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Experten warnen vor elektrischer Zigarette

Gesundheit Experten warnen vor elektrischer Zigarette

Dampfen statt rauchen? Die elektronische Zigarette wird als „gesunde Alternative“ zum Rauchen gehandelt, da sie keinen Tabak verbrennt. Stattdessen wird flüssiges Nikotin verdampft. Kritiker warnen vor unbekannten Folgen.

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Die elektrische Zigarette, verbrennt keinen Tabak. Stattdessen wird flüssiges Nikotinkonzentrat verdampft. Kritiker warnen aber davor, die Auswirkungen zu unterschätzen.

Quelle: dpa

Ein tiefer Zug und die Zigarette glimmt. Tabakgeschmack erfüllt die Lunge, Nikotin strömt ins Blut. Obwohl man mitten im Nichtraucherbereich sitzt, beschwert sich niemand. Immer mehr Raucher greifen zur elektrischen Zigarette. Denn „gedampft“ werden darf theoretisch überall – ob im Restaurant oder Flugzeug. Vor allem in Hollywood und im asiatischen Kino ist die E-Kippe schon angekommen. Im Film „The Tourist“ zieht Schauspieler Johnny Depp im Bahnabteil genüsslich am Elektrostängel. Auch Leonardo diCaprio, Paris Hilton und Kathrin Heigl schwören auf die neue Form des Rauchens. Aber ist es wirklich eine Alternative zur Zigarette?

Der Hamburger E-Zigaretten-Großhändler Werner Wolff schwört darauf. Es gibt sowohl täuschend echt aussehende Plastikimitate mit einem roten LED-Lämpchen als künstlicher Glut als auch metallische kurze Röhrchen, die einer Zigarettenspitze ähneln. „Seit ich die Dinger benutze, rauche ich keinen Tabak mehr“, sagt er. „Das ist nicht nur gesünder, sondern auch für meine Mitmenschen verträglicher.“ Seit 2008 vertreibt er die aus China importierten Produkte übers Internet. Von der Pfeife bis zum Hightech-Dampfer ist bei ihm alles zu haben.

Das Prinzip ist einfach: Bei jedem Zug verdampft ein Brennelement flüssiges Nikotin. Um die Illusion perfekt wirken zu lassen, glüht eine Leuchtdiode an der Spitze auf. Bis zu 300 Züge bietet eine Kapsel, was 25 Kippen entspricht. Der Raucher inhaliert Nikotindampf. Da kein Tabak verbrennt, sollen Anbietern zufolge keine Schadstoffe entstehen. Einige Händler bewerben die E-Zigarette gar als „gesunde Alternative zum Rauchen“.

Sicher ist, dass Nikotin schnell süchtig macht. Die Elektrokippen sind wenig erforscht, Auswirkungen möglicher Schadstoffe unbekannt, sagen Kritiker. Auch ist unklar, was dem Konzentrat beigemischt ist. Das wissen nur die Hersteller. Nachfragen bleiben mit Verweis aufs Betriebsgeheimnis unbeantwortet. Auch Händler Wolff schweigt. Es gebe verschiedene Nikotinkonzentrationen und Geschmacksrichtungen wie Apfel oder Schokolade. „Da ist nichts Giftiges drin.“

Zu einem anderen Ergebnis kommt die US-Kontrollbehörde FDA. 2009 fand sie giftige Substanzen in Proben – darunter krebserregende Nitrosamine. Gegen eine hohe Qualität der E-Zigaretten spreche auch der variierende Nikotingehalt in den Kapseln. Sogar als nikotinfrei deklarierte Patronen wiesen das Suchtmittel auf. Bereits 2008 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Gefahren. „Nach unserer Ansicht hat sich seitdem nicht viel getan“, sagt BfR-Experte Frank Henkler. „Nikotin ist ein Nervengift und kann Bluthochdruck sowie Genschäden verursachen. Zur Nikotinentwöhnung ist die E-Zigarette definitiv nicht geeignet.“

US-Forscher machen sich aber für die E-Kippe stark. Der Nikotindampf biete eine gesündere Alternative zum Tabak-Qualm, so das Fazit von Zachary Cahn von der University of California und Michael Siegel von der Boston University School of Public Health. Das geringere Gesundheitsrisiko sei höher einzustufen als offene Fragen.

„Hier wird sehr schnell Nikotin abgegeben und aufgenommen“, sagte der Mediziner Pál L. Bölcskei vom Münchener Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung der „Süddeutschen Zeitung“. Er habe sich aus Neugierde eine elektrische Zigarette bestellt. Für die Rauchentwöhnung von normalen Zigaretten würde er sie nicht einsetzen. „Das bedeutet, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben“, sagt er.

Julian Mieth

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