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Zeckenstich – die unterschätzte Gefahr

Gesundheitsamt rät zur Impfung Zeckenstich – die unterschätzte Gefahr

Die Gefahr, sich in Deutschland durch einen Zeckenstich mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) zu infizieren, wird immer noch unterschätzt. Das Gesundheitsamt rät dringend zur Impfung.

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Quelle: Michael Thomas

Hannover. „Zwar ist das Erkrankungsrisiko in Niedersachsen äußerst gering, aber eine Infektion nicht ausgeschlossen“, sagte gestern Masyar Monazahian vom Landesgesundheitsamt. Von 2002 bis 2012 hätten sich nachweislich acht Menschen mit der gefährlichen Viruserkrankung FSME in Niedersachsen infiziert. Die einzige Möglichkeit, sich davor zu schützen, sei die Impfung.

Gefährdet sind nach Angaben des Mikrobiologen und Tropenmediziners Prof. Martin Haditsch vom Medizinischen Versorgungszentrum Hannover neben Soldaten und Helfern bei Katastropheneinsätzen Touristen und Sportler, die sich viel im Freien aufhalten.

Als Risikogebiete gelten vor allem Baden-Württemberg, Bayern sowie Teile von Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und dem Saarland. 2013 wurden bundesweit 420 Erkrankungsfälle gemeldet, doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. „Deutschland gilt als sicheres Reiseland, aber das FSME-Risiko wird völlig ausgeblendet“, sagte Haditsch. In Österreich habe man die Gefahr erkannt, dort seien 88 Prozent der Bevölkerung geimpft. Weit verbreitet sei FSME außer in Österreich, der Schweiz, Ungarn, Tschechien, dem Baltikum und Russland noch entlang der schwedischen Ostküste und in Südnorwegen.

Eine weitere, aber seltene Übertragungsmöglichkeit der FSME-Erreger ist der Genuss von Rohmilchprodukten von Weidetieren wie Ziegen, Schafen und Kühen in Risikogebieten. Deshalb sollten Rohmilch und daraus hergestellte Produkte wie Rohmilchkäse in solchen Regionen gemieden werden.

FSME-Viren werden beim Stich des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus)  übertragen, sobald die Zecke anfängt, Blut zu sauen, denn die Viren befinden sich im Speichel der Spinnentiere. Nicht jeder erkrankt an FSME, der mit den Viren infiziert wurde. Etwa 70 bis 80 Prozent der Infizierten leiden zunächst lediglich an grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Etwa zwei Wochen nach Abklingen der Symptome kommt es aber in 20 bis 30 Prozent der Fälle zu Entzündungen der Hirnhäute (Meningitis), des Gehirns (Enzephalitis) oder zu einer Meningo-Enzephalitis, der gleichzeitigen Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten, die zu einer dauerhaften Schädigung des zentralen Nervensystems mit Lähmungen, Krampfanfällen und Bewusstseinstrübungen führen kann.

Die ebenfalls durch Zeckenbisse übertragene Borreliose – deutschlandweit erkranken jährlich etwa 80 000 Menschen – ist durch Antibiotika gut behandelbar. Eine Borreliose, die durch Bakterien im Darm von Zecken verursacht wird, kann ohne Therapie ebenfalls bleibende Schäden wie Lähmungen verursachen. Fachleute raten daher, sich in ärztliche Behandlung zu begeben, sobald sich im Bereich der Stichstelle ein rötlicher oder bläulich-rötlicher Fleck, die sogenannte Wanderröte bildet.

Als neue, bisher in Norddeutschland nicht vorkommende Spezies registriert das Landesgesundheitsamt Niedersachsen seit wenigen Jahren die Auwald­zecke. Die aus Italien, Österreich, Ungarn und Osteuropa stammende Bunt­zeckenart bevorzugt feuchte Gebiete und ist anders als der Gemeine Holzbock schon bei Temperaturen ab zwei Grad Celsius aktiv.

Sie gilt als Überträgerin des Erregers Babesia canis canis, der die Babesiose, die sogenannte Hundemalaria verursacht. Die Zecke, die größer ist als der Gemeine Holzbock, kann darüber hinaus die Hasenpest und das für den Menschen gefährliche Fleckfieber durch Rickettsien-Bakterien auslösen. Fachleute raten daher, sich generell vor Zeckenstichen zu schützen.

Impfung ist der beste Schutz

Vor Reisen informieren: Wer innerhalb Deutschlands oder im Ausland eine Reise plant, die mit Außenaktivitäten wie Wandern, Camping oder Pilzesuchen verbunden ist, sollte sich vorher erkundigen, ob es sich
um ein FSME-Gebiet handelt. Den besten Schutz bietet eine Impfung. Die örtlichen Gesundheitsämter informieren auch darüber, ob in dem Gebiet mit einem erhöhten Borreliose-Befall zu rechnen ist.

Die Vorsichtsmaßnahmen: Wanderer sollten im Wald das Unterholz meiden und stattdessen Wege benutzen. Zeckenstiche lassen sich durch geschlossene Kleidung vermeiden; helle Kleidung erleichtert das anschließende Absuchen nach den mitunter winzigen Tieren. Schutz bieten auch Insektenabwehrmittel, wenn auch meistens nur für kurze Zeit. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Kleidung und Körper nach Zecken abgesucht werden und eventuelle Parasiten schnellstmöglich entfernt werden, am besten mit einer Zeckenzange.

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