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Nachrichten Wissen Forscher entwickeln Pille für Sportmuffel
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00:16 09.10.2015
Stark dank einer Tablette? Forscher arbeiten an einem Medikament, das Sport ersetzen soll. Quelle: dpa/Symbolfoto
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Großbritanniens legendärer Premier Winston Churchill wäre begeistert gewesen, die Übergewichtigen, die sich in der Fernsehshow „The Biggest Loser“ abmühen, um Pfunde loszuwerden, sowieso. Forscher arbeiten daran, eine Trainingspille zu entwickeln. Sie soll sportlich machen, ohne dass man Sport treiben muss.

Was für eine Verheißung für alle, die behaupten: Sport ist Mord, Breitensport ist Massenmord. Eine Trainingspille einwerfen und zack! Halbe Stunde schwimmen auf dem Trockenen, eine Runde Fahrradfahren, ohne einmal zu treten. Und noch eine Pille – zack! Fünf Kilometer Jogging auf der Couch.

Irrungen und Wirrungen

Lässt man sich den Triathlon der Zukunft auf der Zunge zergehen? Die Forschung ist noch im Anfangsstadium, in der Aufwärmphase sozusagen. Vor ein paar Jahren glaubte man, der körpereigene Botenstoff Irisin würde Wunder wirken – als Muskelauf- und Fettabbaumittel. War aber nichts. Muskellos statt muskulös.

Der zweite Stoff, Resveratrol, schien aus dem Schlaraffenland über uns zu kommen. Er ist in Rotwein und Schokolade enthalten und soll lebensverlängernd wirken. Eine neue Studie ergab jedoch: Wirkt nicht, hilft nicht.

Welche Irrungen und Wirrungen Pillen auslösen können, erleben wir bei vielen Spitzensportereignissen. Wie man unmenschlich schnell viel Kraft und Ausdauer schöpft, wissen kriminelle Pillendreher seit Langem. Anabolika, Beta-Blocker, Stimulanzien, Wachstumshormone – alles da.

Klares Zielpublikum

Doch für Betrüger wollen die Trainingstabletten-Wissenschaftler natürlich nicht forschen, sondern für Menschen, die wegen Krankheiten oder Verletzungen keinen Sport treiben können. Fitness auf Rezept verschreiben zu können, wäre für manche dieser Patienten (über)lebenswichtig.

Aber ob die neue Pille auch für Hochgefühle sorgen kann? Langstreckenläufer kennen diesen besonderen Moment: das sogenannte Runners High. Nichts schmerzt mehr, die Beine bewegen sich wie von allein, federleicht gleitet man über die Strecke. Das kann sogar süchtig machen. „Es gibt Entzugssymptome, die Betroffenen werden aggressiv und unruhig“, warnt Sportpsychologe Heiko Ziemainz von der Uni Erlangen-Nürnberg. „Sie versuchen alles, um Sport treiben zu können, und vernachlässigen ihr soziales Umfeld.“

Dieser Gefahr war Winston Churchill („no sports“) nie ausgesetzt. Er verabreichte sich gern zwei wirksame Gegenmittel: Zigarren und Whisky.

Von Rüdiger Ditz

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