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Studie: Ärmere trinken sich häufiger tot

Alkohol macht krank Studie: Ärmere trinken sich häufiger tot

In den meisten europäischen Ländern leben gebildete und wohlhabende Menschen länger - und vor allem länger gesünder - als Menschen mit niedrigerem sozioökonomischen Status. Ein Grund für diesen Unterschied scheint im Alkoholkonsum zu liegen, berichten Wissenschaftler nun.

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Wer übermäßig viel Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit - jährlich sterben 3,3 Millionen Menschen in Europa an Alkohol.

Quelle: Florian Gaertner/dpa

Rotterdam. In Gruppen mit niedrigem sozialem Status sterben mehr Menschen an Alkohol als in besser gebildeten Gruppen. Diesen Zusammenhang fanden Wissenschaftler in allen der von ihnen untersuchten 17 europäischen Länder. In vielen Staaten seien alkoholbedingte Todesfälle in erheblichem Maße für die sozialen Unterschiede in der Sterblichkeit der Bevölkerung mitverantwortlich, schreiben sie im Fachblatt "PLOS Medicine".

Wenn Alkohol tötet

Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für viele chronische und tödliche Erkrankungen. Er kann unter anderem Leberschäden, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs verursachen, zu akuten Vergiftungen führen oder tödliche Unfälle mitverursachen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Alkohol jährlich für 3,3 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich - ein Anteil von 5,9 Prozent an allen Todesfällen. Alkohol wird in allen sozialen Schichten getrunken - aber eben nicht in allen gleich.

Komasaufen bei Ärmeren verbreitet

In vielen Ländern trinken sozial besser gestellte Menschen häufiger - und manchmal auch mehr - als Menschen mit geringerem Bildungsgrad, schreiben die Forscher um Johan Mackenbach vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam (Niederlande). In unteren sozialen Gruppen sei problematisches Trinkverhalten - etwa das Komasaufen - allerdings verbreiteter, infolgedessen seien alkoholbedingte Gesundheits- und soziale Probleme häufiger. Die Forscher um Mackenbach werteten Daten aus Sterberegistern seit etwa 1980 von 17 europäischen Ländern aus, um den Zusammenhang zwischen alkoholbedingten Todesfällen und sozioökonomischen Faktoren zu untersuchen.

Hohes Risiko in Ungarn

Deutschland war nicht dabei. Basierend auf dem Ausbildungsgrad und dem Beruf teilten sie die Verstorbenen in unterschiedliche soziale Gruppen ein. In Ungarn starben im Ländervergleich am meisten Männer und Frauen an Alkohol. In allen Ländern waren alkoholbedingte Todesfälle in den unteren sozialen Gruppen häufiger. Die stärksten Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen fanden die Forscher in den Ländern Osteuropas sowie in Finnland und Dänemark. In Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz waren die Unterschiede hingegen weniger stark ausgeprägt. In Finnland, Slowenien, Ungarn und Dänemark - hier nur bei den Männern - waren alkoholbedingte Todesfälle mit einem Anteil von zehn Prozent oder mehr maßgeblich für die messbaren Unterschiede der Gesamtsterblichkeit in den verschiedenen sozialen Gruppen verantwortlich, berichten die Forscher weiter.

Männer besonders gefährdet

In vielen Ländern habe es in den vergangenen Jahrzehnten bei den Männern in den unteren sozialen Schichten eine deutliche Zunahme der alkoholbedingten Todesfälle gegeben, während deren Zahl in den höheren sozialen Schichten gleichgeblieben sei. Dies habe die Ungleichheit zwischen den sozialen Gruppen verstärkt. Dieser Trend sei aber nicht einheitlich. So sei die Rate alkoholbedingter Todesfälle in den unteren sozialen Schichten in den Ländern Südeuropas gleichgeblieben oder sogar zurückgegangen. Laxere Gesetze, ein leichterer Zugang zu Alkohol oder steigende Einkommen seien mögliche Erklärungen für den beobachteten Anstieg und für die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Genauere Untersuchungen dazu, warum die Zahl der Alkoholtoten in den unteren sozialen Schichten einiger Ländern nicht zugenommen habe, könnten dazu beitragen, Bekämpfungsstrategien für die anderen Länder zu entwickeln, schreiben die Forscher.

1,3 Millionen Süchtige in Deutschland

In Deutschland sterben nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung jährlich etwa 74 000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Etwa 1,3 Mio. Menschen gelten als alkoholabhängig.

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