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Lärmschutzwand soll Wale vor Windparks schützen

Offshore-Parks Lärmschutzwand soll Wale vor Windparks schützen

Die Energiewende soll Deutschland grüner machen, doch der massive Ausbau der Windkraft ist nicht immer umweltverträglich. Der Bau neuer Offshore-Parks verursacht unter Wasser so viel Lärm, dass darunter die ohnehin gefährdeten Schweinswale leiden.

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Hochseewindparks können Wale gefährden. Dagegen gibt es jetzt einen Plan.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Wie bei Menschen kann der Krach der Rammarbeiten das Gehör der geräuschempfindlichen Tiere schädigen. Ökologie steht gegen Ökologie, dem Image der Windpark-Bauer ist das nicht zuträglich. Nun will erstmals ein Betreiber Rücksicht auf die einzige heimische Walart nehmen. Das Unternehmen Trianel aus Aachen plant beim Bau seines Windparks Borkum-West II Unterwasser-Lärmschutzwände.

„Die Forschung hat gezeigt, dass mehr Schallschutz nötig ist“, sagt Trianel-Sprecher Elmar Thyen. „Wir müssen da ran, weil das Rammen einfach zu viel Krach macht.“ Die meterdicken Stahlpfeiler für die riesigen Windräder werden von Schiffen aus mit enormer Kraft über 30 Meter tief in den Meeresboden gehämmert. Jeder Rammschlag verursacht eine Schallwelle, die unter Wasser kilometerweit zu hören ist. Forscher haben in 350 Meter Entfernung Spitzenpegel von bis zu 200 Dezibel gemessen. Das Umweltbundesamt gibt als Lärmgrenzwert für die Wale 160 Dezibel vor – in 750 Meter Entfernung.

Da Schweinswale mit ihrem Gehör navigieren, kann das Unterwasser-Getöse sie orientierungslos machen. Auch die Verständigung mit Artgenossen wird gestört. Schon bei 164 Dezibel werden die Tiere für kurze Zeit taub. Doch bislang wusste niemand, wie der Grenzwert eingehalten werden soll. Einen Stand der Technik für effektive Lärmminderung gebe es noch nicht, heißt es bei der Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. „Es gibt noch keine andere Technik als das Rammen“, sagt auch Trianel-Sprecher Thyen. Sein Unternehmen behilft sich daher mit dem sogenannten großen Blasenschleier. Am Meeresboden wird um das Fundament der Windkraftanlage herum in 60 bis 70 Meter Abstand ein dicker Druckluftschlauch verlegt. Aus Düsen im Schlauch steigen Luftblasen auf, die den Krach des Rammens dämpfen. Trianel erprobt dieses Verfahren nun erstmals im Großeinsatz. Im August soll der Bau von 40 Windturbinen rund 45 Kilometer nördlich von Borkum beginnen. Zum Jahreswechsel 2012/13 soll der Windpark ans Netz gehen.

Eine „siebenstellige Summe“ investiere das Unternehmen in den Lärmschutz, verrät Trianel-Sprecher Thyen. Naturschützer halten den Aufwand für unverzichtbar. Schweinswale sind in Nord- und Ostsee stark bedroht. In weniger als zehn Jahren hat der Bestand nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz um mehr als die Hälfte abgenommen. Viele Kleinwale ersticken in den Schleppnetzen der Fischer. Zudem macht den Tieren die industrielle Nutzung der Meere zu schaffen – Ölbohrungen, Kiesabbau und Windkraft finden sogar in Schutzgebieten statt.

85 Offshore-Windparks sind derzeit beantragt. „Das ist ein Szenario, das einem schon manchmal Angst macht“, sagt Henning von Nordheim, Meeresbiologe beim Bundesamt für Naturschutz. Er sei kein Gegner der Windkraft, aber der Ausbau müsse naturverträglich vonstattengehen. Viele Genehmigungen – etwa die für den ersten kommerziellen Offshore-Windpark, den das Emder Unternehmen BARD derzeit in der Nordsee baut – wurden vor Jahren ohne Lärmschutzauflagen erteilt. Damals gab es noch keinen Grenz-, sondern nur einen wenig verbindlichen Richtwert. Aus Sicht der Naturschützer hat die „Steinzeittechnik“ des Rammens keine Zukunft, neue, leisere und schonendere Verfahren müssten entwickelt werden, fordern sie. „Würde so etwas an Land gemacht“, kritisiert von Nordheim, „gäbe es einen Aufschrei.“

Margit Kautenburger

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