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„Nach der Arbeit im Eis zum Hockey in die Halle“

Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung „Nach der Arbeit im Eis zum Hockey in die Halle“

Die Arktis birgt noch zahlreiche Geheimnisse für die Wissenschaft. Um sie zu entschlüsseln, hat das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) vor 20 Jahren eine eigene Arktis-Station auf Spitzbergen eröffnet, die seit 2003 gemeinsam mit dem französischen Polar-Institut IPEV betrieben wird.

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Das "Blaue Haus" der Koldewey Station des Alfred-Wegener-Institutes für Polar und Meeresforschung (AWI) in Ny Alesund auf Spitzbergen in der Arktis.

Quelle: dpa

Bremerhaven/Ny-Ålesund. „Ein ganz wesentlicher Aspekt ist die Zusammenarbeit in einer internationalen Gemeinschaft“, sagt der wissenschaftliche Koordinator der Forschungsbasis AWIPEV, Roland Neuber, über den Forscheralltag in dem Dörfchen Ny-Ålesund. Für die Arbeit am Ende der Welt halten sich die Wissenschaftler sportlich fit: „Nach der Arbeit im Eis geht es zum Hockey in die Halle.“

Was ist für Forscher so interessant an der Arktis, dass sie dafür eine eigene Station am Ende der Welt betreiben? Neuber: Am Anfang vor 20 Jahren stand die Frage im Mittelpunkt: Was passiert mit der Ozonschicht? Welche Auswirkungen hat der Ozonabbau? Heute sind die großen Themen die Grundlagenarbeit für die Klimaforschung und die Frage nach den Auswirkungen des Klimawandels auf die Polarregion. Darüber hinaus interessiert uns grundsätzlich die polare Ökologie. Die Arktis-Station ergänzt die Arbeit auf unserem Forschungseisbrecher „Polarstern“. Anders als auf dem Schiff können wir von der Station aus kontinuierliche Langzeitbeobachtungen durchführen, beispielsweise mit unserem Atmosphären- und dem Permafrost-Observatorium.

Warum teilen Sie sich die Station mit dem französischen Polar-Institut Paul Emile Victor (IPEV)? Neuber: Bis 2003 gab es eine französische Station, die parallel zu unserer am 10. August 1991 eingeweihten Koldewey-Station arbeitete. Die Forschungsthemen der beiden Stationen ergänzten sich hervorragend. Durch die Zusammenlegung beider Stationen wird eine bi-nationale Zusammenarbeit gefördert, was angesichts des erforderlichen Aufwandes für eine Polarstation die Zukunft der Polarforschung sein könnte.

Hat sich die Zusammenarbeit bewährt? Neuber: Unsere Kooperation beschränkt sich nicht auf logistische Aspekte, sondern umfasst vor allem die Zusammenarbeit bei Forschungsthemen, bei Workshops und auch die gemeinsame Begutachtung von Forschungsanträgen. Das alles funktioniert sehr gut, obwohl beide Institute von ihrer Struktur her ganz unterschiedlich aufgebaut sind. Das AWI ist ja eine Forschungseinrichtung, die auch die Infrastruktur bereitstellt. Das IPEV stellt nur die Logistik, die Forschung erfolgt über die unterschiedlichsten Universitätsinstitute in Frankreich.

Welche Veränderungen hat es als Folge des Klimawandels seit der Gründung rund um die Station gegeben? Neuber: Die Gletscher in der Nähe von Ny-Ålesund haben sich teilweise massiv zurückgezogen. Für mich persönlich war das schon ein sehr dramatisches Erlebnis. Als ich 1989 das erste Mal dort war, konnte man den Gletscher noch mit dem Schneemobil befahren, heute arbeiten wir dort mit dem Boot. Subjektiv empfunden gibt es dort mehr Regen während der Winterzeit; objektiv haben sich die meteorologischen Daten aber kaum verändert. Zu beobachten ist ein stärkerer Abbau der Ozonschicht, weil die Stratosphäre durch die Klimaveränderung kälter wird. Grundsätzlich sind aber 20 Jahre zu kurz, um Veränderungen im dekadischen Bereich zu beurteilen.

Wie lebt es sich auf einer Forschungsstation so hoch im Norden? Neuber: Die Station steht ja nicht irgendwo mutterseelenallein. Ny-Ålesund ist im Prinzip wie ein typisches kleines norwegisches Dorf und besteht aus insgesamt 12 Forschungsstationen. Im Sommer wohnen hier rund 120 Menschen. Das Spannende daran ist die internationale Gemeinschaft, die eben durch die gemeinsamen Interessen verbunden ist. Gewöhnungsbedürftig ist es, dass es im Winter praktisch nur Dunkelheit und nicht einmal eine Dämmerung gibt. Neben zwei norwegischen Stationen ist AWIPEV die einzige ganzjährig betriebene Station. Im Winter wird das hier sehr einsam.

Und was macht man in der Arktis, wenn man nicht gerade arbeitet? Neuber: Insbesondere im Winter sind Hallenhockey und Skifahren ganz beliebt. Im Sommer kommen noch mehr Möglichkeiten dazu. Ausflüge mit dem Boot und Wanderungen zum Beispiel. Nach einiger Zeit realisiert man allerdings auch die Besonderheiten dieser Region. Vor allem, dass es hier weder Sträucher noch Bäume gibt. Aber auch im Sommer gilt:
Wer hier arbeitet, muss schon ein gewisses Faible für die Region mitbringen.

dpa

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