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Westafrikaner fürchten Ebola-Fluch

Gefährlicher Aberglaube Westafrikaner fürchten Ebola-Fluch

In Westafrika kämpfen Experten nicht nur gegen das Ebola-Virus. Die immer weitere Ausbreitung der Seuche ist auch auf den mächtigen Aberglauben und die Skepsis der Menschen zurückzuführen. Viele betrachten die Krankheit als Fluch.

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Das Ebola-Virus in Westafrika ist noch nicht unter Kontrolle.

Quelle: dpa

Conakry. Seit das Ebola-Virus 1976 erstmals am gleichnamigen Fluss im Kongo aufgetreten ist, gab es vor allem in Ost- und Zentralafrika rund 20 mittelschwere Ausbrüche der Epidemie - darunter im Sudan, in Uganda und in Gabun. Nie jedoch war der Westen des Kontinents betroffen. Kein Wunder also, dass die vielerorts von Aberglauben und Voodoo-Riten besessenen Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone an einen Fluch glauben. Ärzten in Schutzanzügen und ausländischen Gesundheitsexperten stehen sie skeptisch gegenüber, weshalb deren Vorschriften häufig unbeachtet bleiben.

„Die immer weitere Ausbreitung des Virus ist zu einem großen Teil auf kulturelle Praktiken und traditionelle Überzeugungen zurückzuführen, die im Gegensatz zu allem stehen, was die Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit vorsehen“, warnte der Afrikadirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Luis Gomes Sambo, bei der Eröffnung einer großen Ebola-Krisensitzung am Mittwoch in Ghana.

Gesundheitsminister aus elf Ländern der Region und zahlreiche internationale Experten sind zwei Tage lang in der Hauptstadt Accra zusammengekommen, um neue Strategien zu entwickeln. Denn bisher haben die Regierungen in Westafrika die Seuche unterschätzt und die Gefahren lange heruntergespielt.

Jetzt aber gibt es nichts mehr abzuwiegeln, denn die Zahlen sprechen für sich: Seit März sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone über 460 Menschen an Ebola gestorben. Über 750 Fälle wurden bestätigt. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Das macht die derzeitige Epidemie zum bislang schwersten Ausbruch.

Eine der großen Gefahren sind die Beerdigungen der Ebola-Opfer, bei denen die Angehörigen die Toten häufig noch einmal waschen oder umarmen. Da das Virus über Körperflüssigkeiten übertragen wird, riskieren die Trauernden, sich dabei ebenfalls mit dem Erreger zu infizieren. Auch werden Verwandte, die erste Symptome aufweisen, immer wieder versteckt, um sie vor dem Zugriff der Ärzte zu schützen.

„Die Menschen haben große Angst vor der Krankheit, weil sie sie nicht kennen und zudem den Gesundheitsstrukturen misstrauen“, sagt Bart Janssens, der Programmverantwortliche von „Ärzte ohne Grenzen“ in Brüssel. Oft würden Verdachtsfälle erst gar nicht gemeldet. „So stecken sich wiederum Menschen an, die die Kranken betreuen. Wenn sie dann zwischen den verschiedenen Ländern hin- und herreisen, tragen sie das Virus in immer neue Gegenden“, warnt der Experte.

Aufklärung sei deshalb der Schlüssel, um das Virus unter Kontrolle zu bringen, meint auch Katherine Mueller, die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika. „Wir benutzen in den betroffenen Ländern verschiedene Methoden, damit die Botschaften auch in den entlegensten Dörfern ankommen: Ebola wird nicht durch einen Fluch oder durch Hexerei hervorgerufen. Das Virus verbreitet sich nicht durch die Luft, sondern nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten.“

Unter anderem würden freiwillige Helfer, die selbst in den Dörfern leben, mobilisiert: „Sie treffen sich mit Nachbarn und Bekannten und erklären, wie sie sich schützen können“, so Mueller. „Da die Helfer Mitglieder der Gemeinde sind, vertrauen die Menschen ihnen.“

Das aber sei bislang nicht überall möglich. „Viele Leute bestreiten noch immer, dass es die Krankheit überhaupt gibt“, sagt Mueller. Deshalb würden Hilfsorganisationen in manchen Gebieten gar nicht erst zugelassen.

Erstmals war das Virus vor rund drei Monaten in Guinea aufgetreten. Von dort aus hat es sich schnell in die Nachbarländer ausgebreitet. Aber warum? „Das Problem ist die bis zu dreiwöchige Inkubationszeit“, erklärt Mueller. In dieser Zeit sind die Betroffenen bereits infiziert, haben aber kaum Symptome. Da viele Geschäftsleute und Händler ständig zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone hin- und herreisen, konnte das Virus so erst die Grenzen übertreten.

Die zuständigen Organisationen und Behörden stehen vor einer Herkulesaufgabe. Es gilt jetzt, schnell viel mehr medizinisches Personal in die betroffenen Gebiete zu bringen, Finanzmittel und Schutzmaterial aufzutreiben und bessere Überwachungsmechanismen einzurichten. Eine gemeinsame, koordinierte Ebola-Strategie der westafrikanischen Staaten ist nötig, um eine weitere Ausbreitung etwa nach Gambia, Ghana oder Guinea-Bissau zu verhindern. Das größte Problem ist und bleibt aber die tiefe kulturelle Verwurzelung von Magie, dem bösen Blick und Zauberdoktoren. Der afrikanische Aberglaube ist ein mächtiger Gegner.

dpa

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