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Nachrichten Wissen Krebsforscher nehmen Stammzellen unter die Lupe
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09:37 06.10.2010
Möglicherweise entstehen Krebserkrankungen aus Stammzellen. (Symbolbild) Quelle: Christian Burkert
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Im Kampf gegen den Krebs nehmen Forscher verstärkt die Stammzellen unter die Lupe. Es mehrten sich die Hinweise, dass die meisten Krebserkrankungen aus Stammzellen entstünden, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Prof. Otmar Wiestler, zum Abschluss eines Internationalen Symposiums am Dienstag in Heidelberg. Er wies darauf hin, dass Stammzellen und Krebszellen Gemeinsamkeiten haben. Beide seien wandelbar und könnten sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Zudem seien Gene, die Stammzellen regulieren, häufig auch an der Entstehung von Tumoren beteiligt.

Es gebe bereits „erste Ideen“, wie diese Erkenntnisse „in Richtung Medizin getragen werden“ könnten, sagte Wiestler zum Abschluss der Tagung „Stammzellen und Krebs“. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen: Es werde noch viele Jahrzehnte der Forschung brauchen, „um die Hypothesen, die sich jetzt abzeichnen, erstens zu bestätigen und zweitens dann letztlich auch umzusetzen Richtung medizinische Anwendung.“

Stammzellen bleiben im Gegensatz zu vielen kurzlebigen Zellen über Jahre hinweg im Körper. Sie haben die Fähigkeit, sich selbst zu erneuern und kommen in vergleichsweise geringer Zahl vor. Von 100.000 Blutzellen sei etwa nur eine eine Stammzelle, erläuterte der Leiter der DKFZ-Abteilung Stammzellen und Krebs, Andreas Trumpp.

Nach Darstellung der DKFZ-Forscher besitzen viele Tumore ebenfalls „unsterbliche“ Stammzellen, die ständig neue Krebszellen „liefern“ und vermutlich für die Entstehung von Tochtergeschwüren (Metastasen) verantwortlich sind. Sie reagieren nach Trumpps Worten ähnlich wie Stammzellen des gesunden Gewebes kaum auf eine Chemotherapie. Damit sind sie vermutlich ein Grund dafür, dass ein Tumor nach einer Therapie wieder auftreten kann.

Diese Eigenschaft konnten die Forscher bei Blutstammzellen ergründen. Diese sind in einem gesunden Organismus „in einer Art tiefen Ruhephase, oder einem tiefen Schlafzustand“, sagte Trumpp. „Mit diesem Schlafzustand geht eine komplette Unempfindlichkeit gegen unsere klassischen Chemotherapien einher.“ Mit bestimmten Substanzen oder Mechanismen könnten diese Stammzellen jedoch „aufgeweckt“ und für eine Chemotherapie sensibilisiert werden. „Das funktioniert in Blutstammzellen relativ effizient.“

Es bestehe deshalb die Möglichkeit, in einem zweistufigen Ansatz - nach dem „Aufwecken“ der Stammzellen und einer anschließenden Chemotherapie - auch die unempfindlichen Tumorstammzellen zu eliminieren, sagte der Wissenschaftler. „Aber dies sind erst die Anfänge.“ Laut DKFZ kann der Botenstoff „Interferon alpha“ die „schlafenden“ Blutstammzellen in einen Zustand versetzen, in dem sie anfällig für Krebsmedikamente sind. Diese Anwendung soll demnächst in einer Studie mit Leukämiepatienten geprüft werden.

dpa

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