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Dicksein ist ansteckend

Studie Dicksein ist ansteckend

Auf der Liste der übertragbaren Krankheiten stand die Fettsucht bislang nicht. Doch US-amerikanische Forscher haben jetzt eine bestürzende Feststellung gemacht: Geselligkeit, genauer die Gemeinschaft dickleibiger Menschen, befördert den Appetit. Dickleibigkeit steckt also an.

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Wer mit Übergewichtigen isst, verliert das Normalmaß.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Die Versuchsanordnung, die sich Margaret C. Campbell und Gina S. Mohr von der University of Colorado ausgedacht haben, ist denkbar einfach: Bonbons und Kekse. Allerdings wurden diese, wie das Magazin „Men’s Health“ berichtet, in unterschiedlichen Situationen angeboten. Schlanke Menschen, die in einer Gruppe von Übergewichtigen die Süßigkeiten bekamen, griffen auffallend häufiger zu als in der Gesellschaft von Waschbrettbäuchen – sie naschten im Schnitt sogar um bis zu 50 Prozent mehr.

Die Erklärung, die die Wissenschaftler Campbell und Mohr für das auffällige Essverhalten ihrer eigentlich schlanken Probanden fanden, ist verhältnismäßig schlicht. Der Anblick dicker Menschen reduziere das Gefühl eigener Unzulänglichkeit, setze Hemmschwellen herab und führe zur psychischen Entlastung – frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert ...

Als Gegenstrategie empfehlen sie eine permanente Reflexion über den Zusammenhang zwischen richtiger Ernährung und Übergewicht – eine Strategie, mit der vermutlich viele Übergewichtige nicht recht weitergekommen sind. Nicht von ungefähr heißt das Sprichwort: „Der Geist ist willig, allein das Fleisch ist schwach.“
Und es wird weltweit immer schwächer. In den USA leidet bereits jeder dritte Erwachsene an der Fettsucht, der Adipositas.

Auch in anderen Ländern geht mit wachsendem Wohlstand die Kurve nach oben. Nach einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation sind in Deutschland 16 Prozent und in Ungarn 18,8 Prozent der Bevölkerung zu dick, weshalb sich Ungarns Parlament diese Woche zu einem interessanten Gegenmittel entschloss: Ungesunde Lebensmittel werden künftig höher besteuert, mit der sogenannten „Hamburger-Steuer“. Wer Produkte mit hohem Zucker- aber auch Salzgehalt kauft, muss mehr zahlen, auf einen Liter Cola erhebt der Staat künftig zwei Cent Steuer, auf Kuchen und Kekse sogar zehn bis zwanzig Cent.

Vor derart drastischen Schritten schreckt die Regierung des statistisch eher noch mittelgewichtigen Deutschlands noch zurück. Das Bundesforschungsministerium empfahl kürzlich vielmehr den Einsatz von „Wildheilbeeren als Waffe gegen die Fettsucht“. Allerdings werde noch an dem Medikament gefeilt, dem die Beere als Grundstoff dienen soll, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.
Gegen echte Dickmacher ist eben kaum ein Kraut gewachsen.

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