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Coffee to go wird zum Umweltsünder

Problem Pappbecher Coffee to go wird zum Umweltsünder

Mit einem Pilotprojekt in Berlin will die Deutsche Umwelthilfe die stetig wachsende Flut der Einweg-Kaffeebecher eindämmen. Für die Herstellung der Becher und Deckel werden jährlich 43.000 Bäume abgeholzt und 11.000 Tonnen Kunststoff verwendet. Die Umwelthilfe schlägt die Verwendung von Mehrweg-Bechern vor.

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Mit einem Pilotprojekt in Berlin will die Deutsche Umwelthilfe die stetig wachsende Flut der Einweg-Kaffeebecher eindämmen.

Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin. Wer morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, tut dies meist ohne schlechtes Gewissen. „Ist ja nur ein Pappbecher, der geht ins Recycling“, diesen Satz bekommen Umweltschützer oft zu hören, wenn sie vorrechnen, zu welchen Abfallbergen sich die täglich in Deutschland verwendeten Coffee-to-go-Becher türmen.

Doch die Sorglosigkeit ist nicht wirklich angebracht. Denn erstens landen die meisten Kaffeebecher nicht in der gelben Tonne, sondern in öffentlichen Abfalleimern und werden dann verbrannt. Und zweitens ist nicht alles Pappe, was wie Pappe aussieht.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat jetzt eine Rangliste der umweltfreundlichsten Transportbehälter für den Unterwegs-Kaffee veröffentlicht. Auf Platz eins steht der Mehrwegbecher, gefolgt vom Einweg-Pappbecher mit Recyclinganteil und Bioplastik-Beschichtung. Die schlechtesten Noten bekommen doppelwandige „Komfort-Becher“, die mehrfach-beschichtet sind, damit der Kaffee lange heiß und die Hand des Kunden möglichst kühl bleibt. Der Deckel, der dafür sorgt, dass Büromenschen ihren Arbeitsplatz ohne Latte-Macchiato-Flecken auf der Hose erreichen, lässt die Umweltbilanz noch schlechter aussehen.

Verstoß gegen die Hygienevorschriften

Die Mehrweg-Idee, die auch vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und von der Initiative „Carry your Cup“ propagiert wird, hat allerdings nicht nur Anhänger. „Wenn der Kunde seinen mitgebrachten Porzellanbecher der Servicekraft zum Auffüllen über die Theke reicht, dann wird es bedenklich“, sagt der Leiter der Lebensmittelüberwachung der Stadt Köln, Roland Braun. Aus seiner Sicht wäre das ein Verstoß gegen die Hygienevorschriften. Er sagt: „Wenn einer unserer Kontrolleure das sieht, dann wird er den Geschäftsinhaber ermahnen.“ Sollte das nicht fruchten, drohe ein Bußgeld.

Braun malt die Situation in Ekel-Farben aus: „Stellen Sie sich mal vor, da zieht jemand den Becher aus seiner Tasche, in der auch ein benutztes Taschentuch und ein Leckerli für den Hund liegen.“ Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kaffeeverbandes, Holger Preibisch, warnt vor einer „Verkeimung“ von Kaffeemaschinen.

Eine Alternative zum eigenen Becher wären nach Ansicht der DUH Mehrweg-Pfandsysteme einzelner Kaffee-Anbieter. Noch besser fände der Verein Becher, die von Filialen verschiedener Ketten akzeptiert und für die Wiederverwertung gereinigt würden. Um die Coffee-to-go-Verkäufer für diese Idee zu gewinnen, wäre nach Ansicht von DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch auch ein bisschen Druck hilfreich, etwa in Form einer Abgabe auf Einweg-Becher. Dass der Preis für das Lieblingsgetränk der Deutschen dadurch steigen würde, glaubt er nicht. Auch praktische Probleme sieht er nicht. Er sagt: „Die Hälfte der Bundesliga-Stadien hat jetzt wiederbefüllbare Becher und das auch bei Heißgetränken.“ Ein Verbot für Einwegbecher sei aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich.

Den Alltag entschleunigen

Noch besser als der Mehrweg-Becher wäre aus Sicht der Umweltschützer nur noch eine andere Strategie: die Entschleunigung unseres Alltags. Die DUH rät: „Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und trinken Ihren Kaffee vor Ort - aus einer Tasse.“

Beim Espresso tun das ohnehin auch viele Kaffeetrinker. Denn für die 30 Sekunden, die so ein kleiner Schwarzer im Schnitt in Anspruch nimmt, findet sich auch im eng getakteten Zeitplan von To-do-Listen-Menschen Platz. Der Espresso macht deshalb beim sogenannten Außer-Haus-Konsum nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands nur 0,4 Prozent aus.

60,3 Prozent der Kaffee-Becher, die täglich durch Deutschland getragen werden, enthalten traditionell aufgebrühten Kaffee. Auf dem zweiten Platz liegt mit 16,2 Prozent der Latte Macchiato, gefolgt von Cappuccino (12,5 Prozent) und Milchkaffee (10,6 Prozent). Die meisten Coffee-to-go-Becher gehen übrigens nicht in den Shops großer Ketten wie Starbucks über die Theke, sondern in Bäckereien.

Für ihre Idee einer 20-Cent-Abgabe auf jeden Kaffeebecher erhoffen sich die Aktivisten Rückenwind aus dem Bundestag. Beim Kaffeeverband stößt der Vorschlag jetzt schon auf erbitterten Widerstand. Er argumentiert: „Im Sinne der Gleichbehandlung müssten nicht nur Einwegbecher, sondern auch sämtliche anderen Einwegverpackungen wie zum Beispiel Bäckertüten, Pizzakartons, Erdbeerschalen, Imbiss-Schalen und Ähnliches von einer Besteuerung erfasst werden.“

dpa

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