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Forschung verlässt den Elfenbeinturm

„Open Science“ Forschung verlässt den Elfenbeinturm

Die Digitalisierung verändert das Selbstverständnis von Wissenschaftlern. Sie öffnen ihre Daten und Ergebnisse dem Zugang für andere Forscher und für die Öffentlichkeit. Wichtige Impulse dafür gehen von der Stadt Gutenbergs aus.

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Das Max-Planck- Institut für Chemie in Mainz widmet sich der Erdsystemforschung.

Quelle: MPIC/Carsten Costard

Mainz. Forschungsdaten und -ergebnisse werden zunehmend frei verfügbar: Dieser Trend zur „Open Science“ ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern nicht mehr umzukehren. Der als „Open Access“ bezeichnete kostenfreie Zugang zu Fachaufsätzen sei ein Kernelement von „Open Science“ und werde im Lauf der nächsten Jahre weltweit zum Standard, sagt der Mainzer Chemiker und Max-Planck-Direktor Ulrich Pöschl. Das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz hat nach seinen Angaben seit 2001 eine führende Stellung, wenn es darum geht, hochwertige Open-Access-Zeitschriften zu etablieren. „Da ist von Mainz in den letzten 15 Jahren sehr viel ausgegangen, was gut zur Tradition von Gutenberg passt“, dem Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Lettern und Wegbereiter einer neuen Art von Wissensvermittlung.

„Leider ist es noch nicht möglich, jeden Aufsatz in Open Access zu publizieren“, erklärt Pöschl. Manche Ergebnisse müssten noch in Zeitschriften mit kostenpflichtigem Zugang veröffentlicht werden, da in einigen Bereichen nur diese zur Verfügung stünden.

Ulrich Pöschl, Direktor des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie

Ulrich Pöschl, Direktor des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie

Quelle: dpa

Bis 2020 soll aber ein Großteil der wissenschaftlichen Zeitschriften auf „Open Access“ umgestellt sein – so lautet auch ein zentrales Ziel der von Pöschl mitinitiierten internationalen Initiative „Open Access 2020“. Der Chemiker ist wissenschaftlicher Koordinator der Initiative, an der alle führenden wissenschaftlichen Vereinigungen in Deutschland mitwirken, darunter die Hochschulrektorenkonferenz, die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Wissenschaft und Gesellschaft werden massiv profitieren

„Open Access“ solle in Zusammenarbeit mit Verlagen erreicht werden, erklärt Pöschl und fügt hinzu: „Das ist kein Gegeneinander, sondern wird immer mehr zu einem Miteinander.“ Durch „Open Access“ öffnet sich der bisher wenig flexible Publikationsmarkt für neue Anbieter, aber auch die traditionellen Verlage bieten neue Dienstleistungen an. Auch könnten frei verfügbare Fachaufsätze als Werbung für das Buchgeschäft dienen. „Vom freien Zugang und neuen Möglichkeiten zur Nachnutzung von Forschungspublikationen werden die Wissenschaft und die Gesellschaft insgesamt massiv profitieren.“

Einen längeren Weg haben die Befürworter von „Open Science“ noch bei „Open Data“ vor sich, dem freien Zugang zu Rohdaten für Forschungsprojekte. Zur Klima- und Atmosphärenforschung gibt es bereits große Datenbanken, die weltweit zugänglich sind und auch viele Daten der Mainzer Forscher enthalten. „Zugleich aber haben Wissenschaftler ein legitimes Interesse, diese Daten zumindest über eine begrenzte Zeitspanne hinweg selbst zu nutzen, bevor andere damit arbeiten“, sagt Pöschl und nennt als Beispiel Doktoranden, von denen in ihrer Dissertation ein eigenständiger neuer Beitrag zur Forschung erwartet wird. „Bei Open Data müssen wir erst noch gangbare Wege finden“, sagt Pöschl. Als einen schon kurzfristig möglichen Weg nennt er die Offenlegung von Forschungsdaten, deren Auswertung in einem Zeitschriftenaufsatz präsentiert wird.

Von RND/dpa/Peter Zschunke

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