Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 15 ° Gewitter

Navigation:
OP-Hochburgen operieren Rücken 13-mal häufiger

Bertelsmann-Studie OP-Hochburgen operieren Rücken 13-mal häufiger

Immer mehr Patienten mit Rückenschmerzen werden ins Krankenhaus eingewiesen und operiert. Das ergibt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ob jemand auf dem OP-Tisch oder bei der Physiotherapie landet, hängt dabei entscheidend vom Wohnort ab.

Im Jahr 2015 gab es bundesweit mehr als 600 000 Krankenhausaufenthalte wegen Rückenschmerzen. 2007 war es noch ein Drittel weniger.

Quelle: dpa

Gütersloh. Patienten mit Rückenschmerzen landen immer häufiger im Krankenhaus. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Auch die Zahl der Rücken-OPs ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass die Häufigkeit der Eingriffe je nach Region stark variiert. So werden im hessischen Landkreis Fulda zum Beispiel 13-mal so viele Rücken-OPs durchgeführt wie im brandenburgischen Frankfurt an der Oder.

Im Jahr 2015 gab es laut der Studie insgesamt 611 000 Krankenhausaufenthalte wegen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens. Das sind 154 000 Fälle mehr als im Jahr 2007, was einem Plus von 34 Prozent entspricht. Allein auf den demografischen Wandel ist das nicht zurückzuführen. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der stationären Behandlungen insgesamt nur um 12 Prozent gestiegen.

Auch die Zahl der operativen Eingriffe nahm zu: 2015 gab es bundesweit 772 000 Eingriffe wegen Rückenbeschwerden. 2007 waren es noch 452 000. Das ist ein Plus von 71 Prozent.

Dabei sind regelrechte OP-Hochburgen entstanden. So gibt es etwa in Nord- und Osthessen sowie im angrenzenden Westthüringen ein zusammenhängendes Gebiet, in dem fast alle Stadt- und Landkreise vergleichsweise sehr hohe OP-Raten haben. Auch ob ein Patient mit seinen Rückenbeschwerden ins Krankenhaus eingewiesen wird, ist regional sehr unterschiedlich. Während beispielsweise in Heidelberg nur 58 und in Kiel 91 von 100 000 Menschen stationär behandelt werden, sind es im westfälischen Hamm 815 und in Osterode am Harz 919. Laut den Experten der Bertelsmann-Stiftung wäre ein Klinikaufenthalt häufig vermeidbar. „Die Mehrzahl der Patienten mit Rückenschmerzen erhält im Krankenhaus keine spezifische Schmerztherapie, sondern überwiegend diagnostische Leistungen, wie ein MRT. Das könnte meistens auch ambulant erfolgen“, heißt es in der Studie.

Die starken regionalen Unterschiede lassen sich nach Aussage der Forscher nur zu einem kleinen Teil auf objektive Faktoren wie die Zahl der Orthopäden vor Ort zurückführen. Sie seien auch nicht davon abhängig, wie häufig die Einwohner einer Region Rückenprobleme haben. Die Experten nennen andere Ursachen: „Die Zunahme der Eingriffe und die regionalen Unterschiede hängen auch mit den Vorlieben der ortsansässigen Mediziner zusammen“, sagte Eckhard Volbracht von der Bertelsmann-Stiftung, der an der Studie beteiligt war. „Die Entscheidung sollte aber unabhängig vom Wohnort, finanziellen Interessen und individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen“, betonte er.

Die Bertelsmann-Stiftung fordert deswegen, dass Krankenhäuser und Ärzte über auffällige „Leistungsmengen“ schnell eine Rückmeldung erhalten und die medizinischen Fachgesellschaften für die Praxen und Kliniken Leitlinien entwickeln.

Von dpa/RND/ang

Augenblicke: Bilder aus Hannover und der Welt

Klicken Sie sich durch spektakuläre Fotos – ausgewählt von der HAZ-Redaktion.

  • Bauen & Wohnen

    Jeden Samstag neu: Tipps und Trends zu Haus und Garten, Bauen, Renovieren, Architektur und Wohnen. mehr

  • Auto & Verkehr

    Lesen Sie jeden Samstag Fahrberichte und Tipps für Autofahrer. Täglich aktuell: die Verkehrslage in und um Hannover. mehr