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Hamburg schafft die Schreibschrift ab

Wie gedruckt Hamburg schafft die Schreibschrift ab

Schüler in Hamburg müssen künftig nicht mehr zwei Schrifttypen lernen: Zum neuen Schuljahr sollen Grundschüler in der Hansestadt nur noch in Druckschrift schreiben.

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Schüler in Hamburg sollen künftig nicht mehr in Schreibschrift schreiben.

Quelle: dpa

Dem hanseatischen Gemüt war zur Schau gestellte Dekadenz immer schon fremd. Mit schmückenden Schnörkeln und Schleifen hat es der Hamburger nicht so. Und das soll nun auch für das Schriftbild des Nachwuchses gelten. Hamburg schafft die Schreibschrift ab. Zum neuen Schuljahr sollen Grundschüler in Druckschrift schreiben. Schluss mit Kringeln und Verzierungen – es wird geschrieben wie gedruckt.

Der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) meint es nur gut: Die Kinder müssten dann nicht mehr zwei Schriften lernen, die stark voneinander abweichen, argumentiert er. In anderen Bundesländern schauen die Bildungsminister den Schreibanfängern nicht so genau auf die Finger. Den Lehrern ist es freigestellt, ob sie ihren Schülern ergänzend zur statischen Druckschrift ab der zweiten Klasse auch die geschwungene Schreibschrift nahebringen. In einem Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2004 heißt es: „Die Schüler verfügen über verschiedene Möglichkeiten der ästhetischen Darstellung.“ Hauptsache, die kleinen Künstler schreiben „lesbar und flüssig“.

Im niedersächsischen Kultusministerium erfasst niemand, was in Klassenräumen gelehrt wird – ob nun Druckschrift oder die diversen Erscheinungsformen der Ausgangsschrift, wie die Schreibschrift richtig heißt. Es gibt die lateinische Ausgangsschrift mit ihren hübschen Schlenkern. Es gibt die vereinfachte Ausgangsschrift ohne Deckstriche – das sind die Wege, die der Füller zweimal zurücklegen muss, was zu unschöner Kleckerei im Heft führt. Und es gibt die Schulausgangsschrift, erfunden in der DDR. „Wir haben vollstes Vertrauen in unsere Lehrkräfte, dass sie die Möglichkeiten am sinnvollsten nutzen“, sagt eine Sprecherin von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Die Lehrer haben sich nun eine neue Schrift ausgedacht: die Grundschrift, eine Mischung aus Druck- und Schreibschrift. „Sie hilft vor allem Kindern, die sich schwertun mit der Feinmotorik, was oft eine Sauklaue zur Folge hat“, sagt Christiane Töller-Weingart, Vorsitzende des Grundschulverbandes in Niedersachsen. Auf dessen Initiative geht die neue Schrift zurück.

Bildungsforscher aber sehen es nicht so gerne, wenn die Alltagsbeobachtungen im Klassenraum zum Maßstab dafür werden, welches die beste aller Schriften ist. „Wissenschaftliche Erkenntnisse werden beim Schrifterwerb zu wenig berücksichtigt“, sagt Prof. Ursula Bredel, Didaktik-Expertin an der Uni Hildesheim. „Druckbuchstaben lassen sich zwar leichter lesen, fürs Schreiben aber legen kognitiv-psychologische Studien nahe, dass die Schreibschrift eher der Hirn-Hand-Koordination entspricht.“ Der Mensch denke nicht in Buchstaben, sondern in Worteinheiten, etwa in Silben. Und die gehen in Schreibschrift leichter von der Hand.

Und noch einen weiteren Pluspunkt hat die Schreibschrift, sagt Bredel: „Sie bietet reichlich Gestaltungsspielraum für die Persönlichkeitsentfaltung.“

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