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17:33 31.01.2017
In vielen Städten ist die Belastung mit Schadstoffen zu hoch. Quelle: dpa
Berlin

Berliner atmen in mehreren Bezirken weiterhin zu viel gefährliches Stickstoffdioxid ein. An sechs Messstationen überschritten die Werte 2016 im Jahresmittel den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Auswertung des Umweltbundesamtes (UBA) hervorgeht. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace reagierte nach Veröffentlichung der Messwerte mit Protest: Kletterer zogen der „Goldelse“ auf der Berliner Siegessäule eine Atemschutzmaske über das Gesicht.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die goldene Frauenstatue auf der Berliner Siegessäule mit einer Atemschutzmaske ausgerüstet, um gegen schlechte Stadtluft zu protestieren. Quelle: dpa

Doch gesundheitsgefährdende Autoabgase haben im vergangenen Jahr nicht nur in Berlin, sondern in vielen anderen Städten in Deutschland eine besorgniserregende Konzentration erreicht.

Stuttgart hält Negativrekord

Stuttgart hält trotz bundesweit deutlich besserer Werte weiter den Negativrekord beim Feinstaub. Und beim ebenso gefährlichen Stickstoffdioxid sieht es auch schlecht aus, wie das UBA mitteilte. Deutschlands Schadstoff-Hotspot nahe der Kreuzung Neckartor lag demnach auch beim Jahresmittelwert der Stickstoffbelastung ganz vorn. Ähnlich hohe Werte wurden 2016 nur in München an der Landshuter Allee gemessen.

Bundesweit wurde im Jahresmittel der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter Luft an 57 Prozent der Messstationen an stark befahrenen Straßen überschritten, wie das UBA ermittelte. In Hannover und Osnabrück konnte zwar die Belastung gesenkt werden, aber noch nicht unter das erlaubte Limit.

„Seit Jahrzehnten gefährdet Stickstoffdioxid unsere Gesundheit“, so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Schuld seien vor allem Diesel-Autos. Dass die Gemeinden schmutzige Diesel weiter nicht aus den Innenstädten verbannen, könne „nicht akzeptiert werden“.

Nach Daten des Umweltbundesamtes werden die zulässigen Stickstoffdioxid-Werte vielerorts überschritten. Zu den größten Luftverschmutzern in den Städten zählen Diesel-Autos. Quelle: UBA/TREMOD 5.61

Die Städte mit den höchsten Stickstoffdioxid-Werten laut Umweltbundesamt (UBA):

1. Stuttgart (Am Neckartor): 82 Mikrogramm pro Kubikmeter

2. München (Landshuter Allee): 80 Mikrogramm pro Kubikmeter

3. Reutlingen (Lederstraße Ost): 66 Mikrogramm pro Kubikmeter

4. Kiel
(Theodor-Heuss-Ring): 65 Mikrogramm pro Kubikmeter

5. Köln
(Clevischer Ring): 63 Mikrogramm pro Kubikmeter

6. Hamburg
(Habichtstraße): 62 Mikrogramm pro Kubikmeter

7. Düsseldorf
(Corneliusstraße): 58 Mikrogramm pro Kubikmeter

Hohes Gesundheitsrisiko

Vor allem für Asthmatiker sind erhöhte Stickstoffdioxid-Konzentrationen laut UBA ein Problem, aber auch Pflanzen und Böden können Schaden nehmen. Die schädlichen Partikeln sind giftig für Blätter und sie überdüngen und übersäuern die Böden.

Kommunen mit besonders belasteten Innenstädten benötigten dringend die Möglichkeit, bestimmte Autos von dort zu verbannen, erklärte Krautzberger dazu. „Ich kann nicht verstehen, warum Bund und Länder bei der blauen Plakette weiter eine Warteschleife nach der nächsten drehen“, so Krautzberger weiter.

Niedrige Feinstaub-Werte dank günstiger Wetterlage

Besser sieht es beim Feinstaub aus. Die Werte in Deutschland waren 2016 so niedrig wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Das UBA sieht dies vor allem durch günstige Wetterlagen begründet. Allerdings betont das Amt, dass die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerte zum Teil überschritten würden – diese seien strenger als die Grenzwerte der EU.

In Städten gilt Straßenverkehr als wichtigste Staubquelle. Feinstaub gelangt vor allem aus Dieselmotoren, aber zum Beispiel auch durch Bremsen- und Reifenabrieb in die Luft.

Von RND/dpa

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