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Jagen Sie ein Gespenst – oder sind Sie erfolgreich im Beruf?

Auf der Couch – der Expertentipp Jagen Sie ein Gespenst – oder sind Sie erfolgreich im Beruf?

Manch einer ist unzufrieden im Job, weil er die eigenen Verdienste nicht richtig wahrnimmt. Karrierecoach Martin Wehrle plädiert für einen Perspektivwechsel.

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Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestseller-Autor, sein neues Buch: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“ (Mosaik).

Quelle: privat

Hamburg. Erfolg im Beruf ist wie ein Gespenst: Viele jagen ihm vergeblich hinterher. Das liegt kaum am Erfolg, umso mehr an seiner Definition. Wer es als Handwerker bis zum Meistertitel bringt – ist der erfolgreich? Wer es zum Geschäftsführer einer Firma mit 300 Mitarbeitern bringt – ist der erfolgreich? Wer als Politiker bis zum Ministerpräsidenten aufsteigt – ist der erfolgreich? Der gesellschaftlichen Maßstäbe sagen: Ja! Aber viel wichtiger ist die Frage: Für wie erfolgreich hält sich der Betreffende selbst?

Was, wenn der Malermeister ein verkappter Künstler ist, der Wände lieber mit fantasievollen Kunstwerken verzieren würde, als sie nur mit der Farbrolle zu weißen? Angenommen, der Geschäftsführer möchte in Wirklichkeit einen DAX-Konzern leiten, statt nur „eine Mini-Truppe mit 300 Mitarbeitern“ (wie er das formuliert). Und was, wenn der Ministerpräsident ein verkappter Bundeskanzler ist, aber vergeblich am Zaun des Kanzleramtes rüttelt?

Es gibt einen „gefühlten Erfolg“

Wie viele Menschen sich für gescheitert halten, obwohl sie es nach gesellschaftlichen Maßstäben „weit gebracht“ haben, erstaunt mich in Coachings immer wieder. Wie es eine „gefühlte Temperatur“ gibt, gibt es auch einen gefühlten Erfolg – und der hängt ab von persönlichen Maßstäben. Es ist wie beim Hochsprung: Wer die Latte auf 2,10 Meter legt, aber nur 1,90 Meter springt, muss sich als Versager fühlen. Dagegen wäre derselbe Sprung ein beachtlicher Erfolg bei einer Lattenhöhe von 1,80 Meter. Wer nach mehreren Anläufen endlich eine Berufsausbildung schafft und das zu schätzen weiß, kann im Berufsleben zufriedener als ein Top-Manager sein, dem es – frei nach Schopenhauer – im Beruf wie beim Trinken von Meereswasser geht: Je mehr Erfolg er schlürft, desto durstiger wird er.

Das eigene Erreichte sollte man würdigen

Was können erfolgreiche Menschen gegen Unzufriedenheit tun? Aus der eigenen Haut schlüpfen und von außen schauen: Wie denken andere Menschen, etwa Freunde und Bekannte, über das, was sie in ihrem Berufsleben erreicht haben? Zu welchem Urteil kommen Weggefährten, die denselben Beruf studiert oder gelernt haben? Und was würden diejenigen, die sie gefördert haben, zu der Erfolgsbilanz sagen?

Diese Metaperspektive hilft, die eigenen Ansprüche zu prüfen und das Erreichte mehr zu würdigen. Jeder Mensch kann seinen Blick in zwei Richtungen wenden: auf das, was er schon hat – oder auf das, was ihm noch fehlt. Es ist richtig, sich anspruchsvolle Ziele zu setzen. Aber Karriereziele müssen auch realistisch sein. Sonst ist das Scheitern hausgemacht.

Von Martin Wehrle / RND

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