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Nehmen Ekelbilder die Lust aufs Rauchen?

Zum Weltnichtrauchertag Nehmen Ekelbilder die Lust aufs Rauchen?

Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als 120.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Mit einer Schockbilder-Initiative soll die Lust auf die Zigarette eingeschränkt werden. Doch über die Wirkung lässt sich streiten – auch am Weltnichtrauchertag.

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Sollen das Verlangen aufhalten: Ekelbilder auf Zigarettenpackungen.

Quelle: dpa

Hannover. Ein längerer Blick auf die Bilder ist nur schwer zu ertragen. Sie zeigen vom Krebs zerfressene Lungen, Tumore am Kopf, schwarze Zahnstummel, faulende Raucherbeine, blutige Darstellungen von Herz-OPs. Seit dem 20. Mai müssen neue Zigarettenschachteln in Deutschland zu zwei Dritteln mit Schockbildern und Warnhinweisen versehen sein, um die Menschen vom Rauchen abzuhalten. Das sieht die neue EU-Richtlinie so vor. Ob das am heutigen Weltnichtrauchertag (31.5.) seine Wirkung tut, darüber gibt es geteilte Meinungen.

42 Motive sollen abschrecken

Doch woher stammen die Ekelbilder, die Rauchern zur Abschreckung dienen sollen? Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland, versichert, dass es sich um authentische Bilder handelt.

Laut Hönighaus wurden zahlreiche Fotos – basierend auf den 14 Textwarnungen, die 2012 beschlossen wurden – von einer externen Kommunikationsagentur produziert und auf ihre Wirksamkeit getestet.

Gefährlicher Qualm

  • Sterberate: Jedes Jahr sterben in Deutschland 121 000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mitteilte, ist jeder siebte Todesfall (13,5 Prozent) in der Bundesrepublik auf das Rauchen zurückzuführen.
  • Verbot von Werbung: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), bekräftigte zum heutigen Weltnichtrauchertag ihre Forderung nach einem Verbot von Tabakwerbung auf Plakatwänden. Das Bundeskabinett hat kürzlich ein Verbot von Tabakwerbung in S-Bahnen und an Bushaltestellen beschlossen, das dem Bundestag zur Abstimmung vorliegt.
  • E-Zigarette: Die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Heidrun Thaiss, betonte, E-Zigaretten seien kein unbedenklicher Ersatz.

Dafür haben 8000 Teilnehmer aus zehn EU-Staaten bei einer Studie mitgewirkt: Den Probanden wurden unterschiedliche Bilder vorgelegt, um deren emotionale und kognitive Reaktion auf die Darstellungen zu untersuchen. Ein Computerprogramm hat dabei kleinste Regungen des Gesichts aufgezeichnet. Insgesamt 42 Gruselmotive sollen Käufer künftig abschrecken.

Schon vor einiger Zeit hat ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung der Universität Bonn die Wirkung der Aufdrucke bei Rauchern und Nichtrauchern untersucht. Das Ergebnis: Auf Nichtraucher wirkten die Bilder abschreckend. Ähnliches gilt für Raucher, die gerade geraucht haben. Allerdings sollen Raucher schon im leichten Entzug sich völlig unbeeindruckt von Raucherlungen und Co. zeigen.

Das Ende für Nischemarken?

Insgesamt aber, heißt es weiter, könnten die Schockbilder dabei helfen, das Image des Rauchens weiter zu verschlechtern und Kinder und Jugendliche davon abzuhalten. Der Deutsche Zigarettenverband kritisiert unterdessen, dass die EU-Kommission bisher nicht hätte beweisen könne, dass die großflächigen Bilder gegenüber den Textwarnhinweisen besser funktionieren.

Es wird jedenfalls noch etwas dauern, bis die Schockbilder in den Tabakregalen auftauchen. Bereits produzierte Ware darf noch ein Jahr lang abverkauft werden. Manche Nischenmarken könnten jetzt auch ganz vom Markt verschwinden, wie der Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes, Jan Mücke, schätzt.

Für einige Marken sei der Aufwand für die Druckumstellung zu groß. Auch machten einige Hersteller möglicherweise aus zwei Marken eine. Für Raucher, die sich den Appetit nicht verderben lassen wollen, gibt es Möglichkeiten. Ob Metalldosen, Etuis oder bunte Aufkleber – verdrängen lassen sich Warnungen ja immer irgendwie.

Von Sonja Fröhlich

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