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Hawaii bekommt nun doch sein Riesenteleskop

Astronomie Hawaii bekommt nun doch sein Riesenteleskop

Nach jahrelangem Streit darf in Hawaii nun ein 30 Meter großes Teleskop gebaut werden. Doch Ureinwohner lassen nicht nach in ihrem Widerstand: Denn das Gerät soll auf einem Berg stehen, der ihnen heilig ist.

Ein Entwurf des großen Teleskops auf dem Berg Mauna Kea.

Quelle: AP

Honolulu. Einer der größten Zankäpfel in Hawaii liegt auf einem eisigen, kargen Berg. Der höchste Punkt des US-Staates in fast 4300 Metern Höhe ist nur mit Jeeps über eine steile Schotterpiste mit scharfen Serpentinen zu erreichen. Hier soll eines der größten optische Teleskop der Welt aufgestellt werden.

Am Donnerstag stimmte der Staat dem 1,4 Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) teuren „Thirty Meter Telescope“ zu. Das Gerät soll Teil eines Observatoriums auf dem schlafenden Vulkan Mauna Kea werden. Das Projekt stößt jedoch auf erbitterten Widerstand, denn der Berg ist den hawaiianischen Ureinwohnern heilig. In der Vergangenheit gelang es den Gegnern, die in eiskalten Nächten auf dem Mauna Kea kampierten und auch Festnahmen in Kauf nahmen, bereits mehrfach, das Bauvorhaben zu blockieren.

Es gibt bereits mehrere Teleskope auf dem Mauna Kea, doch das neue würde alles in den Schatten stellen

Es gibt bereits mehrere Teleskope auf dem Mauna Kea, doch das neue würde alles in den Schatten stellen.

Quelle: AP

„Ich habe eine Botschaft an die hawaiianische Bevölkerung: Es ist an der Zeit, dass wir uns als Volk zur Wehr setzen“, sagte Protestführer Kahookahi Kanuha. „Es ist an der Zeit, dass wir uns all die Dinge zurückholen, die uns gehören und die uns illegal weggenommen wurden.“

Astronomen schätzen den Mauna Kea für seinen über den Wolken gelegenen Gipfel, der eine klare Sicht auf den Himmel mit wenig Luft- und Lichtverschmutzung bietet. Von dem geplanten Teleskop erhoffen sie sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums vor 13 Milliarden Jahren. Dann sei es möglich, Planeten zu entdecken und zu beschreiben, die um andere Sterne als die Sonne kreisen, heißt es auf der Website des Projekts. „Es gibt Potenzial, diese Planeten nach Anzeichen für außerirdisches Leben zu untersuchen: Das wäre eine der wichtigsten Entdeckungen aller Zeiten“, erklären die Forscher.

Einen konkreten Zeitplan für den Bau des Teleskops gibt es nach Angaben der Verantwortlichen derzeit noch nicht. Zuvor war von einem Baubeginn im kommenden Jahr die Rede gewesen. Man werde die Anwohner anhören, „um die gemeinsame Vision des Mauna Kea als Weltzentrum der hawaiianischen Kultur, Bildung und Wissenschaft zu verwirklichen“, versichert Projektleiter Henry Yang.

Unser Verständnis für das Universum revolutionieren

Der polynesische Ureinwohner Richard Ha, der das Projekt unterstützt, rief die Gegner auf, eine Konfrontation zu vermeiden. „Ich halte es nicht für richtig, gegen die Chance anzukämpfen, das beste Teleskop der Welt zu bekommen“, sagt der Landwirt. „Das wird unserem eigenen Volk schaden.“

Während das Riesenteleskop nach Ansicht der Gegner den Mauna Kea entweihen würde, sehen die Unterstützer darin vor allem einen langfristigen Nutzen für Wirtschaft und Bildung. „Das war eine der schwierigsten Entscheidungen, die dieser Ausschuss jemals getroffen hat“, sagte die Vorsitzende des staatlichen Ausschuss für Land- und Ressourcennutzung, Suzanne Case. Das Gremium hatte den Bau des Teleskops mit fünf zu zwei Stimmen genehmigt.

Die Pläne für das Projekt, das nach Ansicht der Initiatoren „wahrscheinlich unser Verständnis für das Universum revolutionieren wird“, reichen zurück bis ins Jahr 2009. Damals hatten Wissenschaftler nach fünfjähriger, weltweiter Suche den Mauna Kea zum idealen Standort erklärt.

Das Vorhaben erhielt von mehreren Seiten in Hawaii grünes Licht. Unter anderem erteilten die Behörden im Jahr 2011 die Erlaubnis für den Bau in einem Naturschutzgebiet. Vier Jahre später erklärte das oberste Gericht dies aber für ungültig und verwies auf Unregelmäßigkeiten im Genehmigungsverfahren. Daher musste das Projekt alle Instanzen noch einmal durchlaufen.

„Jahrelang habe ich Trauer und Schmerz mit mir herumgetragen“

Der Spatenstich erfolgte schließlich 2014, wurde aber durch Proteste unterbrochen, die sich anschließend weiter verschärften. 2015 wurden die Bauarbeiten gestoppt, nachdem 31 Demonstranten wegen einer Blockade gegen das Projekt festgenommen worden waren. Ein zweiter Versuch, den Bau fortzusetzen, endete einige Monate später mit weiteren Festnahmen und einem Abzug der Bautrupps.

Zu den Festgenommenen gehörte Mehana Kihoi, die nach eigenen Angaben am Berg betete. Die Festnahme sei eines der traumatischsten Erlebnisse ihres Lebens gewesen, sagte sie kürzlich vor dem Landausschuss. „Jahrelang habe ich Trauer und Schmerz mit mir herumgetragen“, erklärte Kihoi, die nach eigenen Worten Opfer häuslicher Gewalt geworden war. „Bis ich zum Mauna gegangen bin.“

Der Widerstand gegen das neue Teleskop hat nach Ansicht einiger eine neue Generation hawaiianischer Aktivisten hervorgebracht. Die Ureinwohner würden „bestimmen, welche Orte heilig sind und wie sie geschützt werden sollten“, sagte Protestführer Kanuha dem Ausschuss. Die von den Initiatoren in einen naturwissenschaftlichen Bildungsfonds eingezahlten 3,5 Millionen Dollar seien keine Lösung für die Probleme der hawaiianischen Jugendlichen, erklärt er. Wichtig sei vielmehr eine Wiederbelebung der heimischen Sprache und Kultur.

30 Meter Durchmesser

Andere Ureinwohner dagegen unterstützen inzwischen das Teleskop-Projekt und gründeten dafür eine eigene Gruppe. „Wir glauben, dass bessere Chancen für unsere Kinder zu einer Stärkung der Familien führen, was wiederum unserer Gemeinschaft nützt“, sagt der Anwalt der Gruppe, Lincoln Ashida.

Träger des Projekts sind mehrere Universitäten in Kalifornien und Kanada zusammen mit Partnern aus China, Indien und Japan. Der Hauptspiegel des Teleskops soll einen Durchmesser von 30 Metern haben und aus 492 einzelnen Segmenten bestehen. Verglichen mit dem größten existierenden Teleskop für sichtbares Licht wäre es dreimal so breit und hätte eine neunmal größere Fläche.

Nach einer 44-tägigen Anhörung vor dem Landausschuss empfahl eine Richterin, die das Verfahren beaufsichtigte, die Genehmigung zu erteilen. Als Auflage sollen die Beschäftigten Pflichtkurse zu Kultur und natürlichen Ressourcen belegen und alle Jobs sollen „in größtmöglichen Umfang“ an Einheimische vergeben werden.

Von Jennifer Sinco Kelleher ap/RND

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