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Chemie-Nobelpreis geht nach Göttingen

Mikroskopiertechnik Chemie-Nobelpreis geht nach Göttingen

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an drei Forscher, darunter Stefan Hell aus Göttingen. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit. Als der frisch gekürte Nobelpreisträger per Telefon die Nachricht erhält, glaubt er an einen Scherz.

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Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr unter anderem an Stefan Hell in Göttingen.

Quelle: dpa

Stockholm. Hell hat eine spezielle Mikroskopiertechnik entwickelt. Mit dem Nobelpreis für Chemie wird der Göttinger Forscher Stefan Hell geehrt „für seine bahnbrechenden Entwicklungen, die zur Fluoreszenzmikroskopie mit Nanometerauflösung führten und neue Anwendungen in der Biologie eröffneten“, so die Begründung der Jury. Der Nobelpreis gilt als der wichtigste Wissenschaftspreis weltweit und ist mit einem Preisgeld von acht Millionen Schwedischen Kronen (entspricht rund 870.000 Euro) verbunden. Die Auszeichnung wird an Nobels Todestag am Mittwoch, den 10. Dezember 2014, vom schwedischen König in Stockholm überreicht.

Hell glaubt zunächst an Telefonstreich

Hell hat den Anruf der Jury aus Stockholm zuerst nicht für echt gehalten. "Im ersten Moment habe ich gedacht, das ist vielleicht ein Scherz", sagte Hell der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Schließlich habe er die Stimme des Komiteevorsitzenden Staffan Normark erkannt. "Und dann habe ich langsam realisiert, dass es kein Scherz ist, dass es tatsächlich die Wahrheit ist und das ist auch noch bestätigt worden." Anschließend hat der 51-Jährige seine Frau angerufen.

Der Preisträger revolutionierte die Lichtmikroskopie

Mit neuen physikalischen Konzepten ist es Hell gelungen, die Beugungsgrenze von Lichtmikroskopen fundamental zu unterlaufen. Er revolutionierte damit die Lichtmikroskopie und eröffnete völlig neue Einblicke in den Nanokosmos lebender Zellen. Herkömmliche Lichtmikroskope können Objekte, die weniger als 200 Nanometer (millionstel Millimeter) voneinander entfernt sind, im Bild nicht mehr trennen. Für Biologen wie Mediziner bedeutete dies eine enorme Einschränkung: Um Strukturen in lebenden Zellen zu untersuchen, reicht diese Auflösung bei weitem nicht aus. Die von Hell erfundene und entwickelte STED-Mikroskopie und damit verwandte Verfahren erlauben es heute, Zellen mit einer bis zu zehnmal besseren Detailschärfe zu untersuchen.

Der Ansatz des Physikers beruht auf einem Kniff: Eng benachbarte Details werden unter Verwendung eines speziellen Lichtstrahls sequenziell dunkel gehalten, sodass sie nicht gleichzeitig, sondern nacheinander aufleuchten. Sie können somit im Lichtmikroskop unterschieden werden. „Ein großer Vorteil ist, dass unserer Methode ein relativ allgemeines Grundprinzip zugrunde liegt. Die Hochauflösung ist daher längst nicht ausgereizt“, sagt Hell.  Mit seinen Abteilungen NanoBiophotonik am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Göttingen) und Optische Nanoskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum (Heidelberg) forscht er intensiv daran, noch feiner in die molekularen Details der lebender Zellen vorzustoßen.

Einsatzgebiete vor allem in der Medizin

Als wichtige Einsatzgebiete seiner Methoden sieht der Preisträger vor allem die Biologie und Medizin. „Um Krankheiten zu erforschen oder neue Medikamente zu entwickeln, bietet die STED-Mikroskopie reichlich Potenzial. Wir stehen erst ganz am Anfang, dieses auszuschöpfen“, so Stefan Hell.

Hell erhält den Nobelpreis zusammen mit den US-Forschern Eric Betzig (Howard Hughes Medical Institute) und William E. Moerner (Stanford University).

Über den Preisträger:

Stefan W. Hell (Jahrgang 1962) promovierte 1990 an der Universität Heidelberg in Physik und arbeitete von 1991 bis 1993 am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium (EMBL) in Heidelberg. Danach folgte ein dreieinhalbjähriger Aufenthalt an den Universitäten Turku (Finnland) und Oxford (Großbritannien).

Als Leiter einer Max-Planck-Nachwuchsgruppe wechselte er im Jahr 1997 an das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Seit 2002 ist er an diesem Institut Direktor und Leiter der Abteilung NanoBiophotonik. Zudem leitet er seit 2003 die Abteilung Optische Nanoskopie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Stefan Hell hat für seine Forschung viele Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den 10. Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten (2006), den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis und den Niedersächsischen Staatspreis (beide 2008), den Otto-Hahn-Preis für Physik (2009), den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft (2011), den Wissenschaftspreis der Fritz Behrens-Stiftung (2012) und die Carus-Medaille der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina (2013).

Auszeichnungen

  • 2000: Preis der International Commission for Optics
  • 2001: Helmholtz-Preis für Metrologie
  • 2002: Berthold Leibinger Innovationspreis, 3. Preis
  • 2002: Carl-Zeiss-Forschungspreis
  • 2002: Karl Heinz Beckurts-Preis
  • 2004: Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • 2006: Robert B. Woodward Scholar, Harvard University
  • 2006: Deutscher Zukunftspreis
  • 2007: Julius-Springer-Preis für angewandte Physik
  • 2007: ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
  • 2008: Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis
  • 2008: Niedersächsischer Staatspreis
  • 2008: Nominierung für European Inventor of the Year des Europäischen Patentamte
  • 2008: Methode des Jahres 2008 der Zeitschrift Nature Methods
  • 2009: Otto-Hahn-Preis für die Entwicklung neuer mikroskopischer Verfahren
  • 2010: Ernst-Hellmut-Vits-Preis
  • 2011: Familie-Hansen-Preis
  • 2011: Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft
  • 2011: Meyenburg-Preis
  • 2011: Göteborg Lise Meitner Preis 2010/2011 der Chalmers Universität
  • 2012: Wissenschaftspreis der Fritz-Behrens-Stiftung
  • 2012: Ehrenmitglied der Rumänische Akademie
  • 2013: Carus-Medaille
  • 2014: Kavli-Preis in Nanowissenschaften
  • 2014 Nobelpreis für Chemie

ep

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