Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Dicksein ist ansteckend
Nachrichten Wissen Dicksein ist ansteckend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:34 12.07.2011
Von Michael B. Berger
Wer mit Übergewichtigen isst, verliert das Normalmaß. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Hannover

Die Versuchsanordnung, die sich Margaret C. Campbell und Gina S. Mohr von der University of Colorado ausgedacht haben, ist denkbar einfach: Bonbons und Kekse. Allerdings wurden diese, wie das Magazin „Men’s Health“ berichtet, in unterschiedlichen Situationen angeboten. Schlanke Menschen, die in einer Gruppe von Übergewichtigen die Süßigkeiten bekamen, griffen auffallend häufiger zu als in der Gesellschaft von Waschbrettbäuchen – sie naschten im Schnitt sogar um bis zu 50 Prozent mehr.

Die Erklärung, die die Wissenschaftler Campbell und Mohr für das auffällige Essverhalten ihrer eigentlich schlanken Probanden fanden, ist verhältnismäßig schlicht. Der Anblick dicker Menschen reduziere das Gefühl eigener Unzulänglichkeit, setze Hemmschwellen herab und führe zur psychischen Entlastung – frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert ...

Als Gegenstrategie empfehlen sie eine permanente Reflexion über den Zusammenhang zwischen richtiger Ernährung und Übergewicht – eine Strategie, mit der vermutlich viele Übergewichtige nicht recht weitergekommen sind. Nicht von ungefähr heißt das Sprichwort: „Der Geist ist willig, allein das Fleisch ist schwach.“
Und es wird weltweit immer schwächer. In den USA leidet bereits jeder dritte Erwachsene an der Fettsucht, der Adipositas.

Auch in anderen Ländern geht mit wachsendem Wohlstand die Kurve nach oben. Nach einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation sind in Deutschland 16 Prozent und in Ungarn 18,8 Prozent der Bevölkerung zu dick, weshalb sich Ungarns Parlament diese Woche zu einem interessanten Gegenmittel entschloss: Ungesunde Lebensmittel werden künftig höher besteuert, mit der sogenannten „Hamburger-Steuer“. Wer Produkte mit hohem Zucker- aber auch Salzgehalt kauft, muss mehr zahlen, auf einen Liter Cola erhebt der Staat künftig zwei Cent Steuer, auf Kuchen und Kekse sogar zehn bis zwanzig Cent.

Vor derart drastischen Schritten schreckt die Regierung des statistisch eher noch mittelgewichtigen Deutschlands noch zurück. Das Bundesforschungsministerium empfahl kürzlich vielmehr den Einsatz von „Wildheilbeeren als Waffe gegen die Fettsucht“. Allerdings werde noch an dem Medikament gefeilt, dem die Beere als Grundstoff dienen soll, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.
Gegen echte Dickmacher ist eben kaum ein Kraut gewachsen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einem spanischen Arzt ist es gelungen, einem jungen Mann gleich zwei neue Beine zu transplantieren. In einem halben Jahr könne er wieder gehen, sagte der Arzt.

13.07.2011

Raucher haben nur mit dem Glimmstängel in der Hand ein natürliches Angstverhalten. Wenn sie aber den Nikotinkonsum einige Zeit einstellen, fürchten sie sich weniger und reagieren auch emotionsloser auf Schockbilder als Nichtraucher.

12.07.2011

Der amerikanische Shuttle „Atlantis“ hat Elektrizität gespart und bleibt nun einen Tag länger als geplant im All. Dadurch hat die Besatzung mehr Zeit, um auf der Raumstation ISS aufzuräumen.

12.07.2011
Anzeige