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Nachrichten Wissen Löwe günstig abzugeben
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09:17 25.07.2015
Symbolbild Quelle: dpa
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Berlin/München

Ein Löwenbaby faucht im Wohnzimmer, ein Erdmännchen buddelt durch den Vorgarten und an der Gardinenstange hängt ein Flughund. Was nach tierischem Chaos klingt, ist in deutschen Wohnungen längst ein Trend, kritisiert die Organisation Pro Wildlife (München). Immer mehr Menschen in Deutschland wollen sich demnach mit einem exotischen Haustier schmücken - mit gefährlichen Folgen auch für die Besitzer, warnen die Tierschützer.

"Des Menschen bester Freund soll heute exotisch sein, ausgefallen und selten", sagt die Biologin Adeline Fischer von Pro Wildlife. "Doch diese Tiere sind Wildtiere - und leiden oft in Menschenhand." Betreiber von Online-Tierbörsen fühlen sich hingegen zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Selbst Löwen und Braunbären werden im Internet zum Kauf angeboten. Insgesamt fand Pro Wildlife bei einer zweijährigen Untersuchung von zwei Online-Tierbörsen einem neuen Bericht zufolge Angebote für
10 120 exotische Säuger aus 291 Arten, darunter auch viele Affen wie den Weißkopfmaki. Und es gibt viele weitere solcher Seiten im Internet. Die Organisation fordert daher eine bundesweit einheitliche Begrenzung des Handels mit Exoten.

Raubkatzen sind am teuersten

Wie viele Wildtiere in deutschen Häusern gehalten werden, ist nicht bekannt - eine vom Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Analyse soll dazu gerade Informationen beschaffen. Einschlägige Inserate finden sich allerdings mit wenigen Klicks bei den beiden untersuchten Online-Börsen.

"Suche asiatische Leopardkatzen, müssen nicht zahm sein", heißt es etwa bei terraristik.com. Bei exotic-animal.de bietet ein Nutzer drei Braunbären und einen Kragenbär an: "Nur an guten Platz. Keine Zoos, kein Zirkus." Und ein Puma-Junges ist über die Seite für 5500 Euro zu haben.

Raubkatzen sind nach den Angaben von Pro Wildlife am teuersten. Ein Löwe kostet demnach zwischen 2000 und 25.000 Euro. Für einen Jaguar werden mindestens 11.500 Euro fällig - das ist in etwa so viel, wie online für einen Gebrauchtwagen des gleichnamigen Herstellers gefordert wird. Beliebt sind aber auch Weißbüschelaffen, Kattas und Sugarglider. Letztere sind kleine Beuteltiere, die mit flauschigem Fell und dunklen Kulleraugen als Trend-Tiere gelten.

Pro Wildlife befürchtet, dass viele Wildtiere im Privatbesitz leiden. Kaum ein Anbieter überprüfe, wie die Exoten untergebracht werden. "Haltungsfehler sind bei so hohen Ansprüchen der Tiere vorprogrammiert, für Affen und viele andere Arten können Privathalter keine artgerechte Haltung gewährleisten", sagt Biologin Fischer.

Ein Löwe in den Warenkorb

Frank Izaber, Betreiber von exotic-animal.de, sieht das ganz anders. Einfluss darauf, wie die Käufer ihre Tiere halten, habe er nicht und wolle er auch nicht. Einige Menschen hätten ja durchaus das Geld und die Räumlichkeiten dafür, etwa eine Raubkatze zu halten, sagt Izaber. "Natürlich gefällt mir das nicht alles, aber da ist der Gesetzgeber gefragt."

Überhaupt sei ihm seine Online-Börse gar nicht wichtig. "Wenn Sie wollen, nehme ich die Seite morgen raus. Verschiedene Behörden haben mir aber schon gesagt 'Lassen Sie's drin, so haben wir wenigstens einen Anhaltspunkt für den illegalen Handel'", sagt Izaber, der auch außerhalb des Internets Tierhandel organisiert. Die meisten Angebote sind jedoch gar nicht verboten. Geld verdiene er an den Online-Kleinanzeigen nicht.

Tatsächlich teilt das Bundeslandwirtschaftsministerium mit, dass Einschränkungen bei Tierbörsen "nicht dazu führen dürfen, dass der Handel mit Tieren über andere, schlechter zu überwachende Wege verläuft". Im Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung noch vereinbart, gewerbliche Börsen für exotische Tiere zu untersagen. Umgesetzt wurde der Plan aber bislang nicht - erst soll die Analyse zur aktuellen Situation abgeschlossen werden.

Pro Wildlife fordert, um eine angemessene Haltung der Tiere sicherzustellen, die Einführung einer Liste mit allen für die Privathaltung geeigneten Arten - alle anderen Tiere wären dann daheim tabu. Die SPD-Fraktion hat bereits Unterstützung signalisiert. Doch das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium weist die Pläne zurück: Die Einhaltung einer solchen Liste sei nur schwer zu überwachen und die aufwendige Begründung der Verbote anderer Arten kaum zu leisten.

dpa

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