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Pluto bekommt Besuch von der Erde

Nasa-Sonde erreicht Zwergplaneten Pluto bekommt Besuch von der Erde

Rund 85 Jahre nach seiner Entdeckung bekommt die Menschheit wohl endlich eine Nahaufnahme von Pluto. Eine seit mehr als neun Jahren reisende Sonde soll so nah an dem Zwergplaneten vorbeirasen wie noch nie ein Flugkörper – und viele Rätsel lösen.

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Das aus verschiedenen Aufnahmen aus den Jahren 2002 und 2003 errechnete Foto zeigt den Planeten Pluto – die Herstellung des Bildes hat vier Jahre gedauert und 20 Computer beschäftigt

Quelle: dpa/NASA

Washington. Als "New Horizons" losflog, war Pluto noch ein Planet. Im Januar 2006 startete die Nasa-Sonde vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, sieben Monate später degradierte die Internationale Astronomische Union (IAU) den vergleichsweise kleinen Pluto zum Zwergplaneten. Eigentlich hatte die US-Raumfahrtbehörde mit der rund 700 Millionen Dollar teuren Mission die Ersterkundung aller neun Planeten abschließen wollen, jetzt waren es plötzlich nur noch acht.

Trotzdem gilt der erste Besuch eines irdischen Flugkörpers bei Pluto und seinen fünf Monden am nächsten Dienstag als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. "Ich habe immer gesagt, dass wir einen Pluto finden würden, der mit zwei Wörter beschrieben werden kann: etwas Wunderbares", sagte Missionsleiter Alan Stern der "New York Times". "Und das stellt sich jetzt als komplett wahr heraus. Das Pluto-System ist absolut verblüffend."

Foto: Eine Grafik der Nasa zeigt, wie sich "New Horizons" Pluto nähert.

Seit mehr als neun Jahren ist "New Horizons" (Neue Horizonte, Foto: Nasa) unterwegs, hat rund fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt und ist an Mars, Saturn, Uranus, Jupiter und Neptun vorbeigeflogen, bevor nun endlich das mit Spannung erwartete Ziel der langen Reise ansteht: Auf rund 12.000 Kilometer soll sich "New Horizons" dem Pluto nähern und ihn mit seinen sieben wissenschaftlichen Instrumenten untersuchen.

Wenn man aus dieser Distanz auf Manhattan schauen würde, erklärt Wissenschaftler Stern, könnte man die Seen im Central Park ausmachen. Aber die Mission bleibt bis zur letzten Sekunde spannend. Weil die etwa Klavier-große und rund 500 Kilogramm schwere Sonde mit rund 50.000 Kilometer pro Stunde unterwegs ist, könnte schon ein Zusammenstoß mit einem Objekt so klein wie ein Reiskorn das ganze Vorhaben zu Fall bringen. Vor wenigen Tagen gab es dann auch noch einen technischen Fehler, den die Nasa aber wieder beheben konnte. Er sei "ziemlich zuversichtlich", dass alles gut geht, gibt sich Forscher Stern gelassen.

Der Sonde bleiben zwei Tage

So lang die Reise war, so kurz ist dann ihr eigentlicher Höhepunkt: Nur etwa zwei Tage hat die Sonde rund um den Vorbeiflug Zeit, um gute Fotos und Messungen von Pluto zu machen. Die Erforschung des 1930 von dem US-Amerikaner Clyde Tombaugh entdeckten Zwergplaneten sei "wie ein archäologischer Spatenstich in die Geschichte des äußeren Solarsystems", hatte Stern schon beim Start der Sonde gesagt.

Der etwa minus 230 Grad kalte Pluto ist eine Art Eiszwerg, wie sie zu Zigtausenden bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind und seitdem den sogenannten Kuipergürtel bilden. Bislang haben Forscher nur fragmentarisches Wissen über den Pluto. Und die ersten, noch verschwommenen Fotos, die "New Horizons" lieferte, haben unendlich viele neue Fragen mit sich gebracht.

Schneit es auf Pluto?

Der Vorbeiflug der Sonde soll den Winzling, der mit einem Durchmesser von etwa 2300 Kilometern kleiner als der Erdenmond (3500 Kilometer) ist, erstmals kartographieren und – so hoffen Wissenschaftler – viele Jahrzehnte alte Rätsel lösen. Ob es auf dem Pluto schneit, beispielsweise. Oder ob in seinem Eiskern ein Ozean versteckt liegt.

Nach dem Pluto-Besuch soll "New Horizons", die unter anderem zwei US-Münzen und einen kleinen Haufen Asche des 1997 gestorbenen Pluto-Entdeckers Tombaugh an Bord hat, noch tiefer in den Kuipergürtel hineinfliegen. Wie und wohin genau, beraten die Nasa-Wissenschaftler noch. Aber die Spannung sei schon da, wie Astronom Michael Brown, der 2005 den Zwergplaneten Eris im Kuipergürtel entdeckte, der "New York Times" sagte. "Wir sind ziemlich sicher, dass es dort draußen etwas gibt, was so groß ist, dass wir aufhören können, uns über Möchtegern-Dinge wie Pluto zu sorgen und anfangen können, uns mit dem wirklichen neunten Planeten zu beschäftigen."

Von Christina Horsten

Wie Pluto zu seinem Namen kam

Der Zwergplanet Pluto ist nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt. Die Idee dazu hatte aber nicht etwa ein Wissenschaftler, sondern ein damals elf Jahre altes Mädchen – die 2009 gestorbene Venetia Phair. Ihr Großvater habe ihr 1930 aus der Zeitung vorgelesen, dass ein neuer Planet entdeckt worden sei, erzählte die Engländerin 2006 der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

"Nach einer kurzen Pause habe ich dann aus irgendeinem Grund gesagt: "Warum nennen sie ihn nicht Pluto?" Ich hatte von den griechischen und römischen Legenden in Kinderbüchern gelesen und kannte das Sonnensystem und die Namen der anderen Planeten. Also dachte ich, diesen Namen gibt es noch nicht."

Phairs Großvater, ein Bibliothekar, erzählte einem befreundeten Astronom von der Idee. Der wiederum gab sie an die Entdecker im Lowell-Observatorium im US-Bundesstaat Arizona weiter – und die nahmen den Vorschlag an. "Ich war begeistert", erinnert sich die spätere Lehrerin Phair. "Das war sehr aufregend damals für ein kleines Mädchen."

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Plutofans zählen die Minuten
Foto: Der Pluto aus einer Entfernung von vier Millionen Kilometern. Am Dienstagmittag wird sich die Nasa-Sonde "New Horizon" dem Zwergplaneten auf 12.000 Kilometer nähern.

Hobbyastronomen in aller Welt zählen die Minuten: Heute Mittag um 13.50 Uhr wird die Nasa-Raumsonde "New Horizons" am Pluto vorbeirasen. Das Netz steht bereits jetzt Kopf.

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