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15:53 29.07.2011
Prof. Haux, Leiter des Peter L. Reichertz Instituts für medizinische Informatik, in der Modellwohnung. Quelle: dpa
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Braunschweig

Mit einem Forschungsprojekt wird an der TU Braunschweig derzeit so eine Modellwohnung entwickelt. „Unser Projekt ist insofern einzigartig in Deutschland, weil daran nicht nur Wissenschaftler, sondern auch für die praktische Umsetzung wichtige Institutionen wie Wohnungswirtschaft, Ärzte, Sozialdienste und Handwerker beteiligt sind“, betont Professor Reinhold Haux. Er leitet das Peter L. Reichertz Institut für medizinische Informatik, das von der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover getragen wird.

Er nennt einige, bereits erprobte Anwendungen: Wenn beispielsweise der Bewohner nachts aufsteht und auf die Toilette muss, wird automatisch das Licht auf den Weg dorthin ein- und später wieder ausgeschaltet. Herd und Licht werden ausgeschaltet, wenn man die Wohnung verlässt. Vom Sessel aus können Fenster und Türen per Fernbedienung geöffnet und geschlossen werden. In Küchen- und Bücherschränken sind bewegliche Regale eingebaut, die bei Bedarf heruntergefahren werden können. Bei Einbruchsverdacht werden das Licht- und der Fernsehapparat eingeschaltet.

Besonders wichtig ist ein Bewegungssensor, der an der Kleidung oder am Gürtel getragen wird und der einen Sturz schnell registriert, sofort einen Notruf an bestimmte Kontaktpersonen in der Verwandtschaft, an eine Sozialstation oder an den Hausarzt sendet. „Einige dieser Systeme verbessern einfach den Wohnkomfort und könnten auch für andere Bewohner interessant sein“, meint Plischke.

Intelligente Sensoren zeichnen Verhaltensmuster und Tagesabläufe auf

Doch die Modellwohnung biete noch mehr. Aus den gesammelten Messdaten der installierten oder am Körper getragenen Sensoren kann ein Rechner in der Wohnung bestimmte Verhaltensmuster, Tagesabläufe und Routinen der Bewohner ermitteln, erläutert Plischke. Änderten die sich plötzlich, könne das ein Hinweis auf Krankheiten sein - oder dass etwas passiert ist. Dann könne das System reagieren, entweder dem Betreffenden Ratschläge geben (etwa: zum Arzt gehen) oder den Hausarzt benachrichtigen. Der könnte sich künftig, online mit der Wohnung verbunden, auch selbst regelmäßig über das Befinden seines Patienten informieren.

„Wir müssen uns als Wohnungsunternehmen auf den demografischen Wandel einstellen und mehr altersgerechte Wohnungen mit ergänzenden Dienstleistungen anbieten“, meint Rüdiger Warnke, Geschäftsführer der Nibelungen-Wohnbau, der größten Wohnungsgesellschaft in der Stadt. Allein in Braunschweig werde im Jahr 2030 die Hälfte aller Einwohner über 65 Jahre alt sein. Da müsse man mehr altersgerechte Wohnungen anbieten.

Schon im nächsten Jahr will das stadteigene Unternehmen Nibelungen-Wohnbau GmbH die ersten elektronischen Wohnungen zur Vermietung anbieten. Die Akzeptanz dieser neuen Wohnungen werde, da sind sich die Projektbeteiligten einig, nicht nur davon abhängen, wie die persönlichen Daten der Mieter geschützt werden. Warnke: „Das muss auch bezahlbar sein“. Über die Kosten für Investitionen und nachfolgende Dienstleistungen wollen die Beteiligten aber noch keine Angaben machen.

dpa

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