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Das Klima ist nicht mehr zu retten

Climate Engineering Das Klima ist nicht mehr zu retten

Kieler Forscher haben in aufwendigen Computersimulationen nachgewiesen, dass sich die Erderwärmung mit technischen Eingriffen ins Weltklima kaum senken lässt. Dafür birgt das sogenannte Climate Engineering nicht verantwortbare Risiken.

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 Prof. Andreas Oschlies lässt mit seiner neu veröffentlichten Studie die Vision platzen, dass Menschen das Weltklima positiv verändern könnten.

Quelle: S. Dengg

Kiel. Kieler Wissenschaftler warnen eindringlich vor dem Versuch, die Erderwärmung mit Hilfe von Großtechniken zu bremsen. Die Potenziale solcher Techniken des sogenannten Climate Engineering seien relativ gering, die Nebenwirkungen aber könnten massiv sein, betonten die Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. Sie haben in Computersimulationen die globalen Langzeitfolgen von verschiedenen Climate-Engineering-Maßnahmen untersucht. Die Ergebnisse der Studie präsentieren sie im angesehenen Fachjournal „Nature Communcations“.

Selbst wenn verschiedene Technologien kombiniert angewendet würden, ließe sich das Ziel, den globalen Temperaturanstieg bis 2100 auf etwa zwei Grad Celsius zu begrenzen, nicht erreichen, schreiben die Forscher in ihrem Fachartikel. Nach Angaben des Teams um David Keller und Prof. Andreas Oschlies sind die einzelnen Technologien entweder „relativ ineffektiv“ mit begrenzten Wärmereduzierungen (weniger als 8 Prozent) oder haben schwere Nebenwirkungen. Einmal ergriffene Maßnahmen könnten nicht gestoppt werden, ohne dass sich der Klimawandel danach beschleunige.

So gibt es Vorschläge, die Ozeane mit Eisen zu düngen, damit zusätzliches Plankton Kohlendioxid (CO2) aus der Luft binden kann. Andere Ideen setzen in der Atmosphäre an, wo mit Aerosolen oder Spiegeln die Sonneneinstrahlung reduziert werden soll. Die Düngung der Ozeane habe zwar für eine verstärkte Bindung von CO2 durch das Plankton gesorgt, aber auch für eine Ausbreitung von Sauerstoffminimumzonen in den Meeren, betonen die Kieler Forscher.

Für ihre Studie wählten sie fünf viel diskutierte Maßnahmen: Die Abschirmung von Sonnenstrahlung in der Atmosphäre, die Aufforstung großer Wüstengebiete in Nordafrika und Australien sowie drei verschiedene Techniken, mit denen Kohlendioxid im Ozean gebunden werden soll. Parallel ließen die Wissenschaftler ihr Erdsystemmodell ohne klimaregulierende Maßnahmen auf Grundlage aktueller Prognosen des UN-Klimarats laufen.

Selbst unter idealen Voraussetzungen war, wie es in einer Pressemitteilung des Geomar-Instituts vom Dienstag heißt, der Nutzen der einzelnen Maßnahmen in den Modellen begrenzt. Die Aufforstung der Sahara und des australischen Outbacks habe sogar die Erderwärmung verstärkt. „Die Wälder absorbierten zwar Kohlendioxid aus der Atmosphäre, dafür wurde die Erdoberfläche aber dunkler und konnte mehr Wärme speichern“, erläuterte Keller das Phänomen. Für Oschlies wäre der schlimmste Fall, wenn der Monsun sich nördlich oder südlich verschieben oder in Indien sogar ganz ausbleiben würde.

Eine weitere Frage, mit der sich die Forscher beschäftigten: Was passiert, wenn die eingesetzten Technologien aus politischen oder technischen Gründen abgeschaltet oder wieder rückgängig gemacht werden? “Bei fast allen sahen wir eine rasante Angleichung an die Klimaentwicklung ohne Climate Engineering“, berichtete Keller. Wenn etwa die Sonnenstrahlung nach 50 Jahren plötzlich nicht mehr abgeschwächt werden würde, erwärmte sich die Erde innerhalb weniger Jahrzehnte oder gar Jahre um mehrere Grad. „Die Entwicklung wäre viel schneller als der aktuelle Klimawandel, mit möglicherweise noch katastrophaleren Folgen.“.

Professor Andreas Oschlies sagte der Deutschen Presse-Agentur, Schwerpunkte der Climate Engineering Forschung seien die USA, Großbritannien und Kanada: „Dort wird an der Machbarkeit gearbeitet, an der technischen Umsetzung. Wir in Deutschland wollen erst einmal die reine Bewertung.“ Bereits in den nächsten fünf Jahren sei mit Feldexperimenten zu rechnen. In den USA könnten bereits in diesem Jahr Aerosol-Versuche stattfinden, um Sonnenlicht abzuschatten. „Das ist sehr weit, sehr konkret geplant.“

Oschlies betonte auch die wirtschaftliche Bedeutung von Climate Engineering und die Instrumentalisierung in der politischen Diskussion. Lobbyisten-Verbände in den USA, die erst den Klimawandel bestritten hätten, schwenkten jetzt um und propagierten Climate Engineering „als das Allheilmittel“. Natürlich sei dies auch für die Großindustrie sehr interessant, ein neues Geschäftsfeld. „Das ist ein Wirtschaftsmodell, aber auch ein Vernebelungsmodell, um von den richtigen Probleme abzulenken. Und es wird in den Klimaverhandlungen aktuell schon politisch benutzt.“

Die Reduzierung von CO2-Emissionen sei der effektivste Weg, den Klimawandel aufzuhalten, resümierten die Kieler Forscher.

dpa

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