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Deutschlands Führungskräfte schlafen zu wenig

Studie Deutschlands Führungskräfte schlafen zu wenig

Deutschlands Chefs sind müde. Und zwar chronisch. Die Führungsspitzen des Landes kommen täglich im Schnitt auf sechs Stunden und zehn Minuten Schlaf – obwohl sie nach eigenen Angaben gern 40 Minuten mehr schlafen würden.

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Schlaf tut gut. Japanische Führungskräfte beim Nickerchen.

Quelle: dpa

Hannover. Besonders wenig Ruhe bekommen Spitzenpolitiker. Von ihnen schläft fast jeder dritte nur fünf Stunden pro Nacht oder noch weniger. Das ergab eine neue Allensbach-Umfrage unter mehr als 500 Führungskräften aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Der Schlafmangel in den Führungsetagen hat Folgen. Denn was aufopferungsvoll klingen und die Wichtigkeit der hiesigen Manager und Politelite unterstreichen mag, halten Experten schlicht für unvernünftig – und wenig produktiv. „Zu wenig Schlaf macht auf Dauer krank, dumm und hässlich – das sind Eigenschaften, die Führungskräfte nicht gebrauchen können“, sagt der Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg. Bei Schlafmangel leide das Gedächtnis, man reagiere gereizter und sei in seiner Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt.

In der Tat beschreiben auch die Führungskräfte selbst die unangenehmen Folgen des Schlafdefizits. Mehr als jeder zweite der Befragten der Allensbach-Untersuchung hat schon einmal erlebt, dass Verhandlungen von der Müdigkeit einzelner Teilnehmer beeinflusst wurden – etwa weil plötzlich ungewollt Zugeständnisse gemacht wurden. Gerade in der Politik haben nächtliche Marathonsitzungen bei schwierigen Verhandlungen Methode.

Die durchschnittliche Schlafdauer liegt in Deutschland bei sieben Stunden. Bei jungen Erwachsenen ist es eher etwas mehr, bei älteren eher etwas weniger. Allerdings muss nicht jeder, der nur fünf Stunden pro Nacht oder weniger ruht, auch gleichzeitig morgens übernächtigt ins Büro stolpern. Nach Angaben von Experte Zulley kommt es nicht auf die Dauer, sondern auf die Qualität des Schlafes an: Lange Tiefschlafphasen, wenig Unterbrechungen – dann könnten manche Menschen auch mit fünf Stunden Schlaf auskommen. Die Faustregel zur Selbstprüfung ist denkbar einfach: „Ob man einen erholsamen Schlaf hat, merkt man daran, dass man sich den gesamten Tag über nicht müde fühlt“, sagt der Schlafforscher.

Doch die Studie sagt auch etwas über das Selbstbild der Führungskräfte aus – und dort gehört Schlafmangel offenbar zum guten Ton. So gab mehr als die Hälfte der Befragten an, dass ihrer Einschätzung nach Normal- oder gar Vielschläfer keine Chance auf einen Topjob hätten.

Dieser Einschätzung würde Albert Einstein wohl nicht zustimmen. Der Erfinder der Relativitätstheorie schlief leidenschaftlich gern – er kam auf zwölf Stunden jeden Tag.

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