Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Für mehr Klarheit

Fit&Gesund Für mehr Klarheit

Fast 65 Prozent der Deutschen sind auf eine Sehhilfe angewiesen. Wen Brille oder Kontaktlinsen stören, der kann über das „Augenlasern“ nachdenken. Aber nicht jeder Fehlsichtige ist für eine Operation geeignet.

Voriger Artikel
Jogging ist besser als Sudoku
Nächster Artikel
"Eine ganz schnelle, schmerzfreie Geschichte"

Klarer Blick: Mit einem Lasereingriff lässt sich manche Sehschwäche beheben.
 

Quelle: fotolia

Hannover. Sie kommen vom Kalten ins Warme und damit automatisch in den Nebel. Brillenträger kennen das Problem; die Gläser ihres Hilfsmittels beschlagen. Etwa 90 Prozent der Fehlsichtigen tragen laut dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands trotz solcher Umstände eine Brille.

„Zu mir kommen Patienten, die stört die Brille beim Sport. Sie vertragen aber keine Kontaktlinsen. Andere haben so hohe Dioptrien-Werte, dass sie trotz Brille nur eine Art Tunnelblick haben“, sagt Prof. Mike Holzer. Er leitet an der Universitäts-Augenklinik in Heidelberg die Abteilung für Refraktive Chirurgie. Unter diesem Oberbegriff werden Augenoperationen zusammengefasst, die die Brechkraft des Auges dauerhaft verändern und so Hilfsmittel wie Brillen oder Kontaktlinsen ersetzen. Umgangssprachlich ist in diesem Zusammenhang vom „Augen lasern“ die Rede.

Ein Eingriff kostet zwischen 4000 und 5000 Euro

Auch ästhetische Gründe bewegen Menschen dazu, sich operieren zu lassen. „Es gibt Brillenträger, die leiden jeden Tag, wenn sie in den Spiegel schauen.“ Der Hamburger Augenarzt Dr. Jørn Slot Jørgensen, Gründer der EuroEyes Klinikgruppe, meint, auch in solchen Fällen sei ein Eingriff nachvollziehbar. „Die Patienten überlegen sich das lange und gut. Schließlich kostet so ein Eingriff normalerweise zwischen 4000 und 5000 Euro.“ Der Betrag muss aus eigener Tasche bezahlt werden, wenn er medizinisch nicht notwendig ist.

Für einen solchen Eingriff gibt es verschiedene Verfahren. Etabliert ist die sogenannte Lasik-Methode. Dabei hobelt der Operateur am Auge des Patienten zunächst ein Stückchen der oberen Hornhaut ab und klappt sie wie einen Buchdeckel um. Danach schleift der Arzt mit einem Laser die tieferen Hornhautschichten ab. Ist er damit fertig, klappt er den sogenannten Flap wieder zurück. Die Hornhautschicht wächst von selbst wieder fest. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden, sodass der Patient nach der Operation wieder nach Hause gehen kann. Pro Auge braucht der Operateur etwa fünf bis zehn Minuten. Der Patient hat dabei üblicherweise keine Schmerzen. Einige Operierte berichten von einem unangenehmen Geruch – ähnlich dem, wenn ein Haar in einer Kerzenflamme verschmort.

Lasereingriff nach der Lasik-Methode am Auge

Lasereingriff nach der Lasik-Methode am Auge.

Quelle: gpt

Zwischen 100 000- und 150 000-mal jährlich wird in Deutschland nach dem Verfahren operiert, schätzt die Kommission Refraktive Chirurgie. Der Fachausschuss bewertet die unterschiedlichen Verfahren, erstellt Richtlinien, wie sie anzuwenden sind, und bildet Augenärzte entsprechend fort.

Mit einer Lasik-Operation können bis zu acht Dioptrien Fehlsichtigkeit korrigiert werden. Ob kurzsichtig, weitsichtig, mit Hornhautverkrümmung oder Alterssichtigkeit: Grundsätzlich kann bei jeder Fehlsichtigkeit gelasert werden. Interessierte müssen älter als 18 Jahre und sollten idealerweise jünger als 50 Jahre alt sein. Es gibt aber Patienten, die für einen solchen Eingriff dennoch nicht geeignet sind. Das gilt, wenn die Hornhaut ihres Auges von Natur aus zu dünn ist. Wer an Augenerkrankungen wie dem grauen oder grünen Star leidet, muss ebenfalls anders behandelt werden. Auch für Patienten mit extrem großen Pupillen ist eine Lasik-Operation nicht empfehlenswert. All das wird bei Beratungsgesprächen und Voruntersuchungen geklärt.

Nach der OP sind weder Kontaktlinsen noch Brille nötig

Thema dabei sind in professionell arbeitenden Praxen und Kliniken auch mögliche Komplikationen: trockene Augen, das Gefühl eines Fremdkörpers im Auge, Blendeffekte in der Nacht.

Dr. Tammo Ripken vom Laser-Zentrum Hannover – das Institut forscht, entwickelt und berät im Bereich der Lasertechnik – rät: „Wer mit Brille oder Kontaktlinsen gut zurechtkommt, sollte eine Operation vermeiden.“ Das Lasik-Verfahren sei dennoch sehr sicher. Wenn der Operateur erfahren sei, gebe es selten schwerwiegende Folgen eines Eingriffs. Die Kommission Refraktive Chirurgie hat eine Liste mit extra ausgebildeten Augenärzten erstellt, die den Empfehlungen der Fachgruppe zur Qualitätssicherung folgen und sich regelmäßig fortbilden.

Normalerweise sieht der Operierte nach dem Lasern dauerhaft ohne eine Brille oder Kontaktlinsen gut. Das Auge altert aber trotzdem ganz natürlich weiter. Es kann deshalb also sein, dass der Patient ab dem 45. Lebensjahr zum Lesen wieder eine Brille braucht.

 

Weiterführende Informationen

Kommission Refraktive Chirurgie: http://aad.to/krc/anwender.php

Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V., Sehen ohne Brille – Refraktive Chirurgie:

http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/augenheilkunde/sehen-ohne-brille-refraktive-chirurgie.html

Die Formen der Fehlsichtigkeit

Augenärzte unterscheiden zwischen Fehlsichtigkeit und Augenerkrankungen wie der Bindehautentzündung, dem sogenannten Gerstenkorn oder dem grauen Star. Wer also zum Beispiel nur in der Nähe gut sehen kann, hat kein krankes Auge, sondern ein fehlsichtiges.

Kurzsichtigkeit: Je weiter etwas entfernt ist, desto unschärfer sehen es kurzsichtige Menschen. Die Kurzsichtigkeit ist normalerweise erblich bedingt. Sie lässt sich durch Medikamente oder Sehtraining nicht aufhalten oder verbessern. Die Fehlsichtigkeit kann man aber mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen. Deren Stärke wird in Dioptrien angegeben.

Weitsichtigkeit: Weitsichtige Menschen sehen in der Regel sowohl in der Nähe als auch der Ferne gut. Allerdings strengt das die inneren Augenmuskeln sehr an. Dadurch werden die Augen müde; der Betroffene bekommt Kopfschmerzen oder ihm wird schwindelig. Die Weitsichtigkeit ist angeboren. Sie kann sich bis zum Erreichen des Erwachsenenalters verbessern. Tut sie es nicht, kann der Betroffene die Fehlsichtigkeit mit einer Brille, Kontaktlinsen oder einer Operation korrigieren lassen.

Hornhautverkrümmung: Man spricht hierbei auch von Stabsichtigkeit. Denn das ins Auge fallende Licht trifft nicht punktförmig auf die Netzhaut, sondern als Strich. Deshalb sehen Betroffene ihre Umgebung verschwommen. Oftmals tritt die Hornhautverkrümmung mit anderen Brechungsfehlern des Auges wie der Kurz- oder Weitsichtigkeit auf. Diese Fehlsichtigkeit besteht meistens von Geburt an. Eine Brille, Kontaktlinsen oder eine Operation können helfen, klar zu sehen.

Alterssichtigkeit: Wie der Name es vermuten lässt: Diese Fehlsichtigkeit ist eine Alterserscheinung. Spätestens ab dem 45. Lebensjahr bemerken Menschen ein Nachlassen der Seh-schärfe, wenn sie ein Buch lesen möchten. In die Ferne hingegen können die Betroffen noch gut sehen. Die Augen büßen bei dieser Fehlsichtigkeit die Fähigkeit ein, von Nah- auf Weitsicht umzuschalten. Eine Lesebrille entlastet. Auch Kontaktlinsen oder eine Operation können helfen.

Von Insa van den Berg/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Debatte wurde beendet
Die Debatte zu diesem Artikel ist beendet. Auf HAZ.de können Sie die Themen des Tages diskutieren – hier finden Sie die aktuellen und vergangenen Themen im Überblick.
Die schöne Seite des Herbstwetters: Regenbogen über Hannover.
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.