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10:00 03.02.2018
Damit Kinder sich bei Übergriffen wehren können oder es am besten gar nicht erst so weit kommt, braucht es ein starkes Selbstbewusstsein. Quelle: dpa
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Hannover

Jürgen Rüstow reißt die Arme in die Luft und streckt die Finger aus. Sieben Kinder zwischen vier und fünf Jahren tun es ihm gleich. „Macht euch groß, so groß ihr könnt“, ruft er. Danach bittet er sie, durch den Raum zu gehen. Sie sollen jedem, dem sie begegnen, die Hand reichen. „Stellt euch dabei aufrecht hin und schaut euch in die Augen.“

Rüstow ist Persönlichkeitstrainer. In der Kindertagesstätte Wolkenzwerge in Berlin gibt er ein Seminar zum Thema Selbstbewusstsein. Schon die Kleinsten sollen lernen, wie sie am besten mit Konfliktsituationen umgehen. Warum das Ganze? „Damit sie nicht zu Opfern werden“, erklärt der Coach – „und nicht zu Tätern.“ Beides liegt nah beieinander. Wer permanent gepiesackt wird, haut mitunter selbst drauf.

Anti-Mobbing-Kurse an Schulen

„Wehret den Anfängen“ ist auch das Motto von Carsten Stahl. Er gibt Anti-Mobbing-Kurse an Schulen in ganz Deutschland. „Früher fing Mobbing erst in der Grundschule an“, sagt er. „Heute geht es im Kindergarten schon los.“

Babys werden für fast alles gelobt – das erste Anheben des Kopfes, das erste Umdrehen, die ersten Krabbelbewegungen. „Aber irgendwann nimmt das ab“, sagt Rüstow. Und das sei falsch. Wenn ein Kitakind ein Bild für seine Eltern gemalt hat, ist das eine große Sache, findet Stahl.

Entscheidungen des Kindes respektieren

Wichtig für ein gesundes Selbstbewusstsein sei zudem die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Das fängt früh an, sagt Rüstow. Dann nämlich, wenn ein Kind etwas nicht möchte. „Das Kind bockt, heißt es dann. Ich mag dieses Wort schon nicht.“ Mitunter lohne es sich nachzugeben, rät der Coach. Denn: Nur so lernt das Kind, dass seine Entscheidungen respektiert werden.

Auf diese Weise stärken Eltern ihre Kinder zum Beispiel für den Fall eines sexuellen Übergriffs. Meist findet ein solcher in der Familie oder im Bekanntenkreis statt“, sagt Rüstow.

Rollenspiele für das Selbstbewusstsein

Besonders gefährdet sind schüchterne, zurückhaltende Kinder. Täter schauen unbewusst: Wer scheint schwächer zu sein als ich? Genau da setzt Rüstow mit seinem Training an. „Man kann kleinen Kindern nicht erklären: ‚Fühl dich mal stärker‘. Die müssen das spüren.“ Deswegen macht er Rollenspiele.

Das hilft nicht nur dabei, selbst nicht zum Opfer zu werden, sondern stärkt Kinder auch, damit sie sich einmischen. Mutige Kinder schaffen es, Stopp zu sagen, wenn andere gehänselt werden.

Den Kindern zuhören

Eine Garantie dafür, dass das eigene Kind niemals Opfer von Mobbing wird, kann es aber nicht geben, betont Stahl. „Fast jeder wird in irgendeiner Form damit konfrontiert“, ist seine Erfahrung. „In meinen Kursen an den Schulen sind es neun von zehn Kindern.“ Deshalb ist entscheidend, dass das Kind sich traut, mit den Eltern, Lehrern oder Erziehern zu sprechen, wenn es sich im Klassenverband unwohl fühlt: „Auf keinen Fall Sätze wie ‚Reiß dich mal zusammen‘ oder ‚Sei ein Mann‘ sagen“, warnt Stahl.

Von Teresa Nauber/RND

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