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12:46 29.03.2017
Die richtige Mundhygiene ist ein wichtiger Baustein, um eine Paradontitis zu bekämpfen Quelle: iStockphoto
Hamburg

Dass regelmäßiges Zähneputzen vor Karies schützt, weiß jedes Kind. Tatsächlich können gesunde Zähne sogar das Leben verlängern. Doch schlechte Zähne sind bei Weitem nicht nur ein Schönheitsmakel. Sie steigern auch deutlich das Risiko, an Herz-Kreislauf-Leiden und an Diabetes zu erkranken. Eine gute Mundhygiene hingegen trägt dazu bei, den ganzen Organismus gesund zu halten. Der Zusammenhang zwischen Zahnerkrankungen und anderen Leiden ist wissenschaftlich vor allem bei der Parodontitis belegt, einer chronischen Entzündung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat.

Ein Diabetologe schaut nicht unbedingt in den Mund

„Unter Zahnmedizinern sind diese Zusammenhänge schon relativ gut bekannt“ sagt Søren Jepsen, er ist Direktor der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und präventive Zahnheilkunde der Universität Bonn. Bei anderen Ärzten würde er sich aber „noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema“ wünschen. Zum Wohl der Patienten wäre es am besten, wenn Ärzte und Zahnmediziner enger als bisher zusammenarbeiten, glaubt Jepsen: „Ein Diabetologe schaut seinem Patienten ja nicht unbedingt in den Mund. Dabei kann es eine unbehandelte Parodontitis erschweren, den Blutzucker einzustellen.“

Denn bei der Parodontitis ist die Erkrankung nicht nur auf die Mundhöhle begrenzt. Es gelangen auch große Mengen Bakterien in die Blutbahn, wodurch es zu einer Entzündungsreaktion kommt. Dabei werden Botenstoffe ausgeschüttet, die die Regulierung des Blutzuckerspiegels durch das Hormon Insulin stören. Ein Problem, mit dem Diabetiker ohnehin zu kämpfen haben.

Umgekehrt verstärkt ein dauerhaft erhöhter Blutzucker die Parodontitis. Denn dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die die Entzündungsreaktion im Mund fördern und den Heilungsprozess behindern. „Weil beide Erkrankungen sich gegenseitig ungünstig beeinflussen, entsteht oft ein Teufelskreis. Sie sollten also gleichzeitig behandelt werden. Das verspricht bessere Erfolge“, sagt Jepsen.

Aktuell tauschen sich Jepsen und seine Kollegen mit Ärzten anderer Fachrichtungen aus, neue Leitlinien sollen entstehen. In Zukunft sollen zum Beispiel in Arztpraxen an Diabetiker Checklisten ausgegeben werden, mit denen sich das Risiko für eine Parodontitiserkrankung bestimmen lässt. Wenn ein Verdacht besteht, sollen Patienten zum Zahnarzt geschickt werden. Umgekehrt soll in Zahnarztpraxen das Diabetesrisiko bestimmt werden, um die Patienten gegebenenfalls an einen anderen Arzt zu verweisen.

Parodontitis ist ein Risikofaktor – auch für Arteriosklerose

Die Parodontitis, darauf deutet heute alles hin, ist eine besondere Gefahr für die Gesundheit des gesamten Organismus. Zwar können auch andere Zahnleiden wie eine entzündete Zahnwurzel krank machen, weil sie das Abwehrsystem schwächen. Das sei jedoch schon lange bekannt, sagt Jepsen. Eine schwere Parodontitis spielt als Risikofaktor für andere Erkrankungen aber eine viel größere Rolle, weil dabei mehrere oder alle Zähne betroffen sind. Und die Krankheit ist relativ häufig: Acht bis zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an Parodontitis, die so ausgeprägt ist, dass sie all diese Risiken mit sich bringt, sagt der Experte. Zwar nimmt die Zahl bei den Jüngeren ab. Meist sind aber ohnehin ältere Menschen betroffen. Und da die Bevölkerung immer stärker altert, wird das Problem auch in Zukunft wahrscheinlich noch viele Menschen betreffen.

Die Ursachen für die Erkrankung sind vielfältig

Die Ursachen für Parodontitis sind vielfältig, sagt Jepsen. Schlechte Mundhygiene ist ein wichtiger Auslöser, aber nicht der einzige. Zu den weiteren Risikofaktoren zählen das Rauchen, auch bestimmte Gene spielen eine Rolle. Bewegungsmangel und eine schlechte Ernährung begünstigen ebenfalls eine Parodontitis. Zur Behandlung ist es wichtig, dass Parodontitis überhaupt erst einmal erkannt wird. Weil sie anfangs oft keine Probleme bereitet, sind regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt wichtig. Der Mediziner kann bakterienhaltige Beläge von den Zähnen entfernen, die Parodontis fördern, das Gleiche müssen Patienten regelmäßig zu Hause tun.

Wer einer Parodontitis vorbeugen möchte, sollte nicht nur regelmäßig und gründlich die Zähne putzen. Es hilft laut Jepsen auch, allgemein auf seine Gesundheit zu achten. Dazu gehören neben gesunder Ernährung auch ausreichend Bewegung und Laster wie das Rauchen aufzugeben.

Von Irene Habich/RND

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