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Forscher testen umstrittene Energiegewinnung

Kernfusionsanlage in Greifswald Forscher testen umstrittene Energiegewinnung

In Greifswald wollen Forscher die Sonne auf die Erde holen: Die Kernfusions-Testanlage "Wendelstein 7-X" steht vor dem Start, die Wissenschaftler wollen Energie erzeugen wie auf der Sonne. Aber die Anlage ist umstritten.

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Monteure arbeiten an dem 725 Tonnen schweren, ringförmigen Plasmagefäß für das Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X".

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Rostock/Greifswald. Voraussichtlich in der kommenden Woche werde die Betriebsgenehmigung erteilt, sagte der Direktor des zuständigen Landesamts für Gesundheit und Soziales, Heiko Will, am Montag in Rostock. Alle technischen Voraussetzungen beim Greifswalder Max-Planck-Institut für Plasmaphysik seien erfüllt, nun könnten die Experimente starten. Bei der Kernfusion soll Energie wie auf der Sonne durch die Verschmelzung von Atomkernen erzeugt werden.

Anlage ist umstritten

Wissenschaftler des TÜV Rheinland hatten im Auftrag des Landesamts die technischen Voraussetzungen geprüft. Vor gut 19 Jahren war der erste Antrag auf Errichtung der Anlage für das Kernfusionsexperiment in Mecklenburg-Vorpommern gestellt worden.

"Wendelstein 7-X" ist neben einer Anlage in Japan das weltweit größte Fusionsexperiment vom Typ "Stellarator". Das Projekt ist nicht unumstritten: Kritisiert werden die enorm hohen Kosten und die – wenn auch im viel geringerem Umfang als bei der Kernspaltung – anfallenden radioaktiven Abfälle. Will sprach von einer Investition in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Rund 500 hoch qualifizierte Arbeitsplätze seien entstanden.

BUND hat Sicherheitsbedenken

Wie die Sprecherin des Max-Planck-Instituts, Beate Kemnitz, sagte, werden nach der Erteilung der Betriebsgenehmigung in Kürze die ersten Fusionsexperimente mit der Erzeugung eines Helium-Plasmas starten. Dies geschieht bei Temperaturen von bis zu zehn Millionen Grad Celsius. In einem zweiten Komplex erfolge die Bildung eines Wasserstoffplasmas, erst zu einem späteren, noch nicht bekannten Zeitpunkt werde mit Deuterium gearbeitet, einem natürlichen Isotop des Wasserstoffs. "Dann wird auch der Strahlenschutz relevant."

Mit der Genehmigung wird auch die Kritik an dem Projekt nicht abreißen. "Wir haben nach wie vor erhebliche Sicherheitsbedenken", sagte Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin der Umweltschutzorganisation BUND. Ein Gutachten habe ihre Bedenken zur Abschirmwirkung der Halle nicht völlig ausgeräumt. "Wir sind auch nicht der Meinung, dass wir die Fusionstechnik für die Energieversorgung brauchen", betonte Cwielag. Dies sei ein sehr teures Forschungsvorhaben", und die Technik werde auch in den kommenden Jahrzehnten nicht angewendet. In dieser Zeit werde die Energiewende mit der Nutzung erneuerbaren Energien verpasst.

Von Joachim Mangler

Hintergrund: Was ist Kernfusion?

Die Kernverschmelzung ist die Energiequelle der Sonne und anderer Sterne. Ziel der Fusionsforschung ist es, aus der Verschmelzung von Atomkernen ähnlich diesen Naturprozessen in Kraftwerken Energie zu gewinnen. Anders als bei der Kernspaltung in konventionellen Atomkraftwerken werden bei der Fusion nur minimale Mengen Radioaktivität freigesetzt. Zudem kann die Fusion im Gegensatz zur Kernspaltung nicht zu einer Kettenreaktion führen.

Unter irdischen Bedingungen verschmelzen am leichtesten die Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium. Dabei entsteht ein Helium-Kern, darüber hinaus werden ein Neutron sowie große Mengen Energie frei. Ein Gramm Brennstoff könnte nach Angaben der Fusionsforscher in einem Kraftwerk 90 000 Kilowattstunden Energie erzeugen – die Verbrennungswärme von 11 Tonnen Kohle. dpa

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