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Mehr Frauen liebäugeln mit Eizelle auf Eis

Social Freezing Mehr Frauen liebäugeln mit Eizelle auf Eis

Das Interesse an Social Freezing in Deutschland wächst. Reproduktionsmediziner warnen jedoch davor, die Methode als Babygarantie zu sehen. Viele Interessentinnen seien bereits zu alt, wenn sie die Möglichkeit ins Auge fassten.

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Social Freezing: Kassetten mit eingefrorenen Eizellen lagern in einem Labor im Universitätsklinikum in Tübingen.

Quelle: dpa

Berlin. Seit die US-Unternehmen Apple und Facebook ankündigten, ihren Mitarbeiterinnen als Teil eines größeren Versorgungspaketes das Egg Freezing zu sponsern, wächst auch in Deutschland das Interesse an Social Freezing. "Die Zahl der Interessentinnen ist gestiegen. Aber längst nicht jede Frau, die nachfragt, lässt den Eingriff tatsächlich machen", berichtet Sebastian Ellinghaus. Er betreibt profertilitaet.de, das mehrere Kinderwunschzentren bundesweit als vorgeschaltetes Infoportal nutzen.

Ellinghaus schätzt, dass es hierzulande nicht mehr als 1000 Anfragen pro Jahr gibt – und noch deutlich weniger Frauen den Schritt schließlich tun. Das deckt sich mit der Einschätzung von Reproduktionsmedizinern, die von etwa 500 Konservierungen im vergangenen Jahr ausgehen. Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht.

Bisher gibt es wenige Frauen, die sich mit dem Bekenntnis zu Social Freezing in die Öffentlichkeit getraut haben. Die Unternehmerinnen Karina Schönberger (26) und Pia Poppenreiter (28) gehören zu den Ausnahmen. "Ich habe es für mich gemacht", sagte Poppenreiter danach dem Online-Magazin Gründerszene – und erntete prompt bissige Kommentare. "Ich wollte mir selbst den Druck nehmen, schwanger werden zu müssen, weil mir die Zeit davonläuft. Ich bin ein extrem ehrgeiziger Mensch und mir ist meine Karriere sehr, sehr wichtig."

Karina Schönberger hofft eigentlich, noch vor ihrem 30. Geburtstag ein Kind auf natürlichem Wege zu bekommen. Falls das jedoch nicht klappe, seien die eingefrorenen Eizellen ihr Plan B, eine Versicherung für den Lebenstraum, sagte sie dem "Handelsblatt".

Der Reproduktionsmediziner Sören von Otte steht hinter der Methode – aber warnt zugleich vor ihrer Einschätzung oder gar Bewerbung als "Babyversicherung". "Es ist allenfalls eine chancensteigernde Maßnahme", sagt er. Zwar überleben dank des modernen Vitrifikationsverfahrens, bei dem die Eizellen besonders schnell und damit schonend eingefroren werden, 85 Prozent der Zellen. Allerdings bringt eine 35- bis 40-jährige Frau mit unerfülltem Kinderwunsch, der ein Mal Eizellen entnommen wurden, später nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle ein lebendes Kind zur Welt.

Bisher kommen viele Interessentinnen zu spät. "Drei Viertel der Interessentinnen sind Akademikerinnen zwischen 35 und 39 Jahren", sagt Heribert Kentenich, der Leiter des Berliner Fertility-Centers. Die hormonelle Stimulation der Eierstöcke, um die erforderlichen 10 bis 15 Eizellen zu "ernten", fällt mit Mitte 30 schon deutlich schwerer als mit 25. Für lau ist die vertagte Babyoption allerdings nicht zu haben: Mindestens 3500 Euro plus Lagerkosten sind fällig, die Krankenkasse bezahlt nichts. Im optimalen Alter von 25 Jahren dürfte das für viele Frauen nicht leicht zu stemmen sein.

Andrea Barthélémy

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