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Kühlkappe kann Haarausfall verhindern

Hilfe bei Chemotherapie Kühlkappe kann Haarausfall verhindern

Viele Krebspatientinnen belastet es psychisch sehr, wenn während der Chemotherapie ihre Haare ausfallen. Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben am Mittwoch eine Kühlkappe vorgestellt, mit dem der Haarverlust deutlich gemindert werden kann.

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Mit Hilfe der Kappe wird die Kopfhaut sensorgesteuert auf drei bis fünf Grad Celsius heruntergekühlt.

Quelle: dpa

Hannover. Kühlen Kopf zu behalten ist in vielen Lebenssituationen hilfreich. An der Medizinischen Hochschule Hannover kann man das für ein Behandlungskonzept mit dem Namen „Dignilife“ wörtlich nehmen. Brustkrebspatientinnen, die eine intravenös verabreichte Chemotherapie über sich ergehen lassen müssen, wird dabei sensorgesteuert die Kopfhaut bis auf drei bis fünf Grad heruntergekühlt. Damit lässt sich der Haarausfall, der mit den Chemotherapien einhergeht, deutlich verringern. Dignilife wird seit einem Jahr erprobt; die MHH ist nach Angaben von Sprecher Stefan Zorn die einzige medizinische Einrichtung in Norddeutschland, die die Kopfhautkühlung anbietet.

Etwa 71 000 Frauen erkranken pro Jahr im Bundesgebiet an Brustkrebs. Während der ohnehin belastenden Chemotherapie kommt den Haaren nach Angaben von Sophia Holthausen-Markou, Oberärztin an der Klinik für Psychosomatik, eine über die Schönheit hinausgehende Bedeutung zu: „Den Haarausfall erleben die betroffenen Frauen als Stigmatisierung, weil ihre Krebserkrankung für alle offensichtlich wird. Sie können nicht entscheiden, wer davon erfahren soll und wer nicht.“

Das Kopfhautkühlung helfen könnte, weiß man seit den 70er Jahren, hat aber bisher kein geeignetes Verfahren entdeckt. Ein Gerät der Firma Sysmex, das der MHH von einer privaten Stiftung gespendet wurde, schafft Abhilfe. „Wir haben bisher 19 Frauen behandelt und sehr gute Ergebnisse erzielt“, sagt Tjoung-Won Park-Simon, Bereichsleiterin der gynäkologischen Onkologie. Wesentlicher Bestandteil ist eine Silikonkappe, mit der die Kopfhaut während der Therapie sensorgesteuert gleichmäßig, flächendeckend und konstant abgesenkt wird. „Dadurch kann das Medikament im Bereich der Haarwurzeln nicht in vollem Umfang wirken. Sie werden geschont“, erklärt Park-Simon.

Die Hemmingerin Sabine Giermann gehört zu den Frauen, die während insgesamt 16 Behandlungen zwischen Oktober und März an Dignilife teilgenommen haben. „Die Kälte lässt sich ertragen, wenn man über einen bestimmten Punkt hinweg ist und sich daran gewöhnt hat“, sagt die 48-Jährige. Alles andere wäre auch Qual, denn eine Sitzung mit tiefgekühltem Kopf dauert bis zu sechs Stunden. Das Resultat: „Mein Haar wurde dünner, aber ich habe nie einen Hut oder ein Kopftuch gebraucht. Das bedeutete für mich auch ein Erhalt meiner Würde“, sagt sie.

Das Gerät in der MHH ist nach Zorns Angaben gut ausgelastet. 60 bis 70 Prozent der betroffenen Krebspatientinnen möchten das Angebot wahrnehmen. Dabei ist das Verfahren keine Kassenleistung, sondern muss aus eigener Tasche bezahlt werden – 85 Euro kostet eine Anwendung. Giermann versteht das nicht. „Anstatt hinterher die Kosten für Perücken zu erstatten, sollten die Kassen besser die Behandlung finanzieren.“

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