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13:32 28.03.2017
Summen, Pulsieren, Zirpen oder Pfeifen: Geräusche im Ohr können ganz unterschiedlich sein. Der Facharzt weiß Rat. Quelle: Fotolia
Berlin

Im gesunden Zustand filtert das Gehirn lästige Geräusche aus der Umgebung heraus. So überhören wir buchstäblich auch den eigenen Herzschlag. Schlafmangel, negativer Stress oder gar Depressionen können diese Fähigkeit zum „Abschalten“ beeinträchtigen. Ein Tinnitus, also ein permanentes Ohrgeräusch, ist daher in den meisten Fällen das erste Symptom einer psychischen Überforderung, kann aber auch durch zu viel Lärm ausgelöst werden. Wie lässt sich dem zermürbenden Pfeifen, Rauschen, Brummen oder Klingeln im Ohr beikommen? Fragen an die Professorin Birgit Mazurek, HNO-Ärztin und Direktorin des Tinnituszentrums der Berliner Charité.

Eine amerikanische Studie hat ergeben, dass zehn Prozent der Erwachsenen in den USA über Tinnitus klagen. Gibt es Zahlen für Deutschland?

Schätzungen zufolge gibt es weltweit rund 256 Millionen Menschen mit Hörstörungen, ein Drittel davon leidet unter einem Tinnitus, also permanenten Ohrgeräuschen. In Deutschland sind es mittlerweile etwa 13 Millionen, Tendenz steigend.

Was sind denn die Ursachen für die Zunahme?

Neben negativen Stresssituationen vor allem durch den Druck ständiger Erreichbarkeit ist es auch unsere laute Gesellschaft. In allen Bereichen nimmt der Lärm zu. „Environmental Noise“, also die Summe aller von außen auf uns eindringenden Geräusche vom Straßenlärm bis zur Kaufhausbeschallung, ist ein echtes Problem.

Ist der Tinnitus deshalb mittlerweile eine Zivilisationskrankheit?

So würde ich es nicht ausdrücken. Es ist eher ein immer häufiger auftretendes Symptom in der zivilisierten Welt.

Sind auch Kinder betroffen?

Wir haben in unserer Tagesklinik auch sehr junge Patienten. Schon eine Tröte oder ein Silvesterknaller kann Hörstörungen auslösen. Man sollte sich dessen als Eltern bewusst sein.

Wie äußert sich ein Tinnitus?

Die Geräusche im Ohr sind ganz unterschiedlich. Das kann ein Summen, Pulsieren, Zirpen, Pfeifen oder Rauschen sein. Sie sind Ausdruck einer veränderten Hörverarbeitung. Schon kleinste Störungen an den Hörsinneszellen, die die von außen kommenden Reize umwandeln und zum Hörzentrum im Gehirn weiterleiten, können zu Ohrgeräuschen führen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

In der Akutphase, also den ersten drei Monaten, werden, wie bei der Hörsturzbehandlung, durchblutungsfördernde Maßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel eine Kortison-Therapie. Im chronischen Stadium gibt es bislang keine Heilung, allenfalls Linderung durch multimodale verhaltenstherapeutisch orientierte Therapien.

Was muss man sich unter einer solchen Therapie denn vorstellen?

Die Patienten lernen in diesen Therapien, mit dem Hörgeräusch umzugehen, sich also nicht ständig davon ablenken oder stören zu lassen, sondern es als neutrales Begleitgeräusch zu bewerten.

Viele Menschen haben die Beschwerden über Jahre. Kann man sich tatsächlich daran gewöhnen und gut damit leben? Oder ist ein solches Ohrgeräusch vielmehr eine gefährliche Dauerbelastung, die mit der Zeit auch andere gesundheitliche Folgen nach sich zieht?

Das hängt vom Belastungsgrad ab und der variiert. Es gibt Patienten, die brauchen keine Therapie und fühlen sich kaum beeinträchtigt, andere wiederum sind über mehrere Jahre in Behandlung, weil das Ohrgeräusch Depressionen, Schlafstörungen oder Angstzustände hervorruft oder noch verstärkt. In jedem Fall kann man lernen, mit einem Tinnitus zu leben. Gerade bei einem chronischen Tinnitus ist es jedoch wichtig, das interdisziplinär behandelt wird. Neben HNO-Ärzten und Psychotherapeuten sind dabei oft auch Physiotherapeuten oder Neurologen gefragt.

Von Kerstin Hergt

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