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16:56 10.08.2011
Alzheimer lässt sich um fünf bis zehn Jahre verzögern, wenn man körperlich und geistig aktiv bleibt. Quelle: dpa
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Erlangen

Körperlich und geistig fit bleiben bis ins hohe Alter und ohne Alzheimer - das ist der Traum, den wohl jeder hat. Und wenn der Körper nicht mehr so richtig funktioniert, sollte zumindest der Kopf klar sein. „Neue Forschungsergebnisse aus Deutschland, den USA und Kanada zeigen eindeutig, dass eine rechtzeitige Alzheimer-Prävention den Eintritt der Krankheit zwar nicht verhindern, aber um Jahre hinauszögern kann und viele damit den Krankheitseintritt nicht mehr erleben“, sagt der Erlanger Psychologieprofessor Wolf D. Oswald.

Seit mehr als 20 Jahren leitet Oswald ein Forschungsprojekt über Bedingungen zur Erhaltung von Selbstständigkeit im höheren Lebensalter (SimA). Fazit seiner wissenschaftlichen Untersuchungen: Der Krankheitseintritt lässt sich um fünf bis zehn Jahre verzögern, wenn man körperlich und geistig aktiv bleibt. „Die Betonung liegt dabei auf dem ’und’.“ Weder Gedächtnisförderung allein noch Bewegung und Sport allein zeigten diesen präventiven Effekt. Erst wenn täglich beides zusammenkomme, lasse sich Alzheimer verzögern.

Oswald empfiehlt, am besten täglich zwei Kilometer zu gehen und alle geistigen Routinen zu meiden. „Dazu gehört, dass man wieder im Kopf rechnet, sich bewusst etwas merken will, Neues ausprobiert, ein Ehrenamt übernimmt“, sagt der Experte. Wem das zu schwierig sei, der könne auch einfache Trainingsprogramme zur Vermeidung von Alzheimer anwenden.

In einem Beitrag für die Zeitschrift ProAlter des Kuratoriums Deutsche Altershilfe nennt Oswald einige einfache Beispiele: Täglich die Zeitung nehmen und in einem Artikel immer zwei Buchstaben (z.B. „a“ und „n“) so schnell wie möglich anstreichen, am besten jeden Tag ein bisschen schneller. Eine andere Möglichkeit ist, nach der Zeitungslektüre so viele Details wie möglich aufzuschreiben, an die man sich gerade noch erinnern kann. Gemeint sind keine oberflächlichen Beschreibungen wie: „Da will ein Politiker mal wieder die Renten kürzen.“ Stattdessen ist der Name des Politikers ebenso gefragt wie die Prozentzahl. Abends können das Senioren noch einmal wiederholen.

Wer Koordination, Wahrnehmung und Gleichgewicht (also seine Psychomotorik) schulen will, kann täglich fünfminütige Übungen mit einem Luftballon machen: Zum Beispiel schubst man den Luftballon mit dem Daumen der rechten Hand hoch und fängt ihn mit dem Zeigefinger der linken Hand auf. Dann wechselt man systematisch die Finger durch.

Diese Übungen erscheinen zunächst sehr einfach, der vorbeugende Effekt ist laut Oswald aber durch neue epidemiologische Studien aus den USA gestützt.

Auch für den Leiter der „Memory Clinic“ in der Asklepios-Klinik Hamburg-Harburg, Markus Preiter, ist Aktivität das beste Rezept für geistige Fitness - vorausgesetzt, der Patient ist nicht schon an Alzheimer erkrankt. „Leider gibt es keine überzeugenden Vorbeugungsstrategien vor der Krankheit - weder medikamentös noch durch spezielle Trainingsprogramme“, sagt Preiter und relativiert die Einschätzung von Wolf D. Oswald. „Auch intensives Gedächtnistraining schützt nicht zuverlässig vor der Krankheit.“

Preiter, der auch stellvertretender Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit in der Harburger Asklepios-Klinik ist, weist daraufhin hin, dass das Gehirn nicht wie ein Muskel trainiert werden könne. „Ich kann nicht erkennen, dass die Patienten, bei denen wir eine Alzheimererkrankung diagnostizieren, regelmäßig diejenigen sind, die ihre geistigen Kapazitäten in den Jahren vor dem Krankheitsbeginn vernachlässigt haben“, erläutert Preiter. „Vom Langzeitarbeitslosen bis zum Hochschulprofessor ist da alles vertreten.“

Wertvoller als ausgeprägtes Gedächtnistraining ist für ihn, dass Ältere den Kontakt zu anderen nicht abreißen lassen. „Das Anregendste für Menschen ist der andere Mensch. Unser Gehirn ist ein Beziehungsorgan, und der Kontakt mit anderen regt uns an und hält uns geistig fit“, sagt Preiter. Sein Tipp lautet daher: „Raus aus dem Sessel und nicht in den eigenen vier Wänden ausharren.“

Der Mediziner widerspricht auch der verbreiteten Ansicht, es gebe eine Art „Alterstüddeligkeit“. Zwar sei bekannt, dass mit zunehmendem Alter manche Denkprozesse langsamer funktionieren, jedoch sei Vergesslichkeit immer ein Warnzeichen für den möglichen Beginn einer Demenz. Eine Abklärung beim Hausarzt, Nervenarzt oder in spezialisierten Fachzentren sei dann ratsam.

Auch für die mehr als 10.000 Seniorenpflegeheime in Deutschland gehört die Erhaltung der geistigen Fitness der Patienten zur täglichen Herausforderung. „Dabei spielt schon die Lage der Häuser eine nicht uninteressante Rolle“, sagt beispielsweise Nadine Behrendt, Leiterin des Pflegeheims Waldstraße der DANA Senioreneinrichtungen GmbH in Hannover, die über fast 1600 Pflegeheimplätze verfügt. „Wichtig ist, dass die Senioren aktiv am Geschehen teilnehmen können“, ist auch ihre Erfahrung. „Dazu gehören günstige Verkehrsanbindungen und Einkaufsmöglichkeiten genauso wie nahegelegene Parkanlagen.“ Außerdem sei ein vielfältiges kulturelles Angebot wichtig. „Neben Gedächtnistraining gibt es bei uns Gymnastik und kreatives Arbeiten sowie gemeinsame Lese- und Spielkreise oder Diavorträge.“

dpa

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