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Forscher: Wir brauchen mehr kluge Köpfe aus dem Ausland

Zuwanderung erleichtern Forscher: Wir brauchen mehr kluge Köpfe aus dem Ausland

Die Fachkräftelücke in Deutschland wird von Jahr zu größer. Jetzt schlagen Arbeitsmarktforscher Alarm. Sie fordern rasch erleichterte Zuwanderungsmöglichkeiten für „die klugen Köpfe der Welt“. Im Moment sei für sie ein Job in Deutschland zu unattraktiv.

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Arbeitsmarktforscher warnen vor der wachsenden Fachkräftelücke in Deutschland.

Quelle: dpa

Arbeitsmarktforscher drängen auf eine stärkere Öffnung Deutschlands für hochqualifizierte ausländische Fachkräfte, andernfalls drohten der Wirtschaft schon bald deutliche Fachkräfteengpässe. „Die Zeit ist reif, entsprechende Signale zu setzen“, sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Ulrich Walwei, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Derzeit ist Deutschland leider nicht attraktiv genug für die klügsten Köpfe der Welt“, bedauerte der Arbeitsmarktforscher. Wenn junge, gut ausgebildete Menschen ein neues Wirkungsfeld im Ausland suchten, spiele Deutschland leider eine zu geringe Rolle.

Als Grund für die geringe Attraktivität Deutschlands sieht Walwei unter anderem bürokratische Hürden. Viele ausländischen Fachkräfte wollten sich nicht durch den „Dschungel von Paragrafen und Restriktionen hangeln“, sagte er. Als Beispiel nannte er die sogenannte Vorrangprüfung, bei der Arbeitsagenturen erst überprüfen müssten, ob es für die Stelle nicht auch einen geeigneten einheimischen Bewerber gebe. Auch die Regelung, wonach andernfalls die von dem Ausländer zu besetzende deutsche Stelle mit mindestens 66.000 Euro dotiert sein müsse, erweise sich bei der Anwerbung als hinderlich.

In Deutschland fehle es bislang außerdem an einer Willkommenskultur, „die klar macht: Wir wollen Euch gewinnen“, berichtete Walwei und bezog sich dabei auf eine entsprechende Kritik ausländischer Fachleute auf einer IAB-Tagung zu dem Thema in der vergangenen Woche. Dabei gehe es bei der Anwerbung qualifizierter Ausländer keineswegs nur um Hochschulabsolventen, sondern auch um Techniker, Pflegekräfte, in Bayern auch um Facharbeiter für die Metall- und Elektroindustrie, stellte der Arbeitsmarktforscher klar.

Bei der Auswahl der Fachkräfte spricht sich Walwei für ein Überprüfung der Bewerber mittels eines Punktesystems aus. Dieses müsse dabei helfen, neben der Qualifikation des ausländischen Bewerbers beispielsweise auch seine Deutschkenntnisse zu bewerten. Für wichtig hält Walwei auch die Frage, ob ein ausländischer Bewerber flexibel genug für die häufig wechselnden Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes ist. „Was nützt mir da jemand, der so spezialisiert ist, dass er weder nach rechts noch nach links sieht“, gibt Walwei zu bedenken.

Bei der Zahl der schon jetzt benötigten Fachkräfte wollte sich Walwei nicht festlegen. Sicher sei, dass schon jetzt in bestimmten Bereichen, etwa bei Ingenieuren, Kräfte fehlten und sich diese Lücken mit der zunehmenden Überalterung der deutschen Bevölkerung weiter vergrößern werde. „Ich sehe da im Moment keinen Anlass, bei den anzuwerbenden ausländischen Fachkräften eine Grenze zu ziehen. Wir sind derzeit auf einem Niveau, dass wir das nicht begrenzen müssen“. Gleichwohl sehe er ein, dass man auch die deutsche Gesellschaft auf die Zuwanderung vorbereiten müsse. „Vielleicht sollten wir daher die Tür mal eine gewisse Zeit aufmachen und sie damit Erfahrung sammeln lassen“, sagte Walwei.

dpa

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