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Ärzte sollen öfter Blutdrucksenker verschreiben

Forderung von britischen Forschern Ärzte sollen öfter Blutdrucksenker verschreiben

Jeder Patient mit einem hohen Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko sollte Medikamente bekommen, die den Blutdruck senken – egal, wie hoch sein Blutdruck ist. Dafür sprechen sich britische Mediziner aus. Ihre deutschen Kollegen reagieren skeptisch.

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Nicht nur ab 140: Mediziner fordern mehr Einsatz von Blutdrucksenkern

Quelle: Bernd Weißbrod/dpa

London. Blutdrucksenkende Medikamente sollten einer Studie zufolge bei allen Patienten mit hohem Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko eingesetzt werden – unabhängig von ihrem Blutdruck. Der Grenzwert von 140 mmHg für die Behandlung mit Tabletten sei zu hoch, kritisieren Mediziner in der Fachzeitschrift "The Lancet". Sie haben 123 Studien von 1966 bis 2015 ausgewertet, an denen insgesamt mehr als 600.000 Probanden beteiligt waren. Einschränkend merken die Wissenschaftler unter anderem an, dass die Studien teils nur bedingt vergleichbar waren.

Deutsche Mediziner skeptisch

Bei deutschen Experten stießen die Ergebnisse auf Skepsis. Der Leiter des Hypertoniezentrums München, Prof. Martin Middeke, sagte: "Man kann nicht alles über einen Kamm scheren. Die Behandlung des Blutdrucks ist immer eine individuelle Therapie." So müssten etwa auch Vorerkrankungen beachtet werden.

Geringeres Sterberisiko?

Die Behandlung mit Blutdrucksenkern vermindere das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich, schreiben Kazem Rahimi vom George Institute for Global Health an der britischen Universität Oxford und sein Team in "The Lancet". Werde der systolische Blutdruck um 10 mmHg gesenkt, verringere sich das Risiko für größere kardiovaskuläre Ereignisse um ein Fünftel, für Schlaganfälle und Herzversagen um ein Viertel und das Sterberisiko um 13 Prozent. Und zwar auch dann, wenn der Blutdruck der Patienten vor Beginn der Behandlung unter 130 mmHg gelegen habe.

Forscher für niedrigeren Richtwert

"Die Ergebnisse sprechen sehr dafür, den systolischen Blutdruck auf unter 130 mmHg zu senken", zitiert das Fachmagazin den Studienleiter Rahimi. Zudem sollten alle Risikopatienten mit Blutdrucksenkern behandelt werden, egal, was der Grund für ihr erhöhtes Risiko sei. So könnten Millionen Leben gerettet werden. Derzeit liegt der Richtwert für die medikamentöse Behandlung bei etwa 140/90 mmHG – Patienten mit erhöhtem Blutdruck unter diesem Wert wird eher eine Änderung der Lebensweise nahegelegt wie zum Beispiel Sporttreiben und Abnehmen.

Fast jeder Dritte hat Bluthochdruck

Laut "The Lancet" betrifft erhöhter Blutdruck mehr als eine Milliarde Menschen weltweit und ist die Ursache für 9,4 Millionen Todesfälle pro Jahr. In Deutschland hat nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) fast jeder dritte Erwachsene Bluthochdruck. Damit verbunden ist ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, koronare Herzerkrankung und Herzinsuffizienz, aber auch für chronische Niereninsuffizienz und Demenz.

dpa

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