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Bewältigung von Traumata ist entscheidend

Integration von Flüchtlingen Bewältigung von Traumata ist entscheidend

Viele der in Deutschland ankommenden Flüchtlingen sind traumatisiert. Die Plätze für Therapien reichten aber nicht aus. Ein Forscher schlägt vor, dass Flüchtlinge anderen Neuankömmlingen helfen könnten. Das sei enorm wichtig für die Integration.

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Zwei Kinder stehen auf der griechisch Seite der Grenze zu Mazedonien umringt von Polizisten. Sie und ihre Eltern werden von der mazedonischen Grenzpolizei am Überqueren der Grenze gehindert.

Quelle: Georgi Licovski/dpa

Berlin. Unbehandelte psychische Störungen bei Flüchtlingen aus Bürgerkriegsregionen könnten eines der größten Integrationshindernisse in Deutschland sein. "Mit einer Traumafolgestörung hat man mehr Schwierigkeiten, eine neue Sprache zu lernen, eine Ausbildung zu machen, einer Arbeit nachzugehen", sagte der Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Frank Neuner (Universität Bielefeld). Aus diesem Grund müssten die Flüchtlinge unbedingt die Chance bekommen, Erlebtes zu verarbeiten. Das Ausmaß der psychischen Belastungen bei Flüchtlingen und die Bedeutung für das Gesundheitssystem werden bisher weder gesehen noch ernst genommen, sagte Neuner. Er verwies auf Schätzungen, wonach 20 bis 40 Prozent der Erwachsenen und 20 bis 30 Prozent der Kinder unter den Flüchtlingen von sogenannten Traumafolgestörungen betroffen sind.

200.000 Menschen brauchen eine Behandlung

Traumata können entstehen, wenn jemandem etwas Schreckliches widerfährt oder er Zeuge wird. Auslöser könnten beobachtete Gewalt, Kriegshandlungen, Vergewaltigung oder Misshandlungen sein. Bezogen auf die Zahl der Flüchtlinge, die 2015 in Deutschland ankamen, wären das "nach konservativer Schätzung 200.000 Behandlungsbedürftige", so Neuner. Mit den bestehenden Strukturen sei Deutschland dieser Aufgabe nicht gewachsen: An den spezialisierten Zentren für Folteropfer und Kriegsflüchtlinge bundesweit gebe es lediglich 4000 Plätze. Niedergelassenen Psychotherapeuten fehle es neben der Kompetenz für diese Klientel auch an Interesse, da sie ohnehin ausgelastet seien und die Sprachbarriere scheuten. Auch die für die Therapie nötigen Dolmetscher würden ohne größeren bürokratischen Aufwand nicht bezahlt, sagte Neuner.

Die Lösung: Laien für die Therapie einbinden

"Mehrere hochkarätige Studien aus Deutschland und den USA haben gezeigt, dass auch qualifizierte Laien eine Psychotherapie anbieten können", sagte Neuner. Denkbar sei es, für diese Arbeit bereits in Deutschland lebende Flüchtlinge oder Migranten zu gewinnen. Der Erfolg solcher Kurzzeit-Psychotherapien habe sich bisher in Kriegsgebieten wie Uganda und Ruanda gezeigt. Dabei lernen zum Beispiel Lehrer, aber auch Kinder, eine sogenannte traumafokussierte Psychotherapie durchzuführen. Bei der Therapie würden die Erinnerungen an die traumatischen Erfahrungen in Erzählungen aufgearbeitet, was letztlich eine Verarbeitung der Traumata bewirke, erläutert Neuner. Um solche Therapien in Deutschland zu etablieren, seien Sonderregelungen nötig. "Derzeit ist das nicht möglich, weil nach dem Gesetz nur ausgebildete Psychotherapeuten eine Psychotherapie anbieten dürfen."

Kongress befasst sich mit der Thematik

Am Mittwoch beginnt in Berlin ein Kongress der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie. Frank Neuner will bei der Gelegenheit über die Behandlung von Menschen aus "den dunkelsten Orten der Welt" sprechen.

Von Gisela Gross

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