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Warum Sie Ihr Haustier auf Abstand halten sollten

Haustiere als Krankheitsträger Warum Sie Ihr Haustier auf Abstand halten sollten

Küssen verboten: Die Liebe zwischen Mensch und Tier mag noch so groß sein – ein gewisser Abstand ist sinnvoll. Denn es ist gut möglich, sich bei Hund oder Katze und Co. mit Krankheiten zu infizieren.

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Auch wer sein Haustier liebt, sollte Abstand halten.

Quelle: Johannes Eisele/dpa

Es ist jedes Mal das Gleiche: Immer wenn die Vogelgrippe ausbricht, setzen panische Tierhalter Kanarienvögel und Katzen aus – weil sie fürchten, sich bei ihnen anzustecken. Im vergangenen Jahr wurde in Spanien der Hund einer Ebola-Infizierten sogar sicherheitshalber getötet. Solange es keinen Seuchenalarm gibt, sind viele Menschen hingegen völlig sorglos im Umgang mit ihren Haustieren – dabei sollten sie gerade dann vorsichtig sein.

Zwar ist das Risiko gering, sich beim tierischen Mitbewohner anzustecken, aber es ist vorhanden. "Tierhalter sollten wissen, dass ihre Haustiere Krankheitserreger in sich tragen können, ohne zwangsläufig selbst zu erkranken", sagt Peter Weidenfeller vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

So werden zum Beispiel über den Kot von Hunden, Katzen und nahezu allen weiteren Haustieren Bakterien oder auch Würmer übertragen, die beim Menschen Durchfallerkrankungen auslösen können. Und Nagetiere wie Hamster oder Meerschweinchen können Menschen mit Hautpilzen anstecken. Weil sie so weich und kuschelig sind, würden die Kleinnager häufig ans Gesicht gehalten, sagt Weidenfeller. Typischerweise treten dort dann juckende, schuppende Rötungen auf.

Vorsicht in der Schwangerschaft

Beim Umgang mit Katzen sollten vor allem Schwangere vorsichtig sein. Sie können sich über den Katzenkot mit Toxoplasmen infizieren, Parasiten, die dem ungeborenen Baby schaden können. Weidenfeller empfiehlt: "Wenn bereits eine Risikoschwangerschaft besteht, sollte man darüber nachdenken, Katzen vorübergehend in einem anderen Haushalt unterzubringen." Schwangere sollten nach Möglichkeit auch nicht selbst das Katzenklo säubern – und falls doch, dabei Einmalhandschuhe tragen. Auch die Bisse von Katzen sind besonders gefährlich: Weil ihre Zähne so lang und spitz sind, dringen dabei Bakterien tief in die Bisswunde ein. So können schlimme Entzündungen und sogar Blutvergiftungen entstehen. Äußerst unwahrscheinlich sei es hingegen, sich bei seiner Katze mit Vogelgrippe anzustecken. Zwar bestehe theoretisch die Möglichkeit, dass Katzen daran erkranken – wenn sie einen Vogel fressen, der das Virus in sich trägt. Daher sollten Katzen in Vogelgrippe-Sperrgebieten möglichst keinen Freigang bekommen. "Das Virus würde sich aber nicht auf den Halter der Katze weiter übertragen, wenn der einen normalen Umgang mit dem Tier pflegt", sagt Weidenfeller.

Übertragung zwischen Mensch und Tier

Was viele Haustierbesitzer nicht wüssten: Krankheiten können auch zwischen Mensch und Tier hin- und hergegeben werden. So können beispielsweise Hund und Katze als Reservoir für Bakterien wie den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) dienen. Eine MRSA-Infektion ruft Entzündungen und manchmal auch Blutvergiftungen hervor, die sich nur schwer behandeln lassen. Wenn ein befallener Mensch zu Hause den Keim auf sein Haustier überträgt, entsteht ein gefährlicher Kreislauf. "Selbst wenn der Tierhalter erfolgreich behandelt wurde, kann er sich bei seinem Haustier immer wieder anstecken."

Noch zu wenig bekannt sei das besondere Risiko, das von der Haltung exotischer Haustiere ausgehe, sagt Wolfgang Rabsch vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Wernigerode. Das RKI warnte im Epidemiologischen Bulletin 2013 davor, dass Reptilien Träger exotischer Salmonellen-Stämme sind und sich immer häufiger Kleinkinder bei den Tieren infizieren. Salmonellenerkrankungen führen zu Erbrechen, schweren Durchfällen und Fieber. Sie können bei kleinen Kindern, aber auch bei Erwachsenen mit abgeschwächter Immunreaktion oder älteren Menschen tödlich verlaufen. In Österreich starb vor drei Jahren ein Einjähriger, der sich bei einem Waran mit Salmonellen angesteckt hatte.

Küssen verboten

"Eltern halten die feder- und haarlosen Reptilien oft für besonders sauber – zu Unrecht", sagt Rabsch. Weil sich die Tiere kriechend bewegen, kommen sie ständig mit ihrem eigenen Kot in Berührung. Dadurch verteilen sich Salmonellen, die sonst vor allem den Darm besiedeln, auf der Körperoberfläche der Tiere. Sie bilden dort einen widerstandsfähigen Biofilm und können beim Streicheln übertragen werden. Und kleine Echsen wie zum Beispiel Bartagamen sind oft niedlich. "Sie sehen aus wie kleine Drachen, deshalb spielen Kinder gerne mit ihnen und küssen sie", sagt Rabsch. Viele Halter wüssten nicht, welche Gesundheitsrisiken von den Exoten ausgehen. Darüber hinaus hätten sie oft auch keine Ahnung, wie die Tiere richtig zu halten sind, und hielten sie in Terrarien mit der falschen Größe oder Temperatur. "Bei den Tieren verursacht das Stress, und unter Stress scheiden sie besonders viele Salmonellen aus", sagt Rabsch.

Eltern können ihre Reptilien regelmäßig auf Salmonellen testen lassen – und beim Nachweis eines gefährlichen Erregers abgeben, um ihre Kinder zu schützen. Vielen falle es zwar schwer, sich von den liebgewonnenen Echsen, Schlangen oder Schildkröten zu trennen, weiß Rabsch: "Aber die Sicherheit der eigenen Kinder sollte einem dann wichtiger sein."

Tipps für den Umgang mit Tieren

Um sich bei seinem Tier nicht mit Krankheiten anzustecken, empfiehlt Peter Weidenfeller vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, sich an folgende Regeln zu halten:

  • Nicht im Gesicht ablecken lassen und Wunden vor dem Kontakt mit Tieren schützen.
  • Tiere nicht im Bett schlafen und nicht am Tisch mitessen lassen.
  •  Beim Reinigen von Katzenklos oder Tierkäfigen sollten Tierhalter Handschuhe tragen und möglichst vermeiden, den Staub einzuatmen. Verunreinigtes Streu oder Späne kann man gegebenenfalls etwas befeuchten, damit sie weniger stauben.
  •  Die Hände beim Kontakt zu Tieren regelmäßig und nach dem Kontakt mit Reptilien jedes Mal gründlich waschen.
  •  Exotische Reptilien sollten nicht in Haushalten mit Säuglingen gehalten werden. Kinder im Vorschulalter, immunsupprimierte und alte Menschen sollten möglichst keinen Kontakt zu Reptilien haben.
  •  Biss- und Kratzwunden, die von Haustieren stammen und anschwellen oder sich entzünden, sollte ein Arzt untersuchen.

Von Irene Habich

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