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Wissen Im Tête-Rousse-Gletscher tickt die Zeitbombe
Nachrichten Wissen Im Tête-Rousse-Gletscher tickt die Zeitbombe
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08:10 27.08.2010
Arbeiter haben damit begonnen, Löcher in den Gletscher zu bohren. Ein Evakuierungsplan wurde ausgearbeitet. Quelle: ap

Im Inneren des Tête-Rousse-Gletscher hat sich eine gewaltige Wasserblase gebildet. Unter dem Eispanzer ruhen 65.000 Kubikmeter Wasser. Der Inhalt von 20 Schwimmbecken olympischen Ausmaßes ist das.

Was passieren kann, wenn der Eispanzer bricht und eine Felsbrocken und Bäume mitreißende Flut zu Tal rast, ist bekannt. In den Annalen des Ortes ist es verzeichnet. 1892 waren aus dem Innern des acht Hektar großen Gletschers Wassermassen zu Tal geschossen. In Saint-Gervais kamen damals 175 Menschen ums Leben.

Aber so weit soll es diesmal nicht kommen. Und so sind seit gestern nicht mehr Touristen und Bergsteiger am 3200 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Tête-Rousse unterwegs, sondern Experten, die den Druck auf die Gletscherwände reduzieren und zumindest einen Teil der Wassermassen abpumpen wollen. Wobei es zunächst einmal darum geht, überhaupt zu den Wassermassen vorzudringen.

Am Donnerstag haben die Männer begonnen, mit Thermosonden Löcher in den Eispanzer zu bohren. Thermosonden, aus denen unter Hochdruck stehendes, heißes Wasser schießt, sollen drei etwa 40 bis 45 Meter tiefe Öffnungen von je 25 Zentimeter Durchmesser freischmelzen. Anschließend wollen die Fachleute drei Pumpen anbringen, die das Wasser absaugen. Jede kann bis zu 50 Kubikmeter pro Stunde zu Tage fördern. Immerhin befindet sich sämtliches Gerät bereits am Einsatzort. Hubschrauber haben die insgesamt 30 Tonnen Ausrüstung auf dem schwer zugänglichen Gletscher abgesetzt.

Die Männer wissen, dass sie sich auf einen Wettlauf mit der Zeit eingelassen haben. Nicolas Kerr, der Leiter des Rettungseinsatzes, hat versprochen, „fast rund um die Uhr zu arbeiten und alles in seinen Kräften Stehende zu tun, damit die Wassermenge schnell abnimmt und mit ihr eben auch der Wasserdruck“. Am 13. Juli hatten Wissenschaftler empfohlen, „möglichst schnell eine künstliche Leerung des Gletscherinnenraums“ in Angriff zu nehmen. Bis zum 15. Oktober soll das 2,5 Millionen Euro teure Vorhaben abgeschlossen sein.

Ob das gelingt, hängt indes nicht nur von Kerr und seinen Leuten ab. Christian Vincent, Forscher für Gletscherkunde aus Grenoble, hat gleich drei Risiken ausgemacht, die den Erfolg des Unterfangens bedrohen: „technische Probleme, schlechtes Wetter sowie ein Kälteeinbruch, der dazu führt, dass das aufsteigende Wasser gefriert“. Andere Wissenschaftler warnen davor, dass der Gletscher einstürzen könnte, wenn er durch das Abpumpen des Wassers an innerem Halt verliert.

Für den Fall, dass die Rettungsaktion zu spät kommen und der Eispanzer bersten sollte, haben die Experten ein Frühwarnsystem installiert. Seismografen sowie am Rand des Gletschers gespannte Kabel lösen Alarm aus, wenn die Eismassen in Bewegung geraten sollten. Die Gemeinde Saint-Gervais hat bereits einen Evakuierungsplan erstellt. Insgesamt 900 Wohnungen sind darin verzeichnet. Die Situation sei ausgesprochen ernst, hat Jean-Marc Peillex den Bewohnern mitgeteilt, der Bürgermeister des Ortes.

Axel Veiel

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