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Forscher suchen "Vater der Himmelsscheibe"

Grab entdeckt Forscher suchen "Vater der Himmelsscheibe"

Der Herrscher der Himmelsscheibe wurde möglicherweise bei Dieskau unweit von Halle begraben. Gewissheit soll jetzt eine Goldanalyse bringen.

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Juliane Filipp vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt begutachtet Funde aus einem Grabungsfeld bei Dieskau.

Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Dieskau. Archäologen haben möglicherweise das rund 3900 Jahre alte Fürstengrab des Herrschers der Himmelscheibe von Nebra auf einem Feld bei Dieskau in Sachsen-Anhalt entdeckt. "Gewissheit, dass hier der 'Vater der Himmelsscheibe' lag, wird die Auswertung der Goldanalysen der Grabbeigaben bringen", sagte Landesarchäologe Harald Meller am Dienstag an der Grabungsstelle. "Sollte die Zusammensetzung des Goldes identisch mit dem der Himmelsscheibe sein, ist der komplette Beweis erbracht." Das Ergebnis werde Anfang 2016 erwartet.

"Ein Hügel von derartig gigantischen Ausmaßen konnte nur für einen superreichen Herrscher gebaut werden. Der Mann lebte etwa vor 3800 bis 3900 Jahren", sagte Meller. Der Reichtum der Region resultierte aus der Kontrolle des Fernhandels zwischen Süd und Nord.

Schutz vor Grabräubern

Bei akribischen Untersuchungen und Nachgrabungen im Juli 2014 und von Mai bis August 2015 wurden Reste des als "Bornhöck" bekannten Hügels gefunden. Die Ausgräber fanden neben der leeren Grabkammer unter anderem Zurichtungsplätze für die Holzbalken, Steinschlagplätze, Trampelwege der Bauarbeiter sowie Fahrspuren der für den Transport des Baumaterials genutzten Wagen.

Die Grabkammer war dachförmig aus doppelt gestellten, massiven Eichenbohlen errichtet worden. "Um die Grabkammer vor Raubgräbern zu schützen, wurde sie mit tonnenschweren Steinblöcken abgedeckt", sagte Meller. Über den Steinen wurden Tausende Kubikmeter Erde angehäuft. Dies war keine gewöhnliche Erde, sondern der Boden einer älteren frühbronzezeitlichen Siedlung, durchsetzt mit vielen Tausend Knochen und Scherben.

Älteste Darstellung des Himmels

Das Hügelgrab wurde um 1874 geplündert und die goldenen Grabbeigaben – ursprünglich 13 Stücke – verkauft. Von dem über einen Kilogramm schweren Goldschatz haben sich fünf Stücke, vier Armringe und ein Beil, erhalten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lagen diese Funde in den Staatlichen Museen in Berlin, jetzt im Puschkin-Museum Moskau. Vor einigen Wochen konnten dort Proben des Goldes der Beigaben genommen werden.

Die Himmelsscheibe von Nebra war mehrere Jahrhunderte in Benutzung. Sie wurde vor etwa 3600 Jahren vergraben. Sie gilt als die älteste noch erhaltene konkrete Darstellung des Himmels und ist im Landesmuseum in Halle zu sehen. Das Fürstengrab wurde im 19. Jahrhundert im Zuge des Braunkohleabbaus fast vollständig abgetragen.

Von Thomas Schöne

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