Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Die Sonde Hayabusa2 erreicht den Asteroiden Ryugu
Nachrichten Wissen Die Sonde Hayabusa2 erreicht den Asteroiden Ryugu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:11 27.06.2018
300 Millionen Kilometer von unserer Erde entfernt nähert sich Hayabusa2 dem Asteroiden Ryugu. Quelle: DLR/dpa
Tokio

Auf den letzten Kilometern war der Falke nur noch im Schneckentempo unterwegs. Mit wenigen Zentimetern pro Sekunde näherte die Sonde Hayabusa2 (japanisch für Falke) sich ihrem Ziel. Zum einen, weil das so ökonomischer ist und man nicht Gefahr läuft, aus Versehen darüber hinweg zu fliegen. Aber zum anderen auch, weil die Wissenschaftler schon aus der Entfernung einen Blick auf das Objekt ihrer Mission werfen wollten: den Asteroiden Ryugu.

Ryugu ist an für sich nichts Besonderes – ein Asteroid der Klasse C. Er besteht aus 4,5 Milliarden Jahre altem Gestein, ist kohlenstoffreich, hat einen Durchmesser von 900 Metern und eine Tageslänge von 7 Stunden und 40 Minuten. Aber auf eine gewisse Art ist Ryugu eben doch wieder außergewöhnlich – denn auch über normale Asteroiden wissen wir bisher nicht viel. Diese Mission soll das ändern.

Hayabusa2 soll 2020 eine Asteroiden-Probe zur Erde bringen

Am Mittwoch bestätigte die japanische Raumfahrtorganisation Jaxa, dass sich Hayabusa2 dem Asteroiden auf 20 Kilometer genähert hat. In dieser Position angekommen, startet jetzt ihre Arbeit. Hayabusa2 wird den Ryugu vermessen, soviel wie möglich über ihn herausfinden und dann in einer spektakulären Aktion eine Probe von ihm nehmen. Dazu wird sie, so der Plan, mit einer Art Rüssel kurz auf den Asteroiden berühren, ein Projektil in die Oberfläche feuern und das hochspritzende Material, Staub und Steine, einfangen. Mit ihrer Beute soll Hayabusa2 – wie ihre Vorgängerin – dann 2020 zurück zur Erde kommen.

Zurück bleibt der Mascot-Lander. Das steht für Mobile Asteroid Surface Scout und beschreibt ganz gut seine Aufgabe: „Anstatt mit der Sonde riskante Manöver zu machen, schickt man erst einen Pfadfinder vor“, erklärt Jan Thimo Grundmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Entwickelt wurde er vom DLR zusammen mit der französischen Raumfahrtorganisation CNES. „Für uns ist Mascot fast ein komplettes Raumfahrtzeug, eine Raumsonde im Kleinformat“, sagt Grundmann. Nur etwa so groß wie eine Schuhschachtel, hat der Lander doch jede Menge wissenschaftliche Instrumente an Bord.

Mascot kann über den Asteroiden hüpfen

Für seine Experimente hat Mascot etwa zehn bis 16 Stunden Zeit – dann sind seine Batterien leer. In diesem Zeitraum soll Mascot so viel wie möglich machen. Dazu hat er unter anderem ein Bodenmikroskop dabei, mit dem er sich auf einem kleinen Flecken Boden die einzelnen Mineralkörner ganz genau untersuchen kann. Auch eine Kamera hat er, die die Oberflächenstruktur zeigt. Nachts kann sie sogar, dank einer LED-Beleuchtung, Farbaufnahmen machen. Mit einem Radiometer kann Mascot die Temperatur des Bodens im Tag-Nacht-Wechsel messen. Das gibt Hinweise darauf, wie porös das Material ist. „Und natürlich geht ein Pfadfinder auch nicht ohne Kompass aus dem Haus“, sagt Grundmann. Mit dem Magnetometer soll das Magnetfeld des Asteroiden ermittelt werden.

Dank seines Schwungarms kann Mascot über den Asteroiden hüpfen und so nicht nur eine, sondern sogar zwei Stellen untersuchen. Davor müssen die Wissenschaftler sich aber noch auf eine Landestelle einigen – soll sie lieber außergewöhnlich sein oder der Stelle ähnlich, an der Hayabusa2 die Proben entnehmen wird? Wahrscheinlich, meint Grundmann, wird es auf letzteres hinauslaufen.

Die Landung ist für Oktober geplant

Bis die Entscheidung gefällt wird, können aber noch ein paar Wochen vergehen – geplant ist die Landung derzeit für die erste Oktoberwoche. Denn vieles über Ryugu lernen wir erst jetzt, wo wir nicht von der Erde aus auf den Asteroiden schauen, sondern vor Ort sind. „Auf ersten Aufnahmen aus circa 40 Kilometern sieht man zum Beispiel, dass große Blöcke, etwa in Haus- bis Villa-Größe über den ganzen Asteroiden verstreut sind“, sagt Grundmann. „Das hatte man in der Form gar nicht erwartet.“ Solche Beobachtungen fließen natürlich auch in die Entscheidung über den Landeplatz mit ein.

Bei der Trennung gibt die Sonde dem kleinen Roboter einen Extra-Schubs. Dann soll er von etwa 60 Meter Höhe auf Ryugu fallen. Mascot wird dabei gar nicht erst versuchen, kontrolliert zu landen. Stattdessen wird er so lange über die Oberfläche hopsen, bis er liegenbleibt. Dann soll er sich selbst aufrichten können – ziemlich egal in welcher Position und in welchem Gebiet er aufkommt.

Wissen über Asteroiden könnte überlebenswichtig sein

Dabei soll Mascot weitgehend autonom handeln. Viel Handlungsspielraum hätten seine Beobachter auf der Erde bei der Steuerung sowieso nicht. Die Reaktionszeit, ein Hin und Zurück – von der Erde zu Mascot auf Ryugu –, beträgt alles in allem rund eine Stunde, erklärt Grundmann.

Und für was das alles? Um Asteroiden besser zu verstehen. Das klingt vielleicht nicht nach praktischem Wissen, tatsächlich aber könnte es eines Tages vielleicht sogar überlebenswichtig sein. Irgendwann wird sich ein Asteroid wieder auf Kollisionskurs mit der Erde befinden – wie es in der Vergangenheit schon oft der Fall war. Wenn wir etwas dagegen tun wollen, müssen wir sie nicht nur genau im Blick haben, sondern auch verstehen, wie sie aufgebaut sind, welche Eigenschaften sie haben – um sie dann von ihrer Bahn abzulenken.

Woher kommt das Wasser auf der Erde?

Die Wissenschaft ist an den Asteroiden außerdem interessiert, weil sie aus Material bestehen, das aus der Zeit der Planetenentstehung stammt. Wenn man wissen will, aus was die Planeten – einschließlich unserer Erde – gebaut wurden muss man sich also die uralten Geröllhalden, wie Ryugu eine ist, anschauen. Außerdem glauben die Wissenschaftler, dass ein Teil des Wassers auf der Erde von Asteroiden wie Ryugu stammen könnte.

Und zuletzt gibt es mittlerweile auch ein wirtschaftliches Interesse an den Asteroiden. Unternehmen wie Deep Space Industries oder Planetary Resources und auch Länder wie Luxemburg haben ihr Interesse an Asteroidenbergbau bekundet. Dort warten Wasservorkommen für die Raumfahrt und seltene Materialien wie Platin für die Erde.

Von Anna Schughart/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Geologen haben einen gewaltigen Bergsturz aus der Bronzezeit untersucht. Damals brachen mehrere Millionen Kubikmeter Gestein aus der Nordflanke der Zugspitze. Das könnte auch Auswirkungen auf die Höhe des Bergs gehabt haben.

26.06.2018

Flugbegleiter haben ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken. Das haben Wissenschaftler der Harvard School of Public Health herausgefunden.

26.06.2018

Fast jeder Zehnte aus der Bevölkerung in Deutschland ist schwerbehindert. Der Anteil dürfte angesichts der demografischen Entwicklung weiter zunehmen, denn Einschränkungen treten vor allem bei älteren Menschen auf.

25.06.2018