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Hightech-Metalle im Meerschlamm

Seltene Erden Hightech-Metalle im Meerschlamm

Neue Vorkommen seltener Erden könnten die Rohstoff-Abhängigkeit von China beenden. Besonders im östlichen Südpazifik und im Nordpazifik lassen sich die Metalle finden.

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Seltene Erden, wie hier die Wismut-Kristalle, sind heiß begehrt. Noch kontrolliert China fast den gesamten Markt.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Für China sind die seltenen Erden ein echter Glücksfall. Rund 97 Prozent des weltweiten Aufkommens dieser in der Industrie etwa für Elektroautos, Monitore oder Spezialgläser begehrten Metalle wurden 2010 im Reich der Mitte gefördert. Im Januar 2011 verkündeten die Asiaten neue Ausfuhrbeschränkungen für die wichtigen Rohstoffe – und nicht nur die Europäer fühlten sich geknebelt. Jetzt könnte es mit dem lukrativen Monopol der Chinesen womöglich bald vorbei sein: Japanische Wissenschaftler melden neue umfangreiche Vorkommen auf dem Pazifikgrund.

„Unsere Daten zeigen, dass sich die im Pazifik abgelagerten seltenen Erden möglicherweise zu einer Ressource summieren, die hundert- bis tausendmal größer sind als die bisherigen weltweiten Reserven auf dem Land von 110 Millionen Tonnen“, schreiben die Forscher von der Universität Tokio im US-Fachblatt „Nature Geoscience“. Rund 2000 Bodenproben aus 78 Fundstellen in bis zu 5000 Meter Tiefe haben die Geowissenschaftler untersucht und kommen zu dem Schluss, dass schon ein einen Quadratkilometer großes Areal ein Fünftel des aktuellen Weltverbrauches liefern könnte. Bislang seien die Daten zu den Vorkommen sehr lückenhaft gewesen, betonen Yasuhiro Kato und seine Kollegen. Besonders ergiebig waren die Fundstellen im östlichen Südpazifik und zentralen Nordpazifik.

Der in Schichten von durchschnittlich acht bis 24 Metern Dicke abgelagerte Schlamm enthält dort bis zu 0,2 Prozent seltene Erden. Die hohe Konzentration der zuerst Ende des 18. Jahrhunderts in Schweden entdeckten Elemente mit so holprigen Namen wie Yttrium, Dysprosium oder Gadolinium könnte durch Minerale aus heißen Quellen gefördert worden sein, glauben die Forscher. Durch simples Auswaschen mit Säure könne man diesen Schatz heben. „Der neu entdeckte, angereicherte Schlamm dürfte eine sehr vielversprechende Quelle für seltene Erden sein“, heißt es. Ob die Erden jedoch wirtschaftlich vom Meeresgrund gefördert werden können, bleibt offen.

Dabei käme das neue Vorkommen den Japanern höchst gelegen, um unabhängiger von China zu werden. Weil beide Staaten um die Senkaku-Inseln streiten, blockierte China im vergangenen Jahr zeitweise die Lieferungen. Die Japaner suchen seitdem nach eigenen Seltene-Erden-Reserven. Aber auch für andere begehrte Rohstoffe ist die Tiefsee längst zum Hoffnungsträger geworden. So sucht die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) seit 2006 im Pazifik nach Metallen wie Mangan, Kupfer, Nickel und Kobalt.

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In Gebeng an der malayischen Ostküste entsteht auf 20 Hektar die größte Raffinerie für seltene Erden.

Seit China die Ausfuhr von seltenen Erden zeitweise gedrosselt hat, herrscht Aufregung am Elektronikmarkt. Jeder braucht die begehrten Metalle, 90 Prozent kommen aus China. Australier wollen für Abhilfe sorgen: sie bauen in Malaysia eine gigantische Raffinerie. Die Anwohner dort aber protestieren: Sie wollen keine schmutzige Raffinerie vor der Haustür.

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Von Redakteur Nicola Zellmer

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