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Wenn die Minute 61 Sekunden hat

Eine Schaltsekunde für den Juli Wenn die Minute 61 Sekunden hat

Am 1. Juli um 01:59:59 ist Zeitumstellung: Das Jahr 2015 wird um eine Sekunde verlängert. Denn die Erde hängt mal wieder hinterher. Damit die Uhren und die Erdrotation wieder im gleichen Takt gehen, hat der Internationale Erdrotationsdienst (IERS) entschieden, eine Schaltsekunde einzuschieben.

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Am 1. Juli wird das Jahr 2015 um eine Sekunde verlängert – Wissenschaftler fürchten den Moment

Quelle: dpa

Berlin. Die Anzeige 01:59:59 wird es deshalb zweimal geben. Doch da es durch die Umstellung bereits Probleme für Internetdienste und Fluglinien gab – wie bei der jüngstens Schaltsekunde im Jahr 2012 –, beginnt nun erneut die Diskussion über Sinn und Unsinn dieser Korrektur.

Mit den Schaltsekunden wird kompensiert, dass die Erde für eine Umdrehung ein kleines bisschen länger braucht als 24 Stunden Atomuhrzeit. Ohne Schaltsekunde würden Weltzeit und astronomische Zeit immer weiter auseinanderklaffen. „Würde man die Differenz nicht korrigieren, würde die Sonne irgendwann mittags aufgehen“, erklärt Wolfgang Dick vom IERS-Zentralbüro in Frankfurt am Main. International vereinbart ist, dass Weltzeit UTC und Sonnenzeit UT1 nie mehr als 0,9 Sekunden voneinander abweichen.

Doch während die meisten Uhren den Sprung bewältigen werden, kommt so manche Software mit einer zweiten 60. Sekunde nicht klar. Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, das Buchungssystem der australischen Fluggesellschaft Qantas fiel zeitweise aus. „Es ist erstaunlich, was eine kleine Sekunde so anrichten kann“, sagt Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Je mehr Prozesse abhängig von integrierten Zeitangaben laufen, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass doch einmal an einer entscheidenden Stelle die Anpassung vergessen wird oder nicht korrekt passiert.

Problematische Kettenreaktionen seien zum Beispiel im Stromnetz denkbar, erklärt Bauch. Bei der Berechnung des Stromflusses werde mit Mikrosekunden Zeitauflösung gearbeitet, ebenso bei der Bestimmung der Netzwerkbelastung. Werde ein Wert wegen der Schaltsekunde falsch berechnet und als Problem angezeigt, könne die Abschaltung der Leitung folgen. Auch bei der Flugsicherung oder im Geldhandel werde mit Millisekunden Zeitauflösung gearbeitet, ebenso bei der Navigation über Satelliten, ergänzt der PTB-Experte.

Für Privatfirmen sind die Schaltsekunden vor allem mit Mehrkosten für die Umstellung von Hand verbunden. Daher verwundert es kaum, dass es inzwischen viel Widerstand gegen das 1972 eingeführte Zeitsystem gibt. Erstmals im Jahr 2001 wurde von den USA die Abschaffung der Schaltsekunden als Arbeitsthema vorgeschlagen.

Bei der diesjährigen Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im November in Genf werden die Kritiker erneut einen Versuch starten. Vor allem die USA und Frankreich befürworteten eine Abschaffung der Schaltsekunde. Zu den Ländern, die die Schaltsekunde beibehalten wollen, zählen Großbritannien, Russland und Kanada. Hauptargument für eine Abschaffung der Schaltsekunden sei, dass Fehlerrisiken und Mehraufwand wegfielen, erklärt Dick vom IERS-Zentralbüro. „Allerdings ist auch klar: Irgendwann muss man korrigieren, schon eine Stunde Differenz ist im Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen deutlich spürbar.“

Denkbar sei das Einschieben einer Schaltminute alle 100 Jahre. „Allerdings wüsste nach so langer Zeit niemand mehr, wo überall es ein Problem geben könnte und Anpassungen in Systemen nötig sind“, ist Dick überzeugt. Im Moment sind die beiden Lager von Gegnern und Befürwortern in etwa gleich groß. Für eine Änderung des Weltzeitsystems müssten sich aber alle einig sein. Dick ist darum fest davon überzeugt, dass sich „ein einstimmiger Beschluss im November nicht durchsetzen wird“.

von Annett Stein

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