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08:31 01.06.2016
In Berlin sind erneut die Masern ausgebrochen. Quelle: Achim Scheidemann/dpa
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Berlin

In Berlin sind erneut die Masern ausgebrochen. "Derzeit wird circa ein Fall pro Tag gemeldet", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Infektionsschutz beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), Dirk Werber. Bisher steckten sich demnach in diesem Jahr 48 Menschen mit der Infektionskrankheit an, davon mehr als 40 seit April. Zum Großteil sind Erwachsene ohne Impfschutz betroffen - im Mittel liegt das Alter der Erkrankten den Lageso-Daten zufolge bei 29 Jahren. Bisher mussten 16 Masern-Patienten in einer Klinik behandelt werden. Das Lageso erfasste bisher Fälle in fast allen Bezirken. Auch seien einzelne Erkrankungen bei Menschen in Brandenburg, Hessen und Thüringen bekannt geworden, die sich in Berlin angesteckt hätten.

WHO will Masern ausrotten

Das müssen Sie über Masern wissen.

Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es, die Masern auszurotten. Um dies zu erreichen, dürften sich nach WHO-Definition in Berlin eigentlich nicht mehr als vier Menschen pro Jahr mit Masern anstecken. Allerdings gab es in Berlin auch bereits in den vergangenen Jahren mehrere größere Masernausbrüche - zuletzt erkrankten von Ende 2014 bis Spätsommer 2015 rund 1360 Menschen. Im Februar vergangenen Jahres starb ein einjähriger Junge an den Folgen der Masern-Welle. Kleinere Ausbrüche, bei denen sich zum Beispiel Familienmitglieder untereinander anstecken, gibt es auch immer wieder. Für Aufsehen sorgte auch der Fall der kleinen Aliana. Die Fünfjährige leidet an der Maserngehirnentzündung SSPE, einer Spätfolge einer Maserninfektion.

Masern kamen aus Südostasien

Da die Masernzahlen generell im Sommer rückläufig seien, sei in diesem Jahr auf einen kürzeren und vielleicht auch milderen Verlauf der Ansteckungswelle zu hoffen, sagte Dirk Werber. In den vergangenen Wochen blieben die pro Woche gemeldeten Fallzahlen auch relativ stabil.

Nach Erkenntnissen des Lageso ging der aktuelle Ausbruch von einem Reisenden aus Südostasien aus, der Anfang März in einem Hotel in Berlin-Mitte wohnte. Zwei weitere Fälle lassen sich mit dieser Unterkunft in Verbindung bringen, schreiben die Experten im jüngsten Bericht. Im Umfeld der Wohnorte gab es die nächsten Ansteckungen.

Ansteckungsgefahr besteht bereits vor Ausschlag

Aus Sicht Dirk Werbers liegt das Problem bei nicht geimpften erwachsenen Patienten vor allem darin, dass sie die Krankheit effektiver weiterverbreiten als zum Beispiel Kleinkinder, weil sie im Schnitt eine höhere Anzahl von Kontakten hätten. Patienten seien bereits einige Tage vor Auftreten des typischen Masernausschlages ansteckend - einige gingen bei ersten Krankheitszeichen, die noch nicht auf die Masern deuten, weiter zur Arbeit und trügen das Virus auf diese Weise weiter.

Masern sind eine hochansteckende Krankheit, die von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen übertragen wird. Nach anfänglichen Symptomen wie Fieber, Husten und Schnupfen bekommen Infizierte einen charakteristischen roten Hautausschlag. Masern schwächen das Immunsystem und können auch schwere Komplikationen wie Gehirnentzündungen mit sich bringen. Schwere Verläufe werden vor allem bei Säuglingen und Erwachsenen beobachtet.

Der Ausbruch von 2015 ließ aber auch die Nachfrage nach dem Impfstoff in Berlin in die Höhe schnellen.

dpa/RND/are

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