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Nachrichten Wissen Kritik an Japan: Walfang würde Arten aussterben lassen
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17:36 26.12.2018
Japan möchte wieder Wale jagen, um Geld damit zu verdienen. Quelle: dpa
Tokio/Hannover

„Esst Wale, um Fische zu retten“: Mit derart betitelten Studien sind japanische Lobbyisten zuletzt auf den Tagungen der Internationalen Wahlfangkommission (IWC) erschienen. Weil die verbliebenen Wale so viel Fisch fräßen, so ihre Argumentation, müssten Menschen Wale essen, damit mehr Fische im Meer übrig blieben – für den Fischfang. „Das ist blanker Unsinn, auf den manche Politiker aber gern hereinfallen“, kommentiert der Umweltverband WWF.

Der wichtigste Grund für den Rückgang vieler Fischbestände sei stattdessen die Überfischung der Meere durch den Menschen. Mehr noch: „Die Überfischung durch immer mehr Fangflotten bedroht ganz direkt die Wale. Denn ihnen wird schlicht ihre Nahrung weggefangen“, so der WWF.

Die Regierung in Tokio wollte sich jedoch nicht überzeugen lassen. Am Mittwoch erklärte Japan offiziell, aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) austreten und erstmals wieder kommerziell Jagd auf Wale machen zu wollen. Für Umweltschutzverbände und auch zahlreiche Regierungen ist es ein herber Rückschlag in der Bemühung, die Walpopulationen wider wachsen zu lassen.

Greenpeace bezeichnet Austritt als „hinterhältig“

Der Umweltverband Greenpeace, dem der Schutz der Wale von Beginn an eine Herzensangelegenheit war, verurteilte Japans Austrittsbeschluss als „hinterhältig“. Eine Sprecherin von Greenpeace Japan, Akiko Tsuchiya, sagte gegenüber der „Tagesschau“: „Das ist ein schwerer Fehler, der nicht im Einklang mit dem Rest der Welt steht. Diese Abfuhr des Multilateralismus ist nicht hinzunehmen. Zugleich darf man nicht vergessen, dass Japans Fangflotte in den letzten Jahren die Befunde des Internationalen Gerichtshofes ignoriert hat.“

Damit spielt Greenpeace auf den umstrittenen Fang von jährlich 333 Zwergwalen im Südpazifik an, den Japan als „wissenschaftliche Forschung“ deklariert hat. Unter dieser Begründung hatte Japan erst Ende August 170 Wale im Nordwestpazifik erlegt. Dies war ein legales Schlupfloch im Moratorium, das Japan seit 1987 nutzt hatte. Nun beendet Japan dieses Programm, um Wale wieder offiziell und in größeren Mengen für den Verzehr zu jagen.

Australien appelliert an Japan

Die Überfischung sowohl in japanischen Küstengewässern sowie auch in Gebieten auf hoher See habe zum Schwund vieler Walarten geführt. Auch Australien übte Kritik. Ihre Regierung sei „extrem enttäuscht“, sagte die australische Umweltministerin Melissa Price in einer Stellungnahme. Sie rief die Regierung in Tokio auf, in die Kommission zurückzukehren. Australien werde weiter „resolut gegen jede Form des kommerziellen und sogenannten wissenschaftlichen Walfangs“ sein.

Japan hatte einen Austritt aus der IWC aus Frust über das seit 1986 geltende Walfang-Moratorium mehrfach angedroht. Tokio beklagt seit vielen Jahren, dass es einigen Mitgliedsländern der IWC nur um Walschutz gehe. Die ursprüngliche Aufgabe der IWC sei aber die Erhaltung der Bestände und die nachhaltige Nutzung der Walressourcen.

Japan betont Erholung der Populationen

Japan hatte kürzlich bei der Tagung der IWC in Brasilien einen Antrag auf Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs gestellt. Die IWC wies den Antrag jedoch ab. Tokio argumentiert, dass sich die Bestände einzelner Walarten wie der Zwergwale wieder deutlich erholt hätten. Wie aus Kreisen der Regierung weiter zu erfahren war, will Japan ab Juli in seinen Gewässern Zwerg-, Sei- und Brydewale jagen. Man werde Fangquoten basierend auf dem Rechenmodell der IWC vergeben.

Die Organisation OceanCare nennt dies „irreführend“. Das RMP genannte Modell sei wegen des Moratoriums gar nicht in Kraft. Zum anderen nutzten die beiden anderen Walfangstaaten Norwegen und Island Varianten des Modells, die nicht anerkannt seien und zu höheren Fangquoten führten, hieß es.

Wale ohnehin vielen Bedrohungen ausgesetzt

Auch die Umweltschutzorganisation WWF zeigte sich „bestürzt“ und rief Japan auf, in der IWC zu bleiben. Dass Japan „kommerzielle und nicht nachhaltige Walfanginteressen über globale Schutzbemühungen“ stelle, erfolge zu einer Zeit, da Wale einer nie dagewesenen Bedrohung unter anderem durch Beifang, den Schiffsverkehr, Lärm, Plastik, chemische Verschmutzung und dem Klimawandel ausgesetzt seien, hieß es.

OceanCare befürchtet, dass Japans Austritt aus der IWC das Überleben einiger Walpopulationen auch im Nordwestpazifik gefährden wird. Sie widersprach zudem Japans Behauptung, bestimmte Walarten wie die Zwergwale hätten sich wieder deutlich erholt. Diese kämen in „komplexen Populationsstrukturen“ vor. So gelte ein Zwergwalbestand im Nordwestpazifik als stark gefährdet. „Einer direkten kommerziellen Bejagung wird diese Population nicht Stand halten. Wir werden daher diese und vermutlich auch andere Walpopulationen verlieren“, kritisierte Nicolas Entrup, Ocean Policy Experte bei OceanCare.

Japan erhofft sich neuen Markt

Die meisten Japaner essen derweil gar kein Walfleisch. Das wird sich nach Ansicht der Regierung in Tokio jedoch schnell ändern, sobald Japan ab dem kommenden Jahr wieder kommerziell Walfang betreibt. Derzeit kämen jährlich „nur“ rund 5000 Tonnen Walfleisch auf den Markt, hieß es. Vor Inkrafttreten des Moratoriums seien 20.000 Tonnen konsumiert worden.

Außer dem asiatischen Inselreich betreiben hauptsächlich noch Island und Norwegen Walfang, beide Staaten auch zu kommerziellen Zwecken. Norwegen – das Land, das die meisten Wale jagt – hatte gegen das Walfang-Moratorium Einspruch erhoben, Island Vorbehalte angemeldet.

Von Sonja Fröhlich/RND/dpa

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