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Großer Mond und Herbstanfang

Sternenhimmel Großer Mond und Herbstanfang

Herbstanfang und ein großer Vollmond, im September wird es des Nachts am Sternenhimmel richtig interessant.

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Auch der September bietet spektakuläre Nächte.

Quelle: dpa

Im September geht das Sommerhalbjahr zu Ende. Am 23. ist Herbstanfang und damit Tag- und Nachtgleiche. Genaugenommen beginnt der Herbst an diesem Tag um 4.29 Uhr, wenn die Sonne auf ihrem Lauf durch den Tierkreis den Himmelsäquator von Nord nach Süd überquert. Dieser Herbstpunkt der Sonnenbahn liegt im Sternbild Jungfrau.

Der Mond beginnt den September in zunehmender Phase und erreicht am 2. das Erste Viertel. An diesem Abend lässt sich der Halbmond schon bei Sonnenuntergang tief im Süden blicken. Bis zur Monatsmitte bleibt der Erdtrabant nun am Abendhimmel sichtbar, wenn sich seine Aufgänge auch von Abend zu Abend verspäten. Der Vollmond wird am 9. im Sternbild der Fische erreicht.

Wenn die helle Mondscheibe an diesem Abend um 19.51 Uhr im Osten über den Horizont kommt, wird sie imposant groß erscheinen, denn der Erdtrabant stand am Vortag im erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn. Auf seinem weiteren Weg durch den Tierkreis zieht der abnehmende Mond in der Nacht vom 14. zum 15. dicht an Aldebaran, dem rötlich schimmernden Hauptstern des Stiers, vorüber und erreicht am 16. das Letzte Viertel. Anschließend verlagert sich der Mondaufgang in die Morgenstunden. Am 20. kommt die abnehmende Mondsichel erst um 3.07 Uhr über den Osthorizont und ist dann neben dem hell leuchtenden Planeten Jupiter zu sehen.

Nach Neumond, am 24. im Sternbild Jungfrau, erscheint die feine Sichel des jungen Mondes erstmals wieder am 27. in der Abenddämmerung, wobei sie rechts neben dem Saturn steht. Bis zum nächsten Abend ist sie ein Stück weitergewandert und zeigt sich nun gegen 20 Uhr linker Hand des Ringplaneten. Etwa zur gleichen Uhrzeit kann man am Abend des 29. die Mondsichel oberhalb von Mars und Antares, dem Hauptstern des Skorpion, beobachten.

Beide Gestirne stehen allerdings schon recht horizontnah, sodass sie je nach Sichtbedingungen vielleicht nur mit dem Fernglas auszumachen sind. Mars, der Rote Planet, und Antares, ein „roter Riese“ unter den Sternen, haben zwar beide einen ähnlich rötlichen Farbton. Die Ursache hierfür ist jedoch ganz unterschiedlich. Während beim Mars das Eisenoxid (Rost) im Marsboden verantwortlich ist, geht die Farbe von Antares auf seine für Sterne recht niedrige Oberflächentemperatur von nur 3100 Grad zurück. Im Vergleich dazu hat unsere Sonne eine 5700 Grad heiße Oberfläche und strahlt deshalb nicht rötlich, sondern weiß.

Viele unserer Leser werden den monatlichen Lauf des Mondes am Himmel verfolgen. Und obwohl er der nächste Himmelskörper ist, gibt er den Astronomen immer noch einige Rätsel auf. Hierzu zählt vor allem die Frage, wie unsere Erde zu ihrem Mond gekommen ist. Einige der Entstehungstheorien mussten inzwischen wieder aufgegeben werden, nachdem das von den Apollo-Astronauten zur Erde zurückgebrachte Mondgestein näher untersucht worden war.

Dabei zeigte sich nämlich, dass das Mondmaterial und die Erdkruste ziemlich genau die gleiche chemische Zusammensetzung aufweisen. Das wäre kaum zu verstehen, wenn die Einfangtheorie zuträfe, wonach die Erde in ihrer Frühzeit einen zufällig vorbeidriftenden kleinen Asteroiden (mit vermutlich ganz anderer Chemie) in ihre Umlaufbahn gezwungen hätte. Und die sogenannte Schwesternplanet-Hypothese, nach der sich Erde und Mond in der Frühzeit des Sonnensystems nahe beieinander aus der zirkumsolaren Staubscheibe gebildet hätten, gerät bei der Erklärung der stark unterschiedlichen Dichten beider Körper in Schwierigkeiten.

So bevorzugen die meisten Astronomen heute ein Kollisionsszenario. Danach wurde die gerade entstandene Erde vor 4,5 Milliarden Jahren von einem etwa marsgroßen Objekt (Theia genannt) getroffen und die abgesprengten Bruchstücke beider Körper hätten sich schließlich in der Umlaufbahn zu unserem Mond vereinigt. Die Suche nach Rückständen von Theia verlief jedoch lange erfolglos, aber kürzlich haben der Geochemiker Daniel Herwatz und Kollegen im Mondgestein offenbar winzige Signaturen entdeckt, die von Theia stammen könnten.

Die beiden Planeten Mars und Saturn zeigen sich an Septemberabenden noch kurz in der Dämmerung tief im Südwesten. Nachdem Mars Ende August an Saturn vorbeigezogen ist, entfernt er sich jetzt wieder vom Ringplaneten und steuert auf Antares im Skorpion zu, den er am Monatsende erreicht. Venus und Jupiter sind in der Morgendämmerung am Osthimmel zu sehen. Während aber der Planetenriese Jupiter erst am Beginn einer neuen Sichtbarkeitsperiode steht, verschwindet Venus um die Monatsmitte im Strahlenbereich der Sonne und wird unsichtbar.

Wer an Septemberabenden gegen 23 Uhr die Sternbilder aufsuchen möchte, findet den Großen Wagen tief am Nordhimmel, wo er seiner tiefsten Himmelsstellung zustrebt. Die hellen Sterne Wega, Deneb und Atair des Sommerdreiecks sind jetzt nach Südwesten abgerückt. Weniger attraktiv ist der Sternenhimmel in Richtung Südosten, wo schon die unscheinbaren Herbstbilder aufgezogen sind. Noch einigermaßen auffällig ist dort ein Sternviereck, das zum Pegasus gehört.

Wenn man die rechte Seite des Pegasusvierecks nach unten hin verlängert, stößt man dicht über dem Horizont auf einen recht hellen Stern. Er heißt Fomalhaut und ist der Hauptstern im Sternbild Südlicher Fisch. Fomalhaut gehört mit seiner Entfernung von 25 Lichtjahren zu unseren Sternnachbarn in der Milchstraße.

Interessant ist, dass dies ein junger Stern ist, der noch von einer Staubscheibe umgeben ist. In Fomalhauts Staubscheibe konnte man mithilfe des Weltraumteleskops Hubble einen etwa jupitergroßen Planeten aufspüren und zum ersten Mal überhaupt einen solchen Exoplaneten direkt abbilden. Im vergangenen Jahr gab es weitere Neuigkeiten: Fomalhaut ist offenbar ein Mehrfachsystem, bei dem der Hauptstern in weitem Abstand von zwei schwächeren Sternbegleitern umgeben ist. Infrarotmessungen deuten darauf hin, dass einer dieser Begleiter ebenfalls eine Staubscheibe besitzt.

von Volker Kasten

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