Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Mehr Menschen mit psychischen Leiden in Kliniken

Studie Mehr Menschen mit psychischen Leiden in Kliniken

Seelische Erkrankungen nehmen zu - und immer mehr Patienten lassen sich deswegen stationär behandeln, wie eine Untersuchung bestätigt. Mit einmaligen Krankenhaus-Aufenthalten ist es aber oft nicht getan.

Voriger Artikel
Mangan-Schürfen rückt näher
Nächster Artikel
Robert-Koch-Institut erklärt Ehec-Ausbruch für beendet

Psychische Störungen entwickelten sich zu einer neuen, oft noch versteckten Volkskrankheit.

Quelle: dpa

Berlin. Wegen psychischer Leiden wie Depression oder Burnout kommen laut einer Studie immer mehr Menschen in Deutschland ins Krankenhaus. In den vergangenen 20 Jahren verdoppelte sich die Zahl dieser Fälle, wie eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Analyse der größten deutschen Krankenkasse Barmer GEK ergab. Im vergangenen Jahr suchten 8,5 von 1000 Versicherten deswegen Hilfe in Kliniken. 1990 waren es noch 3,7 Prozent. Vor allem Patienten mit Depressionen müssen aber einige Zeit nach der Entlassung häufig erneut eingewiesen werden.

Psychische Störungen entwickelten sich zu einer neuen, oft noch versteckten Volkskrankheit, sagte der stellvertretende Vorstandschef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker. Speziell Depressionen breiten sich stark aus. Deswegen im Krankenhaus behandelt werden der Studie zufolge nun 2,3 von 1000 Versicherten, vor zehn Jahren waren es noch 1,1 von 1000 gewesen. Der stationäre Aufenthalt bei allen psychischen Erkrankungen wurde zugleich immer kürzer und verringerte sich binnen 20 Jahren von 45 auf mittlerweile 31 Tage.

„Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich deutsche Krankenhäuser inzwischen um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern“, sagte Schlenker. „Dennoch muss man fragen, ob jeder Fall ins Krankenhaus gehört.“ Ziel solle sein, dass auch diese Erkrankungen stärker ambulant behandelt werden, wofür die Voraussetzungen aber verbessert werden müssten. Die deutsche Krankenhausgesellschaft teilte dazu mit: „Die Versorgung psychisch kranker Patienten in den Kliniken ist um so wichtiger, je unsicherer die ambulante Versorgung organisiert sein sollte.“

Die Wahrscheinlichkeit eines nochmaligen Klinikaufenthalts bei psychisch Kranken ist der Studie zufolge relativ hoch. In den ersten beiden Jahren nach der Entlassung wurden demnach 30 Prozent der Patienten mit derselben Diagnose wieder eingewiesen, knapp 39 Prozent mit einer anderen psychischen Erkrankung.

Die Erfahrungen mit der Nachsorge sind zudem durchwachsen, wie eine Befragung von 1700 Patienten ergab. Ein Jahr nach der Entlassung fanden 69 Prozent, dass es ihnen besser als direkt nach dem Klinikaufenthalt geht. Allerdings wiesen 59 Prozent immer noch Anzeichen einer mittleren bis schweren Depression auf.

Die relativ hohen Wiederaufnahmequoten zeigten, dass „zentrale Behandlungsziele wie das Nachlassen der Symptome und die Vorbeugung von Rückfällen vielfach nicht erreicht werden“, sagte Studien-Autorin Eva-Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover. Für die Langzeitbetrachtungen wertete das Institut Daten der Krankenkasse GEK aus, die mittlerweile mit der Barmer fusioniert ist.

Unabhängig von der Erkrankung sind Patienten in Deutschland der Studie zufolge kürzer, aber häufiger in den Kliniken. Die Zahl der Krankenhausfälle je 1000 Versicherte stieg im vergangenen Jahr leicht auf 187 (Vorjahr: 186). Entlassen wurden Patienten im Schnitt nach 8,3 (Vorjahr: 8,5) Tagen.

Bei einer Betrachtung nach Bundesländern - die nicht nur auf Daten der GEK, sondern denen der fusionierten Barmer GEK basiert - ergab sich ein sehr unterschiedliches Bild. Am längsten blieben demnach Patienten in Hamburg mit 9,36 Tagen im Krankenhaus, am kürzesten in Mecklenburg-Vorpommern mit 8,42 Tagen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Therapie in Tagesklinik
Foto: Männer gehen mit Depressionen anders um als Frauen – jetzt gibt es die erste Tagesklinik bei Hannover.

Sie stürzen sich in Arbeit, füllen die innere Leere mit Alkohol oder sind ständig gereizt: Beim vermeintlich starken Geschlecht äußern sich Depressionen anders als bei Frauen. Hilfe erfahren Betroffene in der ersten Tagesklinik für depressive Männer bei Hannover.

mehr
Mehr aus Wissen
Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.

  • Bauen & Wohnen

    Jeden Samstag neu: Tipps und Trends zu Haus und Garten, Bauen, Renovieren, Architektur und Wohnen. mehr

  • Auto & Verkehr

    Lesen Sie jeden Samstag Fahrberichte und Tipps für Autofahrer. Täglich aktuell: die Verkehrslage in und um Hannover. mehr