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Füchse jagen offenbar mithilfe des Magnetfeldes

Beobachtungen von Zoologen Füchse jagen offenbar mithilfe des Magnetfeldes

Der Kompass im Kopf: Ein Wissenschaftlerteam um den Essener Zoologen Burda hat das Jagdverhalten von Rotfüchsen beobachtet. Die Tiere springen bevorzugt in Nordostrichtung - offenbar aufgrund des Magnetfeldes.

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Die Füchse gleichen das Magnetfeld offenbar mit den Geräuschen ihres Beutetieres ab.

Quelle: dpa

Es wirkt ein bisschen wie Magie, wenn Rotfüchse mit einem gezielten Sprung von oben im hohen Gras oder Schnee verborgene Wühlmäuse erlegen. Ein Wissenschaftlerteam um den Zoologen Prof. Hynek Burda von der Universität Essen-Duisburg hat nun erstmals eine Lösung für die Frage entwickelt, wie die Raubtiere es schaffen, ihre Beute, die für sie zwar hörbar, aber nicht sichtbar ist, derart präzise zu lokalisieren: mithilfe des Erdmagnetfeldes.

Insgesamt 600 Beutesprünge von 84 unterschiedlichen Füchsen haben die Wissenschaftler im tschechischen Freiland beobachtet. „Dabei konnten wir zeigen, dass die Füchse sich im Sprung bevorzugt in Nordostrichtung bewegen“, erklärt Burda. „Wenn sie ihre Beute dabei nicht sehen konnten, waren sie in dieser Sprungrichtung deutlich erfolgreicher als aus anderen Richtungen.“ Laut Statistik der Forscher bekamen die nach Nordost springenden Füchse in 72 Prozent der Fälle ihre Beute. Sprünge in eine andere Richtung brachten ihnen dagegen nur zu 18 Prozent die erhoffte Mahlzeit.

Dabei hing die beobachtete Tendenz ganz offenkundig weder von der Tageszeit noch vom Sonnenstand oder den Windverhältnissen ab. „Es bleibt also nur das Magnetfeld“, resümiert Burda, der 2008 bereits nachweisen konnte, dass Kühe und Rotwild sich beim Grasen am liebsten mit dem Gesicht zum magnetischen Nordpol stellen. Stören dagegen Hochspannungsmasten das Erdmagnetfeld, ändert sich auch die kompassnadelähnliche Ausrichtung der Kühe: sie stehen nun einfach durcheinander.

Weil die magnetfeldgesteuerte Ausrichtung nun aber weder für Kühe noch für Füchse wirklich Sinn hat, vermuten Burda und weitere Forscher, dass die Füchse dadurch tatsächlich einen Jagdvorteil haben. Magnetfeldexperte John Philips von der amerikanischen Virginia Tech Universität vermutet sogar, dass die Räuber mithilfe des Magnetfelds den Abstand zu ihrer unsichtbaren Beute messen. Dabei orientiert sich Philips am Wissen über den Magnetsinn von Vögeln, der bislang am besten untersucht ist.

Philips nimmt an, dass die Füchse das in der nördlichen Hemisphäre in einem Winkel von 60 bis 70 Grad zum Horizont stehende Magnetfeld mit den Geräuschen ihres Beutetieres abgleichen. In diesem Fall würde das Magnetfeld wie eine Eichmarkierung wirken, die im 60-Grad-Winkel immer in einer bestimmten Entfernung vor dem Fuchs auf den Boden weist. Diese Entfernung wäre dann seine optimale Sprungweite. Der Theorie zufolge hört der Fuchs also das Rascheln seiner verborgenen Beute, schleicht näher, bis sein Magnetzeiger sich mit der Geräuschquelle deckt – und springt.

In welcher Form der Magnetzeiger auftritt, ist dabei unklar. Möglicherweise könnte das Magnetfeld die Zellen in der Retina des Auges so verändern, dass das Tier bei einer bestimmten Ausrichtung einen Fleck oder Ring vor sich sieht, vermuten Philips und Burda. „Die Zellen in der Netzhaut können durch Lichtstrahlung gereizt werden, aber auch durch einen Schlag auf das Auge oder durch Magnetstrahlung“, erklärt Burda. „Dadurch erscheint dann zusätzlich zum Bild der Umgebung eine Abbildung.“

Mit weiteren Versuchen wollen Burda und seine Kollegen nun die Hypothese von der magnetgesteuerten Jagd bei Füchsen überprüfen. „Dazu wollen wir zunächst zahme Füchse in einem veränderten Magnetfeld untersuchen“, sagt der Zoologe.

Ein Video zum Jagdverhalten der Füchse gibt es auf Youtube.

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