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08:51 16.06.2011
Von Jörg Kallmeyer
Dem europäischen Wald geht es besser als vor zwanzig Jahren. Und er wächst noch weiter. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Der Regen war sauer, die Aussicht düster. Es gab Zeiten, da wurden Bäume in Zeitungen und Büchern nur als Skelette abgebildet. Ganze Schülergenerationen sind mit dem urdeutschen „Waldsterben“ und den mahnenden Worten von Horst Stern („Rettet den Wald“, 1979) aufgewachsen. Sie müssen wohl noch einmal umdenken: Aus dem Wald kommen jetzt gute Nachrichten.

Schon im jüngsten Waldschadensbericht hat die Bundesregierung darauf hingewiesen, dass von Sterben keine Rede mehr sein kann, jetzt kommt der internationale Beweis für die Gegenbewegung im Forst. Nach einer groß angelegten UN-Studie haben sich die bewaldeten Gebiete Europas in den vergangenen 20 Jahren deutlich ausgedehnt.

Seit Anfang der neunziger Jahre wuchsen die europäischen Waldflächen, vor allem im Norden, dank Aufforstung im Schnitt um 0,8 Millionen Hektar pro Jahr – eine Fläche so groß wie das Wattenmeer in der Nordsee. Insgesamt sind in Europa nun 1,02 Milliarden Hektar mit Wald bedeckt, das entspricht einem Viertel des Vorkommens der ganzen Erde. Und damit nicht genug: Auch die Dichte des Waldes hat zugenommen, und sogar die Bäume sind, im Durchschnitt betrachtet, größer geworden.

Die „Zustandsbericht der europäischen Wälder 2011“ begleitet die Aktivitäten zum „Jahr des Waldes“; er wurde gestern bei einer Ministerkonferenz in Oslo vorgestellt, die sich ein großes Ziel gesetzt hat: Für 46 Mitgliedsstaaten soll es eine rechtlich bindende Vereinbarung zum Schutz der Wälder geben, auch für Russland mit seinen gigantischen Waldflächen.

Die Argumente für ein solches Abkommen sind nach der Erfolgsgeschichte der Waldretter in Europa deutlich gestiegen – der Mensch profitiert unmittelbar vom vitalen Forst. Der Wald sei eine effektive „Waffe gegen den Klimawandel“, betonten die Experten der Vereinten Nationen gestern in Oslo: Mehr Bäume binden eben auch mehr Kohlendioxid. 870 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr hätten die Wälder zwischen 2005 und 2010 pro Jahr aus der Atmosphäre geholt – was zehn Prozent der Treibhausgasemissionen der beteiligten Staaten entspreche.

Die Aussichten sind also alles andere als düster, allerdings nicht für alle Bäume. In Niedersachsen, heißt es bei den zuständigen Behörden, habe sich die Buche prächtig erholt. Um die Eiche allerdings müsse man sich nach dem trockenen Frühjahr Sorgen machen.

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