre Messungen zeigen: Trotz vieler Besserungen gibt es noch immer Gefahren für die Meere.

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Selbst in den hintersten Becken können die Forscher die Zunahme von Fischen und anderen Lebewesen beobachten.

Quelle: dpa

Hamburg. Aus ihrem Büro hoch über dem Hamburger Hafen hat Monika Breuch-Moritz (62) die Schifffahrt auf der Elbe fest im Blick. Ob im Hafen eine Sturmflut eingetreten ist, kann die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie sofort sehen: Wenn das Wasser das Pluszeichen im Schriftzug der gegenüberliegenden Werft Blohm+Voss überspült, hat die Flut 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser erreicht.

Natürlich verlässt sich das Amt mit seinen 830 Mitarbeitern nicht auf solche "Messmethoden", wenn es um die Vorhersage von Ebbe und Flut, Meeresströmungen, das Erstellen von Seekarten oder andere Fragen geht. «Wir sind Datensammler von Anfang an gewesen», sagt Breuch-Moritz über die Geschichte des Amtes, das sein 25-jähriges Bestehen am Samstag mit einem Tag der offenen Tür feiert. Die Anfänge reichen allerdings bis 1868 zurück. Damals nahm die Norddeutsche Seewarte ihre Arbeit oberhalb der Landungsbrücken auf.

Als Georg von Neumayer (1826-1909), der erste Direktor der später in Deutsche Seewarte umbenannten Einrichtung, mehr über Meeresströmungen wissen wollte, hatte er eine besondere Idee: Er warf Hunderte von Flaschen mit Postkarten vor Australien und Südamerika ins Meer. Jahre später erhielt er die Postkarten von Findern zurück, die ihm Angaben zum Fundort machten. Mit dem Flaschenpost-Experiment habe er nachweisen können, dass alle Ozeane über Meeresströmungen verbunden sind, sagt Breuch-Moritz. Etwa 660 zurückgeschickte Flaschenpost-Formulare lagern heute im Archiv des Bundesamtes.

Heute sammeln vor allem die Mitarbeiter auf Forschungsschiffen mit moderner Technik wie Sonar und Fächer-Echolot eine Unmenge von Daten, die von Kollegen aufbereitet werden. Meere werden vermessen, Wracks und Untiefen in Karten eingetragen, der Baulärm an Offshore-Anlagen überwacht und die Qualität des Wassers überprüft.

Und was sagen die Ergebnisse über den Zustand von Nord- und Ostsee aus? "Die Gewässer sind viel sauberer als früher", sagt Breuch-Moritz. Ihr Zustand sei nicht besorgniserregend. Die Ostsee ist seit einem riesigen Salzwassereinbruch Ende vergangenen Jahres sogar so sauerstoffreich wie seit vielen Jahren nicht mehr. Selbst in den hintersten Becken können die Forscher die Zunahme von Fischen und anderen Lebewesen beobachten.

Trotzdem gibt es Probleme. Die Flüsse transportieren weiterhin große Nährstoffmengen aus der Landwirtschaft ins Meer. Und auch die Schifffahrt trägt nach wie vor zur Verschmutzung bei. Kreuzfahrtschiffe unterlägen zwar immer strengeren Bestimmungen, aber noch leiteten sie "enorme Abwassermengen" auf hoher See ins Meer.

Doch Ölverschmutzung, Phosphate oder verbotene Herbizide sind in Nord- und Ostsee immer weniger zu finden. So ist das in der EU verbotene Pflanzenschutzmittel Atrazin in der Deutschen Bucht kaum noch nachweisbar. Das ähnlich aufgebaute Herbizid Terbaz können Mitarbeiter des Bundesamtes dagegen bei jeder Messung in deutlicher Konzentration finden. Paraffin, das in den vergangenen Jahren mehrfach an deutschen Stränden angespült wurde, ist in diesem Jahr noch nicht aufgetaucht. Die deutschen Küsten seien sauberer als die in drei Vierteln der Welt, betont Breuch-Moritz. "Wir jammern hier auf einem unglaublich hohen Niveau."

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren habe sich auch in der Ostsee viel zum Positiven gewandelt. Damals, im Juli 1990, waren gerade das Deutsche Hydrographische Institut und das Bundesamt für Schiffsvermessung zusammengelegt worden. Drei Monate später hatte die neue Behörde eine Außenstelle in Rostock, wo bis dahin der Seehydrographische Dienst der DDR saß. «Zum 1. Oktober 1990 mussten wir voll handlungsfähig sein. Die Schifffahrt durfte nichts davon merken», erinnert sich der damalige Amtspräsident Peter Ehlers.

250 DDR-Mitarbeiter habe das Amt übernommen, einige mussten aber später wieder gehen, weil sie als Mitarbeiter der Staatssicherheit enttarnt wurden. Die Vereinigung der Ämter habe dennoch geklappt. "Die Deutsche Einheit war für meine Generation die Erfüllung eines Lebenstraums", sagt Ehlers. Den heute gleichberechtigten Rostocker Standort des Amtes können sich Interessierte bei einem Tag der offenen Tür am 12. September anschauen.

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