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Wissen Mit NASA-Software Frühkeltisches Kalenderwerk entdeckt
Nachrichten Wissen Mit NASA-Software Frühkeltisches Kalenderwerk entdeckt
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08:17 17.06.2011
Die Kelten richteten ihren Kalender anhand des Mondzyklus aus. Quelle: dpa
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Im Schwarzwald ist ein riesiges frühkeltisches Kalenderwerk in einem Fürstengrab entdeckt worden - aber erst rund 40 Jahre nach der eigentlichen Ausgrabung. Der Grabhügel südlich von Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) ist nach Angaben des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGMZI) in Mainz die weltweit älteste keltische Mondzyklenanlage - eine Sensation für die Archäologen.

„Die Anordnung der Gräber um das zentrale Fürstengrab stimmt mit den Sternenbildern des nördlichen Himmels überein“, sagte Allard Mees vom RGZM am Mittwoch. Entdeckt wurde das „Schwarzwälder Stonehenge“ im Fürstengrab von Magdalenenberg bereits zwischen 1970 und 1973.

„Zum ersten Mal konnten wir die Mondkultur der Kelten im vollen Umfang sichtbar kriegen. Das gab es vorher noch nie“, erklärte Mees. Er war auf die neue Deutung der Anlage mit Hilfe einer speziellen Software der US-Raumfahrtbehörde NASA gestoßen. Demnach sind die Gräber um das zentrale Fürstengrab an dem 100 Meter breiten Grabhügel - im Gegensatz zum englischen Stonehenge - nicht nach Sonnenzyklen angeordnet, sondern nach nördlichen Sternenbildern. „Auch Caesar kannte schon die keltische Mondzeitrechnung, aber er war mehr mit Erobern als mit Entdecken beschäftigt“, sagte Mees.

Mit Hilfe der Software konnte der damalige Stand der Sternenbilder von der Winter- bis zur Sommersonnenwende nachgezeichnet werden. „Endlich hat man etwas ans Licht geholt, was sonst in der Dunkelheit geblieben wäre“, sagte der Mainzer Wissenschaftler. So konnte er auch die Anlage auf den Sommer 618 v. Chr. datieren.

Für den Bau der Anlage seien Stangenreihen auf den Hügel eingesetzt worden, um die Mondwenden zu erfassen, berichtete das RGZM weiter. „Diese Himmelserscheinungen waren bestimmend für die keltische Zeitrechnung“, heißt es in einer Mitteilung des Museums. Die Kelten hätten damit auch Mondfinsternisse voraussagen können.

Die Kelten gelten als erste Stammesgruppen der Vorgeschichte mit europäischer Dimension, sie waren auch im Schwarzwald und dem heutigen Hessen zu Hause. Ihre Kultur dokumentiert sich mangels eigener schriftlicher Quellen nur durch Bodenfunde. Schriftliche Zeugnisse über die Kelten stammen von griechischen und römischen Geschichtsschreibern. Die ersten Zeugnisse für eine keltische Kultur gehen auf das achte Jahrhundert vor Christus zurück, verschwunden sind die Kelten um Christi Geburt. Ihr Kernsiedlungsgebiet war im heutigen Süddeutschland und in Ostfrankreich.

dpa

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