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Klimawandel: Wein wird anders schmecken

Trockenheit und schwüle Nächte Klimawandel: Wein wird anders schmecken

Höhere Temperaturen – pralle Trauben: Mancher Winzer sieht sich als Gewinner des Klimawandels. Dies könnte ein Irrtum sein. Gerade deutsche Marken wie der Riesling könnten in einigen Jahren ganz anders schmecken.

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Mancherorts wie im südpfälzischen Edesheim hat die Lese der frühreifen Weinsorten bereits begonnen.

Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa

Geisenheim. Die trockene und warme Weinsaison 2015 hat einen Vorgeschmack darauf geliefert, wie der Klimawandel den Weinanbau in Deutschland verändern wird. Im Weinanbaugebiet Rheingau haben die höheren Jahrestemperaturen dazu geführt, dass die Riesling-Lese im Mittel Ende September beginnt. Höhere Mostgewichte lassen manche glauben, die Winzer könnten zu den Gewinnern des Klimawandels gehören. Das ist möglicherweise ein großer Irrtum.

Die hessische Hochschule Geisenheim, bundesweit renommierte Forschungsstätte für den Weinbau, untersucht seit einem Jahr die möglichen Folgen des Klimawandels. Es geht um die Frage, wie der steigende Kohlenstoffdioxidgehalt auf die Pflanzen wirkt.

Wie schmeckt der Wein in 35 Jahren?

Auf den Rebflächen der Hochschule wird die Luft deshalb mit zusätzlich 20 Prozent Kohlendioxid angereichert – um Bedingungen zu simulieren, denen die Rebe künftig ausgesetzt sein wird. "Wir wollen wissen, wie der Wein in 35 Jahren schmeckt", sagt Claudia Kammann, die das Projekt koordiniert. Nach Schätzungen der Forscher wird sich der Geschmack des deutschen Weins deutlich verändern.

Die Treibhausgase – neben dem CO 2 geht es auch um Lachgas und Methan – lassen Experten zufolge die Temperaturen global steigen. Bereits jetzt hat das die Bedingungen für den Weinbau dramatisch verändert. Austrieb, Blüte und Lese der Reben finden im Rheingau inzwischen viel früher statt. Das Mostgewicht der Trauben – ein wichtiger Indikator für die Reife – hat deutlich zugenommen. In den Weinanbaugebieten Deutschlands können inzwischen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot angebaut werden, die eigentlich in den Mittelmeerländern beheimatet sind.

Pilzbefall und weniger Säure

Das hat nicht unbedingt nur positive Auswirkungen. Wenn Wasser und kühle Nächte fehlen, dann geht deutschen Sorten wie dem Riesling die für ihn so wichtige Säure und Frucht verloren. Das könnte in diesem Jahr – ähnlich wie 2003 – wieder passieren. Die schnelle Reife der Reben macht außerdem gerade den Riesling, für den der Rheingau berühmt ist, bei Feuchtigkeit gegen Pilzbefall anfällig.

Thomas Maier

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